Autsch! Burschis!

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitung der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Juli 2012

Die „Deutsche Burschenschaft“ (DB) steht kurz vor der Spaltung – der extrem rechte Verbandsflügel hatte sich zuletzt durchgesetzt. Auch die schlagende „Burschenschaft Germania Kassel“ ist Mitglied im DB.

120 Mitgliedsbünde, 1.300 Aktive und über 10.000 so genannte Alte Herren sind im Dachverband von Burschenschaften, der „Deutschen Burschenschaft“ organisiert. Jährlich trifft sich die DB im thüringischen Eisenach – in den letzten Jahren kam es dabei zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Streit entbrannte 2011, weil ein Mitglied einer Mannheimer Burschenschaft „eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie“ aufweise und daher „die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit eine nichtdeutsche Abstammung“ abzuleiten sei. Zwar wurde der Antrag – auch auf öffentlichen Druck hin – in letzter Sekunde zurückgezogen, doch offenbarte er den grundsätzlichen Richtungsstreit in dem Männerbund. Auf dem „Burschentag 2012“ Anfang Juni brach der Streit in Form einer Personalie auf: der extrem rechte Burschenschafter Norbert Weidner wurde in die wichtige Position des Schriftführers der „Burschenschaftlichen Blätter“ wiedergewählt. Weidner hatte zuvor in einem Artikel geschrieben, dass der NS-Widerstandskämpfer und Theologe Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter“ bezeichnet werden könne und dessen Hinrichtung „rein juristisch“ gerechtfertigt gewesen sei. Die Wahl Weidners führte zum Abbruch des diesjährigen Burschentags, mehrere Mitgliedsbünde verließen Eisenach vorzeitig und der dem liberalen Flügel angehörende Pressesprecher der DB legte sein Amt nieder – der extrem rechte Flügel in der „Deutschen Burschenschaft“ hat sich durchgesetzt.

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