»Die Eigentümer laufen immer noch frei herum«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 24. Juli 2012

- Panzerdeal mit Saudi-Arabien: Künstlergruppe will Waffenhändler im Knast sehen – die bringen ihre Anwälte in Stellung. Gespräch mit Philipp Ruch -

Philipp Ruch ist Gründer und Aktivist der Künstlergruppe »Zentrum für Politische Schönheit«

Das »Zentrum für politische Schönheit« hat im Mai eine Belohnung von 25000 Euro für sachdienliche Hinweise über illegale Machenschaften der Eigentümer des Rüstungskonzerns »Krauss-Maffei/Wegmann« ausgerufen. Damit wollen Sie einem Verkauf von Panzern der Münchner Rüstungsfirma nach Saudi-Arabien zuvorkommen. Die Aktion fand in den Medien eine breite Öffentlichkeit. Ihre Kampagnen-Website sieht gerade aber nicht mehr so gut aus – fast alle Fotos fehlen. Was ist los?

Die Waffenindustrie geht mit Staranwälten gegen uns vor. Die Panzerschmiede Krauss-Maffei/Wegmann hat über seinen größten Eigentümer Rüdiger von Braunbehrens, der Anteile im Wert von über 90 Millionen Euro hält, eine Unterlassungserklärung gegen unser Projekt erwirkt. Wir dürfen nicht länger dazu aufrufen, die Eigentümer des Panzerkonzerns, der illegal und höchstkriminell 800 Panzer nach Saudi-Arabien exportieren will, in Haft zu bringen. Saudi-Arabien ist eine der schlimmsten Diktaturen der Erde. Die 38 Besitzer des Unternehmens, das dieses Regime mit Panzern beliefert, verstoßen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Dafür gehören sie ins Gefängnis. Wir sammeln derzeit Spenden für einen juristischen Gegenschlag. Danach legen wir offen, was wir gegen sie in der Hand haben.

Die mediale Aufmerksamkeit scheint »Krauss-Maffei/Wegmann« nicht zu beeindrucken. Statt 270 will der Konzern nun sogar bis zu 800 Kampfpanzer des Typs »Leopard 2« an Saudi-Arabien verkaufen. Und die Eigentümer laufen immer noch frei herum. Auch ein Panzerdeal mit Indonesien ist im Gespräch. Ist die Kampagne gescheitert?

Das sind die üblichen Täuschungsversuche. Wenn man die Torte nicht bekommen soll, fordert man die ganze Bäckerei. Was uns allerdings Bauchschmerzen bereitet, sind die 38 Profiteure des schmutzigsten Waffendeals der jüngeren bundesdeutschen Geschichte, die nicht nur frei herumlaufen, sondern uns mundtot machen können und es auch versuchen. Was ist das Zentrum für Politische Schöheit gegen einen 90fachen Millionär aus Freiburg, der – buchstäblich – bis an die Zähne bewaffnet ist?

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