Archiv für Juli 2012

Spec Ops – The Line: Das virtuelle Schlachtfeld

erschienen als „IMI-Studie 2012/11″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Die Story – Der Hintergrund – Die Produktion

„Ein Spiel zum Schlechtfühlen“, schrieb Spiegel-Online über „Spec Ops – The Line“.[1] Bild-Online überschrieb einen Artikel über das am 29. Juni 2012 für den PC, die Sony Playstation 3 und die Microsoft Xbox 360 erschienene Videospiel mit „Das Anti-‚Call of Duty‘ aus Deutschland“ und nannte es ein „Statement gegen den Krieg“.[2] Die WAZ titelte „‚Spec Ops – The Line‘ – Pazifismus mit der Waffe in der Hand“.[3] Auch die deutsche Videospiel-Fachwelt jubelte über die unkonventionelle Story des Third-Person-Shooters.[4] Doch was unterscheidet das Spiel des Software-Unternehmen „Yager“ aus Berlin von anderen Militär-Shootern? Ist „Spec Ops – The Line“ wirklich ein Antikriegsspiel, als das es in vielen Medien bezeichnet wird?[5]

Diese Studie führt die Serie der unter dem Titel „Das virtuelle Schlachtfeld“ veröffentlichten Arbeiten über den Inhalt und die Aussagen militärischer Videospiele fort. Auch „Spec Ops – The Line“ wird aus einer für Videospiele unüblichen Sicht analysiert[6]: Heutige Fachmagazine schreiben viel über Grafik, Sound und Gameplay von Videospielen. Und wenn über virtuelle Spiele in Nachrichten-Medien berichtet wird, dann kreist die Debatte in Deutschland oft nur um die Frage der dargestellten Gewalt. Was die Spiele für politische Aussagen verbreiten, spielt in der öffentlichen Diskussion im Gegensatz dazu kaum eine Rolle. Es wird über äußere Formen, nicht aber über den Inhalt der Videospiele diskutiert.[7] Dabei sind die in den Spielen erzählten Geschichten und Darstellungen oft hochinteressant. „Spec Ops“ unterscheidet sich dabei sehr von den in den bisherigen Studien verarbeiteten Militär-Shootern „Battlefield 3“ und „Ghost Recon – Future Soldier“: ein eindeutiges Feindbild gibt es in „Spec Ops – The Line“ ebenso wenig wie Heldentum. Auch wenn das Spiel ebenso wie die beiden anderen in der nahen Zukunft spielt, werden keine futuristischen neuen Waffensysteme dargestellt oder Waffen überhaupt angepriesen. Bis auf leichte und mittlere Militärhubschrauber und Militärjeeps kommt in „Spec Ops“ kein schweres Kriegsgerät zum Einsatz. Dennoch – und das ist die Kontinuität zu den anderen Titeln – ist „Spec Ops – The Line“ ein Militär-Shooter und hat dieselbe Zielgruppe wie andere Spiele des Genres.

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»Die Eigentümer laufen immer noch frei herum«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 24. Juli 2012

- Panzerdeal mit Saudi-Arabien: Künstlergruppe will Waffenhändler im Knast sehen – die bringen ihre Anwälte in Stellung. Gespräch mit Philipp Ruch -

Philipp Ruch ist Gründer und Aktivist der Künstlergruppe »Zentrum für Politische Schönheit«

Das »Zentrum für politische Schönheit« hat im Mai eine Belohnung von 25000 Euro für sachdienliche Hinweise über illegale Machenschaften der Eigentümer des Rüstungskonzerns »Krauss-Maffei/Wegmann« ausgerufen. Damit wollen Sie einem Verkauf von Panzern der Münchner Rüstungsfirma nach Saudi-Arabien zuvorkommen. Die Aktion fand in den Medien eine breite Öffentlichkeit. Ihre Kampagnen-Website sieht gerade aber nicht mehr so gut aus – fast alle Fotos fehlen. Was ist los?

Die Waffenindustrie geht mit Staranwälten gegen uns vor. Die Panzerschmiede Krauss-Maffei/Wegmann hat über seinen größten Eigentümer Rüdiger von Braunbehrens, der Anteile im Wert von über 90 Millionen Euro hält, eine Unterlassungserklärung gegen unser Projekt erwirkt. Wir dürfen nicht länger dazu aufrufen, die Eigentümer des Panzerkonzerns, der illegal und höchstkriminell 800 Panzer nach Saudi-Arabien exportieren will, in Haft zu bringen. Saudi-Arabien ist eine der schlimmsten Diktaturen der Erde. Die 38 Besitzer des Unternehmens, das dieses Regime mit Panzern beliefert, verstoßen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Dafür gehören sie ins Gefängnis. Wir sammeln derzeit Spenden für einen juristischen Gegenschlag. Danach legen wir offen, was wir gegen sie in der Hand haben.

