Archiv für Januar 2013

Karlsruhe und Lage

Los geht’s! Auch in diesem Jahr werde ich wieder als Referent bei einigen Vortrags- und Diskussionveranstaltungen sein – zunächst geht es nach Karlsruhe und ins ostwestfälische Lage:

31. Januar 2013 / 19.30Uhr / Vortrag und Diskussion „Virtuelle Kriegsspiele“ / Bonhoefferhaus (Gartenstraße 19), Karlsruhe / Veranstalter: attac-AG „Frieden durch Abrüstung“ in Zusammenarbeit mit: DFG-VK, ESG, FgF, ver.di und VVN-BdA

12. Februar 2013 / 19Uhr / Vortrag und Diskussion „Die Bundeswehr im Werbefeldzug“ / Kartoffelhaus (Bergstraße 32), Lage / Veranstalter: Friedensgruppen vor Ort

Ich würde mich sehr über regen Besuch der Veranstaltungen freuen!

Kriegsopfer Wahrheit

erschienen als „IMI-Standpunkt 2013/004″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Wenn Propaganda die öffentliche Meinungsbildung dominiert

Der Militäreinsatz in Mali: Frankreich kämpft gegen irgendwelche Islamisten, die deutsche Bundeswehr ist schon dabei und unterstützt befreundete afrikanische Truppen, die hierzulande auch niemand kennt, mit Transportflügen. Doch wer kämpft dort eigentlich gegen wen und um was? Wussten Sie, dass es in Mali im März 2012 einen Putsch gab? Wieviel ist über die sozialen Hintergründe der Auseinandersetzungen bekannt? Und würden Sie Mali auf einer Landkarte finden? Die Informationen aus der Konflikt-Region sind rar. Erste Meldungen stützten sich nahezu ausschließlich auf Mitteilungen des französischen Militärs. Neutrale Berichterstattung gibt es kaum – das gilt für fast alle Länder mit westlichen Militäreinsätzen. Und wenn sich dann doch mal Journalisten in die Krisenregionen wagen, sind sie häufig auf eine Kooperation mit den westlichen Armeen angewiesen, um überhaupt zum Brennpunkt kommen zu können. „Embedded Journalism“ heißt das dann.

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Sprengstoff für die EU

erschienen in der Direkten Aktion (www.direkteaktion.org) Nr. 215 – Januar/Februar 2013

Die „Europäische Union“ hat den Friedensnobelpreis 2012 verliehen bekommen! Die Ehrung wurde damit begründet, dass die EU seit Jahrzehnten zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung sowie Demokratie und Menschenrechten in Europa beitrage. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Zwar ist Europa nach zwei Weltkriegen endlich befriedet, dafür wird Krieg nach außen geführt. Krieg für offene Märkte, freie Handelswege, den Zugang zu Rohstoffen, gegen Flüchtlinge und schlichtweg für die Verteidigung der Großmachtstellung der EU in der Welt. Kein Einzelfall: Den Friedensnobelpreis bekamen auch schon viele andere Militaristen und – das muss man so offen sagen – Mörder. Der Preis ist zwar auf den ersten Blick eine gute Sache, doch schaut man sich schon seinen Stifter an, sollten Zweifel aufkommen: Alfred Nobel ist der Erfinder des Dynamits.

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Call of Duty – Black Ops 2: Das virtuelle Schlachtfeld

erschienen als „IMI-Studie 2013/01″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Die Story – Der Hintergrund – Die Produktion – Die Vermarktung

Am 6. November 2003 erschien in Deutschland der erste Teil des First-Person-Shooter-Videospiels „Call of Duty“ – und wurde zum Fundament für eine der erfolgreichsten Videospiel-Reihen, die es bisher gibt. Mittlerweile umfasst die „Call of Duty“-Reihe neun Haupttitel. Insgesamt sollen bis Mitte November 2011 über 100 Millionen Exemplare der verschiedenen Titel verkauft worden sein.[1] Im März 2012 konnten für den damals aktuellen Serien-Teil – „Call of Duty – Modern Warfare 3“ – 40 Millionen aktive Spieler gemessen werden.[2]

