Als Flüchtling in Nordhessen

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitung der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Juni 2012

Menschen ohne deutschen Pass haben es schwer. In Fuldatal- Ihringshausen nördlich von Kassel leben über einhundert Flüchtlinge unter teils miserablen Umständen in einem engen Wohnheim. Eine vor kurzem gegründete antirassistische Initiative berichtet von den Zuständen, in denen Flüchtlinge im Raum Kassel leben müssen.

„In Afghanistan herrscht Krieg, deswegen bin ich geflohen“, erzählt Ayas mit ruhiger Stimme. Mit dreizehn ist er aufgebrochen um in Europa ein vermeintlich besseres Leben zu finden. Mehrere Jahre hat die gefährliche Reise gedauert: „In Frankreich musste ich in Parks unter freiem Himmel übernachten.“ Eigentlich war für ihn auch Deutschland nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Schweden, wo die Situation für Flüchtlinge besser sein soll: „Ich wurde aber von der Polizei in Thüringen festgenommen und musste Asyl beantragen.“ Zu diesem Zeitpunkt war Ayas gerade mal sechzehn Jahre alt. Als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling hätte der junge Afghane eigentlich Anspruch auf besonderen Schutz gehabt: „In Thüringen haben sie mir gesagt ich solle nach Kassel gehen und werde dort in einem Jugendheim untergebracht.“ In Kassel war davon dann aber keine Rede mehr. Ayas, der eigentlich anders heißt, wurde von den Behörden in den Landkreis geschickt und ihm verboten in Kassel zu wohnen – der Landkreis besitzt allerdings gar keine spezielle Einrichtung für minderjährige Flüchtlinge. In einem Flüchtlingsheim in Fuldatal-Ihringshausen nördlich von Kassel wurde Ayas in einem kleinen Zimmer mit fünf fremden Menschen, die vom Alter seine Eltern hätten sein können, gesteckt.

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