Kinder sollen die Heimatfront halten

erschienen am 1. September 2012 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Die Klasse 2b der Gemeinschaftsgrundschule Gummersbach-Bernberg in Nordrhein-Westfalen kooperiert mit der Aktion „Schutzengel für Afghanistan“ mit der Bundeswehr -

Angefangen hat alles im Jahr 2010, als eine Grundschulklasse in Gummersbach das Thema „Menschen in Krisengebieten“ behandelte. Der daraus entsprungene Aktionismus wirft allerdings Fragen auf: Vor Weihnachten desselben Jahres schickte die damalige Klasse 4 Bilder von Schutzengeln an deutsche Soldaten ins Camp Marmal nach Mazar-e Sharif in Afghanistan. Dabei blieb es aber nicht.
Aufgrund der sehr positiven Resonanz aus der Bundeswehr und den Bemühungen einiger konservativer Politiker wurde ein dauerhafter Kontakt mit der für die Aktion verantwortlichen Grundschullehrerin Mechthild Sülzer hergestellt. Frau Sülzer integrierte fortan aktuelle Informationen zum deutschen Einsatz in Afghanistan in den täglichen Schulalltag ihrer Erstklässler: „Jeden Morgen wird seither bei Unterrichtsbeginn die aktuelle Uhrzeit im Einsatzland und das dortige Wetter verkündet. Außerdem schließen die Kinder die im Einsatz befindlichen deutschen Soldaten täglich ins morgendliche Gebet ein“, heißt es in einem Bericht auf der Website der Luftwaffe. Die Luftwaffenunterstützungsgruppe Köln-Wahn will das Projekt im benachbarten Gummersbach bis 2014 aktiv fördern. Doch ist es nicht problematisch, wenn Grundschüler dazu verpflichtet werden deutsche Soldaten in einem umstrittenen Auslandseinsatz zu unterstützten?

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Nachtrag: In den Kommentaren auf Telepolis wird mir vorgeworfen falsch aus dem Bundeswehr-Artikel zitiert zu haben. Tatsächlich hat die Bundeswehr den Artikel verändert ohne dies kenntlich zu machen. Glücklicherweise habe ich einen Screenshot der ursprünglichen Version des besagten Artikels gemacht (siehe hier), aus der ich zitiert habe und in dem noch von „morgendlichen Gebeten“ und nicht nur von „morgendlichen Gedanken“ der jungen Schülerinnen und Schüler an die deutschen Soldaten im Ausland die Rede ist. Eine Frechheit, dass die Änderung des Artikels von der Bundeswehr nichts transparent gemacht wurde und ich nun als vermeintlicher Zitat-Fälscher dastehe!