Im Laufe der Zeit wurden Grafik und Sound dem aktuellen Stand der Technik angepasst und auch das Szenario änderte sich: wurde der Spieler der ersten „Call of Duty“-Teile noch in den Zweiten Weltkrieg versetzt, kämpfte er in späteren Teilen im Kalten Krieg und in fiktiven Kriegen der nahen Zukunft – so ist es auch im neusten Teil der Erfolgs- Serie: „Call of Duty – Black Ops 2“. Das am 13. November 2012 veröffentlichte Spiel brachte seinem Hersteller – US-Publisher „Activision“ und dem US-Entwicklerstudio „Treyarch“ – innerhalb von 24-Stunden nach Verkaufsstart einen Umsatz in Höhe von 500 Millionen US-Dollar – Analysten gehen von 6,5 bis 7,2 Millionen verkauften Exemplaren des Spiels aus.[3] 15 Tage nach Verkaufsstart überschritt der Umsatz des Spiels bereits die 1-Milliarde-US-Dollar Marke.[4] Wie schon seine Vorgänger wird „Black Ops 2“ wohl wieder alle bisherigen Rekorde bei Videospiel-Verkäufen und Umsätzen brechen.

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NSU-Morde: „Die extreme Rechte und ihr Gewaltpotential ernster nehmen“

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitung der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Januar 2013

Prof. Dr. Fabian Virchow ist Leiter des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus/Neonazismus an der FH-Düsseldorf und hat im vergangenen November im Rahmen der Ringvorlesung „Neonazis und rechtsextreme Einstellungen“ an der Uni Kassel über „Rechtsterrorismus“ referiert.

Am 4. November 2011 brannte in Eisenach ein Wohnmobil: darin fanden sich die Leichen der Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Kurz darauf explodierte in Zwickau ein Haus, in dem bis dahin die beiden Neonazis und Beate Zschäpe lebten – die rechtsextreme Terrorzelle „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) wurde aufgedeckt. Auf ihr Konto gehen zwei Bombenanschläge und zehn Menschen – fast alle mit Migrationshintergrund – wurden von den Neonazis erschossen. Unter den Mordopfern befindet sich auch Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen-Straße, nur einige hundert Meter von der Uni entfernt, erschossen wurde. Wie steht es über ein Jahr nach der Enttarnung des NSU um die Aufklärung der Terror-Attacken?

Im engeren Sinne wissen wir bisher über die Durchführung der Morde nicht viel; hier werden möglicherweise die Strafprozesse gegen Beate Zschäpe und Unterstützer_innen des Trios etwas mehr Klarheit bringen. Die Untersuchungsausschüsse in den Bundesländern Sachsen, Bayern und Thüringen sowie der des Bundestages haben sich ja vor allem mit der Frage befasst, wie zu erklären ist, dass diese Mordserie so lange unaufgeklärt bleiben konnte. Das Aufklärungsinteresse im Bundestagsuntersuchungsausschuss scheint mir durch die Fraktionen hinweg recht hoch; in den Ländern ist das parteipolitisch sicherlich unterschiedlich zu bewerten. Die als Zeugen geladenen Personen aus dem Sicherheitsapparat geben häufig ein klägliches Bild ab: ihnen fehlt zum Teil das Verständnis für das Ausmaß des Versagens, zum Teil können oder wollen sie sich nicht erinnern; auch kommt es vor, dass ihre Aussagen kurz darauf durch weitere Informationen widerlegt werden. Aufklärung im Sinne eines vertieften Einblicks in die z.T. dilettantische, z.T. demokratie-beschädigende Arbeit insbesondere der Strukturen des Inlandsgeheimdienstes ‚Verfassungsschutz’ – denken Sie beispielsweise an die staatliche Subventionierung der Neonazis durch die Bezahlung der zahlreichen V-Leute – hat vor allem über die herbeigezogenen Akten und deren akribische Analyse durch Ausschussangehörige und Medien stattgefunden. In diesem Licht sind auch die immer wieder bekannt gewordenen Aktenvernichtungen und die Versuche, diese zu vertuschen, zu werten.

