»Der Teppich wurde mit Ketchup verschmutzt«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 14. April 2012

- Protestaktion vor einem Messestand der Bundeswehr hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Ein Gespräch mit Anna Sander -

Anna Sander ist aktiv beim »Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung« in Stuttgart. Sie steht jetzt vor Gericht, weil sie gegen die Bundeswehr demonstrierte

Im Februar vergangenen Jahres fand in Stuttgart die »didacta« statt – mit knapp 100000 Besuchern die größte Bildungsmesse Europas. Wie jedes Jahr gehörte auch die Bundeswehr zu den Ausstellern. Sie haben dagegen protestiert und wurden prompt festgenommen – jetzt steht der Gerichtsprozeß an. Weshalb eigentlich?

Mir und meinem Mit­angeklagten wird vorgeworfen, bei unserer Aktion in drei Fällen Uniformen und den Teppich des Bundeswehr-Messestandes mit Ketchup verschmutzt zu haben. Wir haben uns auf den Boden vor dem Stand gelegt und wollten mit dem Ketchup das Blut von Kriegsopfern symbolisieren. Dazu haben wir über einen Lautsprecher auch noch Töne von Explosionen und Gewehrschüssen abgespielt. Der bei unserer Aktion entstandene Sachschaden durch die Ketchup-Flecken soll sich auf 100 Euro belaufen.

Wie hat die Bundeswehr denn auf die Aktion reagiert?

Im Raum Stuttgart kommt es auf Messen fast immer zu Aktionen gegen Werbestände der Bundeswehr. Von daher war der Protest für deren Offiziere sicher nicht ganz überraschend. Zudem schien es mir, daß die Polizei schon bereitstand, sie war nämlich sehr schnell an Ort und Stelle. Auch die Feldjäger haben sofort eingegriffen und versucht, die Aktion zu unterbinden.
Die Bundeswehr kann mit Kritik nicht umgehen, deshalb muß sie wohl zu solchen Mitteln greifen. Dennoch konnten wir auf der »didacta« einige Zeit einen Gegenpol zur Armeepropaganda bilden. Unsere Gruppe hat aber dann Hausverbot für den gesamten Bereich der Messe bekommen und sich auch entfernt. Ich und eine weitere Person wurden aber von der Polizei festgehalten und sogar zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit auf die Wache genommen – scheinbar suchten die Beamten irgend jemand, den sie für diese Aktion verantwortlich machen können.

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