Die mediale Aufmerksamkeit scheint »Krauss-Maffei/Wegmann« nicht zu beeindrucken. Statt 270 will der Konzern nun sogar bis zu 800 Kampfpanzer des Typs »Leopard 2« an Saudi-Arabien verkaufen. Und die Eigentümer laufen immer noch frei herum. Auch ein Panzerdeal mit Indonesien ist im Gespräch. Ist die Kampagne gescheitert?

Das sind die üblichen Täuschungsversuche. Wenn man die Torte nicht bekommen soll, fordert man die ganze Bäckerei. Was uns allerdings Bauchschmerzen bereitet, sind die 38 Profiteure des schmutzigsten Waffendeals der jüngeren bundesdeutschen Geschichte, die nicht nur frei herumlaufen, sondern uns mundtot machen können und es auch versuchen. Was ist das Zentrum für Politische Schöheit gegen einen 90fachen Millionär aus Freiburg, der – buchstäblich – bis an die Zähne bewaffnet ist?

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Buchbeitrag – Karriere mit Zukunft?

Die Linksjugend [’solid] Hamburg hat unter dem Titel „Mit Kapitalismus ist kein Frieden zu machen!“ einen Sammelband über Krieg und Militarismus herausgegeben. Ich habe zum Buch, welches ganz frisch im PapyRossa-Verlag erschienen ist, einen Beitrag über den Werbefeldzug der Bundeswehr beigetragen.

Genauer geht es in meinem Artikel um öffentliche Werbeauftritte der Bundeswehr, eigene Armee-Werbemedien und Werbung sowie Militianment in zivilen Medien.
Das Inhaltsverzeichnis des Buchs ist hier einsehbar.

Militär lockt kleine Mädchen

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 16. Juli 2012

- »Bedauerliche Einzelfälle« beim Girls‘ Day -

Am jährlichen Mädchen-Zukunftstag Girls’ Day sollen Schülerinnen in typische Männerberufe schnuppern können. Die Bundeswehr nutzt dies aus und warb in diesem Jahr schon um 11-Jährige – gegen einen Befehl des Verteidigungsministeriums.

»Die am Girls’ Day teilnehmenden Truppenteile und Dienststellen der Bundeswehr laden grundsätzlich keine Kinder unterhalb der Jahrgangsstufe 9 und 10 ein«, versichert die Regierung aktuell in einer An…

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Autsch! Burschis!

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitung der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Juli 2012

Die „Deutsche Burschenschaft“ (DB) steht kurz vor der Spaltung – der extrem rechte Verbandsflügel hatte sich zuletzt durchgesetzt. Auch die schlagende „Burschenschaft Germania Kassel“ ist Mitglied im DB.

120 Mitgliedsbünde, 1.300 Aktive und über 10.000 so genannte Alte Herren sind im Dachverband von Burschenschaften, der „Deutschen Burschenschaft“ organisiert. Jährlich trifft sich die DB im thüringischen Eisenach – in den letzten Jahren kam es dabei zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Streit entbrannte 2011, weil ein Mitglied einer Mannheimer Burschenschaft „eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie“ aufweise und daher „die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit eine nichtdeutsche Abstammung“ abzuleiten sei. Zwar wurde der Antrag – auch auf öffentlichen Druck hin – in letzter Sekunde zurückgezogen, doch offenbarte er den grundsätzlichen Richtungsstreit in dem Männerbund. Auf dem „Burschentag 2012“ Anfang Juni brach der Streit in Form einer Personalie auf: der extrem rechte Burschenschafter Norbert Weidner wurde in die wichtige Position des Schriftführers der „Burschenschaftlichen Blätter“ wiedergewählt. Weidner hatte zuvor in einem Artikel geschrieben, dass der NS-Widerstandskämpfer und Theologe Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter“ bezeichnet werden könne und dessen Hinrichtung „rein juristisch“ gerechtfertigt gewesen sei. Die Wahl Weidners führte zum Abbruch des diesjährigen Burschentags, mehrere Mitgliedsbünde verließen Eisenach vorzeitig und der dem liberalen Flügel angehörende Pressesprecher der DB legte sein Amt nieder – der extrem rechte Flügel in der „Deutschen Burschenschaft“ hat sich durchgesetzt.

