Peter Grottian: „Soziale Bewegungen praktizieren zu wenig zivilen Ungehorsam“

erschienen in der Graswurzelrevolution (GWR) 378 / April 2013 und auf www.graswurzel.net

Peter Grottian ist Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der FU Berlin. Er ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von attac. Seine im folgenden Interview vertretenen Positionen weichen insofern vom Selbstverständnis der Graswurzelrevolution ab, als sie den Staat affirmativ zum Adressaten politischer Forderungen machen. Zugleich aber zielt Grottian darauf ab, die zahmen Attac-Aktionen zuzuspitzen und mit radikaler Kritik an Herrschaftsstrukturen zu verbinden. Deshalb wollen wir diese Positionen zur Diskussion stellen und freuen uns über Bezug nehmende Beiträge. (GWR-Red.)

GWR: In den Medien wird täglich über die Wirtschafts- und Finanzkrise berichtet. Mit attac gibt es eine in Deutschland bereits im Jahr 2000 gegründete Organisation, die sich mit den Themen der Krise kritisch auseinandersetzt. Was macht attac aktuell?

Peter Grottian: Wir bereiten uns gerade auf die nächsten „Blockupy“-Proteste vor, die Ende Mai und Anfang Juni in Frankfurt/M. stattfinden sollen – da soll es eine Umzingelung des Bankenviertels geben. Bei der Organisation ist attac neben Gewerkschaften und anderen linken Gruppen einer der Hauptakteure. Daneben gibt es aktuell seitens attac auch eine Bankenwechsel-Kampagne und es sind Proteste im Rahmen der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank geplant.

GWR: Meinem Eindruck nach hört man von attac momentan nur wenig in der Öffentlichkeit. Täusche ich mich da?

Peter Grottian: Das ist zum Teil sicher eine richtige Beobachtung – hängt aber auch davon ab, dass attac von den politischen Vorhaben pluralistisch organisiert und breit aufgestellt ist. Heute gibt es zum einen die Vorbereitung der „Blockupy“-Proteste, die viele Ressourcen bündelt, und die Kampagne „Umfairteilen“, in der die Frage nach einem Reichtums-Armuts-Ausgleich gestellt wird. Bei „Umfairteilen“ arbeiten wir auch viel mit Kirchen zusammen, organisieren Protestaktionen und auch einen Kongress. attac ist Teil vieler solcher Bündnisse und tritt daher eben auch nicht immer mit eigenem Namen groß in der Öffentlichkeit in Erscheinung.

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