Krieg der Kriegsspiele

erschienen am 14. Juli 2012 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Im Blockbuster-Videospiel „Battlefield 3″ kann der Spieler als US-Soldat in den Iran einmarschieren. Jetzt kontert die iranische Videospiel-Industrie -

Seit Herbst 2011 kann man als US-Soldat in die iranische Hauptstadt Teheran einmarschieren – zumindest virtuell im First-Person-Shooter Battlefield 3 des US-Publishers „Electronic Arts“ (EA). Im Iran wurde der Verkauf des Spiels kurz nach Veröffentlichung aufgrund des Inhalts verboten. Die iranische Nachrichtenagentur FARS-News spricht seitdem von einem open war of media des Westens gegen die islamische Republik. Die zieht nun gleich mit mehreren eigenen Videospielen in die kulturelle Gegenoffensive.

Es ist der frühe Morgen des 31. Oktober 2014 in Teheran. Am Horizont zeichnet sich der charakteristische Borj-e Milad Fernsehturm ab. Nur einige Scheinwerfer und die Leuchtspuren von Flugabwehrgeschossen erhellen die Nacht. Ein Trupp US-Soldaten liegt auf einer Anhöhe vor den Toren der Stadt. Der Angriffsbefehl kommt, die Soldaten rennen los und kämpfen sich bis ins Zentrum – nur ein Level des Videospiels „Battlefield 3″. In Anderen zerstört der Spieler mit einem M1-Abrams-Kampfpanzer feindliche Stellungen in der Wüste vor Teheran oder bombardiert mit einem F16-Kampfjet den Hauptstadtflughafen Mehrabad International Airport.
Bei der iranischen Regierung kam das Spiel nicht gut an: schon wenige Tage nach Verkaufsstart erfolgte ein Verbot. Eine Gruppe namens „Iranische Jugend“ startete außerdem eine Online-Petition gegen das Videospiel: „Wir wissen, dass die Geschichte in einem Videospiel hypothetischer Natur ist [aber wir] glauben auch, dass das Spiel absichtlich zu einer Zeit veröffentlicht wurde, in der die USA der internationalen Gemeinschaft Angst vor dem Iran machen wollen“, soll es in der Petition lauten. Über 5.000 Personen sollen die Petition allein bis Ende November 2011 unterzeichnet haben.

weiterlesen