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Saufen, Gewalt und Politik

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitung der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Juli 2012

Anfang Juni wurden im WiSo-Pool Flugblätter der NPD gefunden. Zudem waren im gesamten Gebäude Aufkleber mit rechtsextremen Parolen zu finden. Auch wenn die Szene nicht groß ist: auch in Kassel gibt es Neonazis! Ein kurzer Überblick.

„Sturm 18“
Erstmals in Erscheinung trat die Gruppe „Sturm 18“ (die Zahl 18 steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet also „A“ und „H“ als Abkürzung für „Adolf Hitler“) im Jahr 2000. Führender Kopf war der damals nach Kassel zugezogene Neonazi Bernd Tödter, der 1993 mit einem Kumpel einen Obdachlosen zu Tode geprügelt hat. Danach saß Tödter eine mehrjährige Haftstrafe ab, ging nach Kassel, musste eine weitere Haftstrafe verbüßen und zog 2006 in die Kasseler Nordstadt. Wegen Bedrohung und Beleidigung einer Frau, deren minderjährige Tochter unter den Einfluss Tödters geraten war, kam der Neonazi im Herbst 2011 erneut für 10 Monate ins Gefängnis und sitzt die Strafe zurzeit ab. „Auch wenn der Hauptprotagonist im Knast sitzt ist der Sturm 18 trotzdem sehr gefährlich“, warnt Helge von Horn. Der Rechtsextremismus-Experte aus Kassel kennt die Szene gut. Die Handvoll Neonazis des „Sturm 18“ wären nicht selten auf öffentlichen Plätzen – etwa dem Königsplatz – anzutreffen, wo sie Alkohol konsumieren würden. Auch würden sie oft martialisch auftretend – Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel – durch die Nordstadt ziehen. Dabei komme es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen – erst Anfang Juni soll ein Mitglied des „Sturm 18“ an einem Angriff auf zwei Männer im Nordstadtpark beteiligt gewesen sein.

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Krieg der Kriegsspiele

erschienen am 14. Juli 2012 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Im Blockbuster-Videospiel „Battlefield 3″ kann der Spieler als US-Soldat in den Iran einmarschieren. Jetzt kontert die iranische Videospiel-Industrie -

Seit Herbst 2011 kann man als US-Soldat in die iranische Hauptstadt Teheran einmarschieren – zumindest virtuell im First-Person-Shooter Battlefield 3 des US-Publishers „Electronic Arts“ (EA). Im Iran wurde der Verkauf des Spiels kurz nach Veröffentlichung aufgrund des Inhalts verboten. Die iranische Nachrichtenagentur FARS-News spricht seitdem von einem open war of media des Westens gegen die islamische Republik. Die zieht nun gleich mit mehreren eigenen Videospielen in die kulturelle Gegenoffensive.

Es ist der frühe Morgen des 31. Oktober 2014 in Teheran. Am Horizont zeichnet sich der charakteristische Borj-e Milad Fernsehturm ab. Nur einige Scheinwerfer und die Leuchtspuren von Flugabwehrgeschossen erhellen die Nacht. Ein Trupp US-Soldaten liegt auf einer Anhöhe vor den Toren der Stadt. Der Angriffsbefehl kommt, die Soldaten rennen los und kämpfen sich bis ins Zentrum – nur ein Level des Videospiels „Battlefield 3″. In Anderen zerstört der Spieler mit einem M1-Abrams-Kampfpanzer feindliche Stellungen in der Wüste vor Teheran oder bombardiert mit einem F16-Kampfjet den Hauptstadtflughafen Mehrabad International Airport.
Bei der iranischen Regierung kam das Spiel nicht gut an: schon wenige Tage nach Verkaufsstart erfolgte ein Verbot. Eine Gruppe namens „Iranische Jugend“ startete außerdem eine Online-Petition gegen das Videospiel: „Wir wissen, dass die Geschichte in einem Videospiel hypothetischer Natur ist [aber wir] glauben auch, dass das Spiel absichtlich zu einer Zeit veröffentlicht wurde, in der die USA der internationalen Gemeinschaft Angst vor dem Iran machen wollen“, soll es in der Petition lauten. Über 5.000 Personen sollen die Petition allein bis Ende November 2011 unterzeichnet haben.

