Archiv für Februar 2012

Videospiele: „Noch gibt es Hemmung vor der Auseinandersetzung“

erschienen am 29. Februar 2012 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Patrik Schönfeldt ist Vorsitzender des „Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler“ (VDVC). Die 2009 gegründete Organisation hat etwa 1.500 Mitglieder, beschäftigt sich mit der politischen Debatte um Videospiele und ist im Verbraucherschutz tätig.

Wenn in Deutschland über Videospiele diskutiert wird fallen oft Worte wie „Killerspiel“ oder „Ballerspiel“. Wie bewerten Sie aktuell die gesellschaftliche und politische Debatte um Videospiele?

Die Debatte ist in letzter Zeit deutlich ruhiger geworden, was aber leider nicht heißt, dass kein Aufklärungsbedarf mehr bestünde. Die Debatte ist nicht abgeschlossen, sondern abgebrochen. Viele Vorurteile sind weiterhin verbreitet, glücklicherweise dienen sie aber in letzter Zeit seltener als Entscheidungsgrundlage. Allein das Wort „Killerspiel“ ist ja schon ein deutliches Zeichen. Es ist in etwa so, als würde man unter der Überschrift „Saisonkraftwerke“ über erneuerbare Energien diskutieren – da ist das Urteil schon längst gefallen.
So wundert es auch nicht, dass immer noch viele Menschen glauben, dass Computerspiele dick, dumm und gewalttätig machen, Computerspiele die Nutzer isolieren oder dass in „World of Warcraft“ „geballert“ wird. Allerdings werden diese Vorurteile nicht so laut verbreitet wie noch vor zwei Jahren. Im Gegenteil versucht ja unter anderem das Land Bayern sein zum Beispiel durch Verbote von LAN-Partys ramponiertes Image wieder etwas zu verbessern. Wobei das leider eher wirtschaftliche als gesellschaftliche Hintergründe hat.

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Battlefield 3: Das virtuelle Schlachtfeld

erschienen als „IMI-Studie 2012/05″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Die Story – Der Hintergrund – Die Produktion – Die Vermarktung

„Die Kriegsschauplätze bei Battlefield 3 jagen mir einen kalten Schauer über den Rücken. Nicht nur, weil man in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ‚mitspielt‘, sondern weil der medial und politisch von langer Hand vorbereitete Krieg gegen den Iran ebenfalls in Hochglanz über die Monitore flimmern wird. In Battlefield 3 soll sich der Spieler mit US-Soldaten identifizieren und so deren Feindbilder und die dazugehörige Politik akzeptieren. Ob er sich darüber hinaus ein Urteil über die echte Weltlage bilden kann oder wird, halte ich für fraglich. Hier zahlen die Spieler noch freiwillig Geld dafür, sich gegen potenzielle Kriegsgräuel desensibilisieren zu lassen“, schreibt Sebastian Biemann in einem Leserbrief im Videospiel-Magazin GameStar und löste damit noch vor Erscheinen des First-Person-Shooter-Videospiels „Battlefield 3“ eine Debatte über dessen Inhalt aus.[1]

Verantwortlich für das Blockbuster-Spiel, welches weltweit ab dem 25. Oktober 2011 (in der EU ab dem 28. Oktober) für den PC und die Spielkonsolen Sony Playstation 3 und Microsoft Xbox 360 erschien, sind das schwedische Entwicklerstudio „Digital Illusions Creative Entertainment“ (DICE) und der US-Publisher „Electronic Arts“ (EA). Battlefield 3 wurde in den ersten beiden Wochen nach Veröffentlichung bei einem Preis von 40 bis 70 Euro allein in der Bundesrepublik über 500.000 Mal verkauft.[2] „Einen besseren Start hat bisher noch kein Actionspiel in Deutschland hingelegt“, resümiert die GameStar auf ihrer Website.[3] Weltweit wurden bis zum 1. November 2011 fünf Millionen Exemplare des Videospiels verkauft.[4] Bis Ende November 2011 sind 12 Millionen Exemplare des Videospiels an den Einzelhandel ausgeliefert worden, von denen bis dahin 8 Millionen verkauft wurden.[5] Dazu wurde das Spiel bis Ende 2011 noch etwa 3,5 Millionen-Mal illegal für den PC und 760.000-Mal für die Xbox 360 illegal aus dem Internet heruntergeladen.[6] Battlefield 3 ist mit seinen Verkaufszahlen (und illegalen Downloads) eines der weltweit erfolgreichsten Videospiele, die es bisher gab.

