Reklame aus der FDP-Zentrale

erschienen in der taz (www.taz.de) am 4. Juli 2012

- Schulmaterial über die Bundeswehr -

Einseitiges Lehrmaterial über die Bundeswehr steht in der Kritik. Das Verteidigungsministerium lässt die Unterrichtspapiere bei einem FDP-nahem Verlag erstellen.

Unterrichtsmaterial über Bundeswehr, Krieg und Frieden hat bei Linkspartei und Erziehungsgewerkschaft GEW Kritik hervorgerufen. 120.000 Euro im Jahr investiert das Verteidigungsministerium in ein Schüler- und ein Lehrerheft sowie eine Website mit monatlichem Arbeitsblatt über „Frieden & Sicherheit“.
Die Aufgaben lauten etwa: „Erörtern Sie das Selbstverständnis der Bundeswehr, das sich in der Kernbotschaft ’Wir. Dienen. Deutschland.‘ ausdrückt“. Von Kritik zum Beispiel am Afghanistaneinsatz keine Spur. 66.000 Exemplare des Heftes wurden zuletzt 2010 gedruckt. Seither können die Materialien nur noch heruntergeladen werden. Das Geld fließt allerdings in gleicher Höhe weiter.
Martina Schmerr vom GEW-Vorstand erklärt dazu, Hefte und Blätter seien zwar gut gestaltet, „aber sie beeinflussen die Schüler einseitig“. Zuletzt habe unter LehrerInnen ein Arbeitsblatt über den Nato-Libyen-Einsatz für Aufregung gesorgt. „Wann ist Krieg erlaubt?“ habe es geheißen, das Kriegs- und Gewaltverbot der UN sei nicht einmal genannt worden.
Die Innenpolitikerin der Linksfraktion Ulla Jelpke hält die Materialien „nicht nur bildungspolitisch für skandalös, sondern ich bezweifle auch die Rechtmäßigkeit“. Die Schülermagazine seien „nichts weiter als modifizierte Reklamebroschüren der Bundesregierung“.

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