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Bilanz meines Journalismus 2012

Ein Jahr ist zu Ende gegangen, diese Website wurde vor wenigen Tagen fünf Jahre alt: Zeit mal wieder Bilanz zu ziehen – wie lief‘s mit meinem Journalismus? Was hat geklappt, was nicht? Und wie wird es weiter gehen?
Erstmal die aktuellen – aber nur bedingt aussagekräftigen – Zahlen: im Jahr 2012 habe ich 31 Artikel und 9 Interviews veröffentlicht. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 55 Artikel und 7 Interviews. 2010 habe ich 53 Artikel und 18 Interviews veröffentlicht und 2009 waren es sogar 64 Artikel und 16 Interviews. Allerdings habe ich 2012 auch noch das „Soldaten im Klassenzimmer“-Buch publiziert, einen Artikel zu einem Sammelband beigetragen und fünf längere Studien veröffentlicht. Eine weitere Studie ist bereits fertig und wird bald zu lesen sein. Zudem habe ich noch 16 Interviews mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der WRI-Konferenz im Juni geführt, die noch nicht veröffentlicht wurden. Und sowieso fehlen in der Aufzählung noch Artikel, die nicht im Internet – und damit auf dieser Website – erschienen sind. Dennoch lässt sich sagen: während die Anzahl meiner Texte in den letzten Jahren abnimmt, nimmt ihre Zeichenzahl zu. Doch nun ein Blick hinter die nackten Zahlen: meine journalistischen Tops und Flops (und was dazwischen war) im vergangenen Jahr.

Tops
Gut geklappt hat die journalistische Arbeit am Thema „Videospiele“. Ich habe einige Artikel über den politischen Gehalt der Spiele veröffentlicht. Besonders gefreut hat mich dabei die Möglichkeit, einen Artikel in der taz unterzubringen – darauf habe ich auch viele positive Rückmeldungen erhalten. Außerdem ist ein Text von mir Anfang des Jahres im Dossier „Computerspiele: Friedensjournalismus vs. Kriegspropaganda“ der deutschen Fachzeitschrift für Friedensforschung „Wissenschaft & Frieden“ erschienen. Ein weiteres Highlight war ein kürzlich erschienener Artikel über die Verbindungen zwischen der Videospielbranche und der Rüstungsindustrie im Bookzine WASDdie Zukunft des Games-Journalismus. Gerade über diese Verbindung habe ich viel recherchiert und interessante Dinge heraus bekommen. Daneben habe ich oft den „Videospiel-Streit“ zwischen dem „Westen“ und dem Iran abgehandelt.
Zu meinen umfangreichsten Texten 2012 gehören die vier Videospiel-Studien unter dem Titel „Das virtuelle Schlachtfeld“. Ende Februar erschien die erste Studie zu dem First-Person-Shooter „Battlefield 3“. Es folgten im Juli Studien über „Ghost Recon – Future Soldier“ und „Spec Ops – The Line“ und schließlich Ende November eine über „Medal of Honor – Warfighter“. Eine Studie über „Call of Duty – Black Ops 2“ erscheint in wenigen Wochen – die Studien-Reihe wird also auch im neuen Jahr fortgeführt.

Soldaten im Klassenzimmer-Buch
Top: neues Buch!

Das zweite große Thema war – wie schon seit Jahren – die Werbetätigkeit der Armee. „Soldaten im Klassenzimmer – Die Bundeswehr an Schulen“ ist der Titel meines im Mai veröffentlichten zweiten Buchs. Auf 135 Seiten nehme ich darin die Werbung der deutschen Armee um Schülerinnen und Schüler auseinander und lasse in Interviews auch Akteure wie Schüler- und Elternvertreter und einen Professor für politische Bildung zu Wort kommen – die Bundeswehr wollte für das Buch leider nicht mit mir sprechen.
Daneben habe ich viele weitere Artikel über Bundeswehr-Werbung geschrieben und Interviews geführt. Besonders interessant war dabei der Blick auf die internationale Ebene. Im Juni fand in Darmstadt eine internationale Fachtagung „Gegen die Militarisierung der Jugend“ statt. Bei der Organisation des Kongresses durch die „War Resisters‘ International“ habe ich etwas mitgeholfen, während der Tagung viele interessante Gespräche und Interviews geführt und auch selbst über die Situation in Deutschland referiert. Ein Buch über die Tagung mit Beiträgen von mir und den geführten Interviews wird voraussichtlich im März 2013 erscheinen – erstmal auf Englisch, später aber wohl auch in deutscher Sprache.
Wahnsinnig gefreut habe ich mich über zahlreiche Vortrags-Einladungen. 2010 habe ich bei 14 Veranstaltungen referiert, 2011 waren es 21 Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen und 2012 sogar 27 öffentliche Veranstaltungen! Ich war in diesem Jahr (teilweise mehrfach) in München, Kassel, Hannover, Darmstadt, Mannheim, Düsseldorf, Mörfelden, Berlin, Göttingen, Frankfurt am Main, Dortmund, Essen, Ingolstadt, Regensburg, Tübingen, Stuttgart, Karlsruhe, Kaiserslautern, Worms, Beelen, Münster, Nordhorn, Bottrop und Strausberg um etwas über den „Werbefeldzug der Bundeswehr“, die „Eroberung der Schulen durch die Armee“ und zwei Mal auch über „Militärische Videospiele“ zu referieren. Dabei habe ich viele interessante und engagierte Menschen getroffen und tolle Diskussionen geführt! Und auch für dieses Jahr stehen schon die ersten Veranstaltungen in meinem Kalender.