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Anti-ACTA-Demonstration in Kassel im Bild

Wie schon vor zwei Wochen gab es auch heute wieder einen bundesweiten Aktionstag gegen das geplante Urheberrechtsgesetz „ACTA“. Und wie schon vor zwei Wochen habe ich auch dieses Mal den Protest in Bildern festgehalten – allerdings war ich in Kassel und nicht wie zuletzt in Münster.

Meine Fotos von der Demonstration mit rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gibt es hier auf meinem flickr-Account zu sehen.

Blut und Ehre für das deutsche Vaterland?

erschienen als „IMI-Standpunkt 2012/010″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Es soll sich wieder lohnen, für Deutschland zu sterben. Dazu soll es nach Willen des Verteidigungsministers bald einen „Veteranentag“ geben.

Die Bundeswehr soll schrumpfen, die Zahl der Auslandseinsätze soll aber zunehmen: heute kann die deutsche Armee 7.000 Soldaten dauerhaft im Ausland unterhalten, bald sollen dauerhaft 10.000 Bundeswehr-Soldaten die Interessen Deutschlands in aller Welt militärisch sichern.[1] Seit Jahren betreiben Bundesregierung und Verteidigungsministerium eine Expansion deutscher Militärinterventionen im Ausland. Der Ernstfall Auslandseinsatz ist zum Normalfall geworden. Doch was Politiker einfach beschließen, ist in der Bevölkerung umstritten: tote und traumatisierte deutsche Soldaten verkaufen sich schlecht. Die Zustimmung zu Kriegspolitik und Auslandseinsätzen wie dem in Afghanistan ist gering. Die Politik reagiert auf die mangelnde Popularität militärischer Einsätze und des „Soldatenberufs“ mit der Etablierung eines neuen Heldenkults um deutsche Soldaten: sterben für das Vaterland soll sich wieder lohnen.

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Titelfoto: Studentische Hochschulpolitik für die Universität Kassel

Beim kassel university press-Verlag ist kürzlich das Buch „Studentische Hochschulpolitik für die Universität Kassel – 40 Jahre zwischen Bildungsprotest und Verteidigung der politischen Selbstverwaltung“ erschienen.

Zur Gestaltung des kleinen Sammelbands – eine nicht-ausdruckbare PDF-Version ist hier verfügbar – haben sich die HerausgeberInnen für ein von mir gemachtes Foto entschieden – schöne Sache!

Krieg aus Bits und Bytes

erschienen im Dossier Nr. 69 „Computerspiele: Friedensjournalismus vs. Kriegspropaganda“, Beilage zur „Wissenschaft und Frieden“ (www.wissenschaft-und-frieden.de) 1/2012

Videospiele gehören heute vor allem für junge Menschen zum Alltag. Spiele, die Militär und Krieg darstellen, erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Die in den Militärspielen erzählten Geschichten sind dabei oft politisch brisant. Die Spieleentwickler arbeiten nicht selten eng mit der Waffenindustrie und dem Militär zusammen oder sind sogar selbst in der Rüstungsbranche tätig.

Gemäß einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung betrug der Umsatz mit Videospielsoftware in Deutschland im Jahr 2010 insgesamt 1,86 Mrd. Euro.[1] Das ist ein Wachstum von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Über 22 Millionen Bundesbürger spielen virtuelle Spiele. Das am 28. Oktober 2011 in Europa veröffentlichte First-Person-Shooter-Videospiel (Ego-Shooter) »Battlefield 3« des US-Herstellers Electronic Art ging in den ersten beiden Verkaufswochen allein in der Bundesrepublik über 500.000 Mal über die Ladentheke.[2] Bis Ende November 2011 wurden weltweit zwölf Millionen Exemplare des Videospiels an den Einzelhandel ausgeliefert, von denen zu diesem Zeitpunkt bereits acht Millionen verkauft waren.[3] Solche Verkaufszahlen sind kein Einzelfall. Der Anfang November 2011 erschienene dritte Teil der Reihe »Call of Duty: Modern Warfare« machte innerhalb von 17 Verkaufstagen mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz.[4] So erreichen militärische Videospiele heute ein Millionenpublikum und bringen den Herstellern Milliardenumsätze.
Kritische Debatten über Videospiele kreisen sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit in der Regel um die Frage der dargestellten Gewalt. Welche politischen Aussagen die Spiele verbreiten, spielt hingegen kaum eine Rolle. Es wird über äußere Formen, nicht über die Inhalte der Videospiele diskutiert.[5] Dabei sind die in den Spielen erzählten Geschichten oft hoch brisant, ebenso das Geschäftsgebaren der hinter den Spielen stehenden Firmen.