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Reklame aus der FDP-Zentrale

erschienen in der taz (www.taz.de) am 4. Juli 2012

- Schulmaterial über die Bundeswehr -

Einseitiges Lehrmaterial über die Bundeswehr steht in der Kritik. Das Verteidigungsministerium lässt die Unterrichtspapiere bei einem FDP-nahem Verlag erstellen.

Unterrichtsmaterial über Bundeswehr, Krieg und Frieden hat bei Linkspartei und Erziehungsgewerkschaft GEW Kritik hervorgerufen. 120.000 Euro im Jahr investiert das Verteidigungsministerium in ein Schüler- und ein Lehrerheft sowie eine Website mit monatlichem Arbeitsblatt über „Frieden & Sicherheit“.
Die Aufgaben lauten etwa: „Erörtern Sie das Selbstverständnis der Bundeswehr, das sich in der Kernbotschaft ’Wir. Dienen. Deutschland.‘ ausdrückt“. Von Kritik zum Beispiel am Afghanistaneinsatz keine Spur. 66.000 Exemplare des Heftes wurden zuletzt 2010 gedruckt. Seither können die Materialien nur noch heruntergeladen werden. Das Geld fließt allerdings in gleicher Höhe weiter.
Martina Schmerr vom GEW-Vorstand erklärt dazu, Hefte und Blätter seien zwar gut gestaltet, „aber sie beeinflussen die Schüler einseitig“. Zuletzt habe unter LehrerInnen ein Arbeitsblatt über den Nato-Libyen-Einsatz für Aufregung gesorgt. „Wann ist Krieg erlaubt?“ habe es geheißen, das Kriegs- und Gewaltverbot der UN sei nicht einmal genannt worden.
Die Innenpolitikerin der Linksfraktion Ulla Jelpke hält die Materialien „nicht nur bildungspolitisch für skandalös, sondern ich bezweifle auch die Rechtmäßigkeit“. Die Schülermagazine seien „nichts weiter als modifizierte Reklamebroschüren der Bundesregierung“.

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Tom Clancy’s Ghost Recon – Future Soldier: Das virtuelle Schlachtfeld

erschienen als „IMI-Studie 2012/10″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Die Story – Der Hintergrund – Die Produktion

„Erlebe die Zukunft des Krieges“ – unter anderem mit diesem Spruch wirbt der französische Videospiel-Hersteller UbiSoft für seinen Ende Mai 2012 erschienenen neuen Taktik-Shooter „Ghost Recon – Future Soldier“.[1] Und um es gleich vorweg zu sagen: nein, erleben kann man Krieg mit dem Videospiel – glücklicherweise – nicht, dafür gibt das Spiel aber einen guten Eindruck von heutigen und zukünftigen Militärmissionen und den Waffentechnologien der Zukunft: „Um der wachsenden Zahl von Bedrohungen in der Welt von morgen Herr zu werden, hat das US Special Operations Command eine neue Spezialeinheit ins Leben gerufen: die Group for Specialized Tactics. Hervorgegangen ist diese Elitetruppe aus der legendären D Company, 1st Battalion, 5th Special Forces Group. Sie ist die erste Task-Force für alle Aktionen, die maximale Schlagkraft erfordern und keine Spuren hinterlassen dürfen. Diese unaufhaltsamen, nicht verfolgbaren Soldaten werden die Ghosts genannt“, heißt es im Handbuch des Spiels. Nachdem die US-Regierung im realen Leben angekündigt hat, den Einsatz militärischer Spezialeinheiten massiv auszuweiten[2] und aufgrund des Szenarios aus Waffenhandel, Terrorismus und einem Putsch in Russland, lohnt sich deshalb eine nähere Auseinandersetzung mit dem Spiel.

Allerdings muss diese aus einer für Videospiele eher unüblichen Sicht erfolgen: Heutige Fachmagazine schreiben viel über Grafik, Sound und Gameplay von Videospielen. Und wenn über virtuelle Spiele in Nachrichten-Medien berichtet wird, dann kreist die Debatte in Deutschland oft nur um die Frage der dargestellten Gewalt. Was die Spiele für politische Aussagen verbreiten, spielt in der öffentlichen Diskussion im Gegensatz dazu kaum eine Rolle. Es wird über äußere Formen, nicht aber über den Inhalt der Videospiele diskutiert.[3] Dabei sind die in den Spielen erzählten Geschichten und Darstellungen oft hochbrisant. Daher folgt diese Studie meiner Vorherigen über den First-Person-Shooter „Battlefield 3“[4] und soll „Ghost Recon – Future Soldier“ vor allem aus politikwissenschaftlicher Sicht kritisch reflektieren.

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