Zwischen Tops und Flops
Über Videospiele habe ich schon etwas geschrieben, es lief gut. Aber dennoch: Es ist nicht einfach, meine Artikel über virtuelle Spiele in Zeitungen unterzubringen. Viele Redaktionen sind sich der Relevanz offenbar nicht bewusst, obwohl die Videospiel-Branche mittlerweile mehr Umsatz als Hollywood macht und die Spiele vor allem für junge Menschen zum Alltag gehören. Woran das liegt? Nicht einfach zu sagen. Vielleicht, weil viele ältere Redakteure keine eigenen Erfahrungen mit Videospielen haben. Vielleicht auch, weil das Thema nicht einfach einzuordnen ist – ein Artikel über den Waffenfetischismus in einem Militär-Shooter: Feuilleton? Politik? Einfache Rezensionen sind meine Texte nicht, aber sie behandeln auch keine tagespolitischen Auseinandersetzungen. Die aktuelle Diskussion um Videospiel-Journalismus hilft hoffentlich dem Thema „Videospiele“, an Relevanz in den Medien zu gewinnen.
Ebenfalls nicht ganz optimal lief im September ein Artikel über Werbung der Bundeswehr auf den Websites des Jugendmagazins BRAVO – dort warb die Armee actionreich für zwei Ferienlager. Ich bat den Bauer-Verlag um eine Stellungnahme und auch die Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“. Die Statements bekam ich nach einigen Tagen. Die Kinderrechtsexperten waren von der einseitigen Armee-Werbung, auf die ich sie aufmerksam gemacht habe, aber so entsetzt, dass sie eine Online-Protest-Aktion ins Leben riefen und dazu auch eine Pressemitteilung veröffentlichten. Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit meiner Anfrage etwas bewegt habe und sich die Kinderrechtler der Sache intensiv angenommen haben. Nur: Mein Artikel lag leider noch in der taz-Redaktion als das Thema wegen der „terre des hommes“-Pressemitteilung schon von den ersten Medien aufgriffen wurde. So war mein Artikel, als er endlich erschien, nur einer unter vielen – die Exklusivität war weg, das Thema hat mich überholt. Mögliche Lösung solcher Probleme in Zukunft: lieber vorher bei der Zeitung fragen, wann der Artikel veröffentlicht wird, um zwischen Recherche, fertigem Artikel und Veröffentlichung weniger Zeit verstreichen zu lassen.
Beeindruckend war dann aber mit anzusehen, wie sich das Thema verbreitete. Politiker von Linken, SPD und Grünen äußerten sich kritisch zu der Werbeaktion der Bundeswehr in den BRAVO-Medien. Die Sache kam sogar im Bundestag auf die Tagesordnung. Zeitungen, Radio und Fernsehen berichteten – und alles nur wegen meiner kurzen Statement-Anfrage bei Ralf Willinger. Schon lustig.
Nicht schlecht, aber auch nicht gut liefen meine Fotos. Hier und da konnte ich mal ein Foto zu meinen Artikeln in Zeitungen oder Online unterbringen. Das Thema „Videospiele“ ist aber natürlich besser durch Screenshots aus den Spielen zu bebildern, weshalb ich zu diesem Themenbereich nur schwer Fotos liefern kann – mit Ausnahme meiner Fotos von der jährlichen Videospiel-Messe „gamescom“ in Köln. Fast alle meine journalistischen Fotos stelle ich auch auf meine flickr-Seite. Allerdings stammen die letzten vom August – in den letzten Monaten habe ich kaum noch Zeit für’s journalistische Fotografieren gefunden bzw. konnte keine Termine – etwa Demonstrationen auf denen ich Fotos hätte machen können – wahrnehmen. Mal sehen, was 2013 bringt.

