Kinderkriegsspiele

erschienen am 12. November 2011 in der Zweiwochenschrift „Ossietzky“ (www.sopos.org/ossietzky) Ausgabe 23/2011

Lange war es der Bundeswehr zumindest auf dem Papier verboten, bei ihren Werbeveranstaltungen unter 18-Jährige an Waffen zu lassen. Seit Februar 2011 ist die Regelung geändert. Nun dürfen Kinder und Jugendliche zwar weiterhin nicht mit Pistolen und Gewehren hantieren, dafür aber in Kampfpanzern und Jagdbombern Platz nehmen.

Ralf Willinger, Referent für Kinderrechte beim Kinderhilfswerk »terre des hommes« ist sauer. Noch vor wenigen Monaten hatte er das Verteidigungsministerium dafür gelobt, daß es 2007 eine Vorschrift erlassen hatte: »Bei allen Veranstaltungen der Truppe, die der Informationsarbeit dienen, ist durch geeignete Vorkehrungen und Dienstaufsicht sicherzustellen, daß Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr keinen Zugang zu Handfeuerwaffen oder Munition erhalten. Für ausgestellte Waffensysteme gilt dies adäquat«, hieß es damals im Ministerialblatt des Bundesministeriums der Verteidigung. Doch im Januar 2011 wurde die für Soldaten bindende Vorschrift geändert: »Zugang zu Handfeuerwaffen, Munition und Waffensystemen im Sinne des Waffengesetzes«, lautet die Überschrift nun. Warum sich das Ministerium neuerdings auf das deutsche Waffengesetz beruft, geht aus einer Fußnote in dem 40-seitigen Schriftstück hervor: »Als Waffen im Sinne des Waffengesetzes gelten insbesondere Schußwaffen, Schußapparate, Hieb- und Stoßwaffen oder vergleichbare Gegenstände. Schiffe, Flugzeuge sowie nicht-handelsübliche Fahrzeuge der Bundeswehr sind keine [Hervorhebung im Original, M. Sch.] Waffensysteme im Sinne des Waffengesetzes.« Kinder dürfen bei den Werbeveranstaltungen der Armee also kein Gewehr in die Hand nehmen, aber sich in einen »Leopard 2« Kampfpanzer oder einen »Eurofighter«-Kampfjet setzen.

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