Friedensbewegung, Friedensforschung und Protest: „Es steht schlecht um den Frieden“

erschienen in der medium² (www.medium.asta-kassel.de), Zeitschrift der Studierendenschaft Kassels, Ausgabe Mai/Juni 2013

Dr. Peter Strutynski lehrt seit 1977 Politikwissenschaft – vor allem in den Bereichen Arbeits- und Friedenspolitik sowie Internationale Beziehungen – in Kassel und ist seit 1981 in der Friedensbewegung aktiv. Er organisiert den seit 1994 jährlich an der Universität Kassel stattfindenden „Friedensratschlag“ (Infos unter: www.ag-friedensforschung.de).

Wenn Studierende an die Friedensbewegung denken, haben sie – so nehme ich an – oft das Bild von älteren Leuten der 68er-Ära im Kopf, die immer noch einem heute als weltfremd erscheinenden, internationalen Pazifismus anhängen. Ein falsches Bild?

Ich würde diesem Bild nicht grundsätzlich wiedersprechen. Und die in die Jahre gekommene Friedensbewegung empfindet es selbst zunehmend als Problem. Als ich 1967 in München mein Studium begonnen habe, wäre mir nie in den Sinn gekommen mich in der Friedensbewegung zu engagieren. Schon damals bestand die Friedensbewegung eher aus älteren Leuten und erschien mir nicht sehr attraktiv. Aber das war nur der erste Eindruck. Die Friedensbewegung, die dann in den 1980er-Jahren nach dem NATO-Doppelbeschluss, der die Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden vorsah, ihren großen Aufschwung genommen hat, war zwar eine jüngere Bewegung als heute, aber auch nicht gerade eine Jugendbewegung. Jugendliche und Studierende engagieren sich eher sporadisch aus einem konkreten Anlass, zu bestimmten Events oder Aktionen. Sie sind weniger bereit zu kontinuierlicher Arbeit in „traditionellen“ Organisationen – noch dazu wenn diese in dem Geruch stehen ein wenig angestaubt oder old fashioned zu sein. Man muss auch sehen, dass jede Bewegung ein Auf und Ab hat; das macht ja gerade ihren Bewegungscharakter aus. Die große Friedensbewegung der 1980er-Jahre ist entstanden, nachdem die Bewegung im Jahrzehnt davor auch nur von relativ wenigen Aktivisten am Leben gehalten wurde. In der jüngeren Vergangenheit war es beispielsweise der Golf-Krieg 2003, der wieder Massen gegen Krieg mobilisiert hat.

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