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Diskussion in Darmstadt

Die Bundeswehr drängt in den letzten Jahren immer stärker in die Öffentlichkeit. Ihre immer breiter angelegten Reklamefeldzüge haben dabei allein im Jahr 2010 knapp eine Millionen Jugendliche erreicht und machen auch vor Schulen nicht halt. Mit dem Abschluss einer sogenannten Kooperationsvereinbarung zwischen der Bundeswehr und dem Hessischen Kultusministerium im November 2010 wurde für das Auftreten der Bundeswehr in Schulen eine neue Grundlage gelegt.

VertreterInnen des StadtschülerInnenrats Darmstadt, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und ich werden morgen über die Aktivitäten und den Umgang mit der Bundeswehr an Schulen diskutieren. Das wird sicher spannend! Über viele MitdiskutantInnen würde ich mich – und würden sich die Veranstalter – sehr freuen!

22. Februar 2012 / 18Uhr / Podiumsdiskussion: „Schule ohne Bundeswehr“ / Darmstadt, Ludwig-Georgs-Gymnasium / Flyer der Veranstalter (PDF)

Fotos von der Anti-ACTA Demonstration in Münster

Im westfälischen Münster gingen am 11. Februar 2012 über 1.000 meist junge Menschen gegen das geplante internationale Urheberrechts-Abkommen „ACTA“ auf die Straße – in 55 Städten nahmen bundesweit zehntausende Demonstranten an kreativen Aktionen gegen das umstrittene Gesetz teil.

Fotos von der Demonstration in Münster gibt es hier auf meinem flickr-Account.

Panzer im Stadtparlament

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 8. Februar 2012

- In Kassel will ein Friedensbündnis den Rüstungsexport aus der Stadt nach Saudi-Arabien stoppen -

Im nordhessischen Kassel kämpft ein Friedensbündnis gegen den Export von in der Stadt produzierten Kampfpanzern nach Saudi-Arabien. Ein Teil der Lokalpolitiker will das Thema lieber ignorieren.

Buhrufe von den Zuschauerrängen, Ermahnungen durch das Präsidium und ein um Worte ringender Oberbürgermeister: In der Kasseler Stadtverordnetenversammlung Ende Januar ging es turbulent zu. Das war der vorläufige, aber wohl nicht letzte Höhepunkt eines monatelangen Streits.
Nachdem im Juli 2011 bekannt wurde, dass in den kommenden Jahren 270 teilweise in Kassel hergestellte Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A7+ nach Saudi-Arabien geliefert werden sollen, gründete sich in Kassel eine Initiative für den Stopp des Rüstungsexports. Die schweren Panzer sind besonders geeignet, um Aufstände – wie die während des »Arabischen Frühlings« 2011 – niederzuschlagen. Experten schätzen den Wert des Geschäfts auf mindestens 1,7 Milliarden Euro.

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„Die Eroberung der Schulen“ – in Hannover

Nie zuvor war die Bundeswehr mit einer solchen Intensität in der Öffentlichkeit präsent, um für sich und ihre Militäreinsätze zu werben. Außer z. B. auf Messen und Berufsinformationstagen betreibt die Bundeswehr dabei selbst an Schulen aggressive Werbung. Dazu kommen Jugendoffiziere und Wehrdienstberater an die Schulen oder werden bereits Vierzehnjährige klassenweise in Kasernen geholt. Über die Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr an Schulen werde ich am kommenden Mittwoch einen Vortrag (+ Diskussion) in Hannover halten. Wie immer würde ich mich über zahlreiche Besucherinnen und Besucher freuen!

8. Februar 2012 /19 Uhr / Vortrag: „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Schulen wirbt“ / Hannover, Pavillon (Lister Meile 4) / Seite der Veranstalter