Flops
Gar nicht gut lief 2012 – zumindest ab Februar – meine Militainment.info-Website. Da ich einfach nicht die Zeit finde, Exklusiv-Artikel für die Seite zu schreiben, ist das Projekt momentan eingestellt. Das ist schade, ich weiß allerdings auch nicht, wie sich das wieder ändern könnte – zumindest allein ist das Projekt schlicht zu aufwändig. Und da ich niemanden kenne, der sich aktuell kritisch mit der Darstellung von Militär in den Medien auseinandersetzt und Interesse an einer Mitarbeit bei Militainment.info hat, wird die Seite wohl auch im Jahr 2013 ruhen.

Flop: Militainment.info

Ebenfalls schlecht lief es mit einem Artikel über den diesjährigen Mädchen-Zukunftstag „Girls’Day“ und das Verhalten der Bundeswehr dabei, den ich kaum in einer Zeitung unterbringen konnte: die Armee hat sich selbst auferlegt, bei dem Tag nur Mädchen ab der 9. Jahrgangsstufe – also einem Alter von 14 Jahren – zu umwerben. Jedoch gab es in den letzten Jahren und auch 2012 zahlreiche Fälle, bei denen schon 11-Jährige an den Armee-Veranstaltungen teilnahmen. Das Verteidigungsministerium verspricht seit Jahren Besserung, aber nichts passiert. Meiner Meinung nach ein Skandal, viele Zeitungen, den ich den Artikel angeboten habe, sahen das wohl anders und der Artikel erschien gekürzt erst sehr spät in einer Tageszeitung. Woran das lag ist nicht einfach zu sagen? Vielleicht habe ich die Relevanz des Themas gegenüber den Redaktionen nicht deutlich genug gemacht – oder mich selbst in der Relevanz bzw. Brisanz getäuscht.
Andererseits habe ich 2012 aber auch Themen verschlafen. Ein Beispiel: schon früh hörte ich, dass eine Lehrerin im nordrhein-westfälischen Gummersbach „Schutzengel“ für deutsche Soldaten von ihren Grundschulkindern basteln lässt. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich mich schon so viel mit Armee-Werbung auseinandergesetzt habe und mich da erstmal nichts mehr erschüttert: ich habe das Thema als belanglosen Einzelfall abgetan und nichts darüber geschrieben. Erst als mich zwei Wochen später ein befreundeter Journalist auf die „Schutzengel“-Aktion ansprach habe ich – aber auch nur mit wenig Elan – einen Artikel für Telepolis geschrieben. Da waren die ersten Artikel von Kollegen schon erschienen und das Thema machte die Runde durch die deutschen Medien, sorgte für eine Anfrage im Bundestag und in Gummersbach für eine hitzige Debatte. Den „Schutzengel“-Vorfall habe ich schlicht unterschätzt.
Was ich unabhängig davon immer noch schade finde: Es gibt kaum Reaktionen auf meine Texte –mit Ausnahme der Bundeswehr-BRAVO-Recherche. Sind meine Themen und Recherchen nicht interessant genug? Ich weiß es nicht. Gerade von den aufwändigen Videospiel-Studien höre ich nichts: zwar haben sie tausende Zugriffe, aber zu einer wirklichen Diskussion führen sie bisher nicht und werden auch nicht von andern Medien aufgegriffen – nichtmals von den vielen Videospiel-Fachmagazinen.

Fazit
Ich werde weiter über militärische Videospiele schreiben, mir den Bereich erarbeiten und auch weitere, aufwändige Studien verfassen – muss aber wirklich zusehen, die Studien-Reihe über das „virtuelle Schlachtfeld“ zu etablieren, um auch endlich Aufmerksamkeit für die Texte zu bekommen.
Etabliert ist mittlerweile das Thema der „Bundeswehr-Werbung“: Viele Medien berichten darüber und ich konnte meinen Teil dazu beitragen. So kann ich das Thema auch langsam etwas ruhiger angehen lassen und mich eben auf Anderes konzentrieren.
Journalistisch ist dabei für mich noch einiges zu lernen – besonders im Umgang mit Redaktionen. Darauf werde ich 2013 besonders achten und versuchen, mich zu verbessern. Daneben plane ich aber auch ein eigenes, neues Projekt und will mir neben schreiben und fotografieren auch andere journalistische Möglichkeiten erarbeiten, bei denen ich selbst publizieren kann – was das ist, wie es aussehen wird und ob es überhaupt was wird, zeigt sich in den nächsten Monaten.

Michi