»Ein großer Schritt in die richtige Richtung«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 23. Juli 2013

- Zivilklausel der Uni Münster: »Formular zum Kriegswaffenkontrollgesetz« muß bei Forschungsvorhaben ausgefüllt werden. Ein Gespräch mit Jörg Rostek -

Jörg Rostek ist studentischer Vertreter im Senat der Universität Münster

Der Senat der Universität Münster hat in der vorigen Woche die Einführung einer »Zivilklausel« in die Hochschulverfassung beschlossen. Damit soll Militärforschung untersagt werden. War der Beschluß denn nötig?

Zwar findet nach unserem Kenntnisstand aktuell keine Militärforschung an der Uni statt – in der Vergangenheit gab es aber einige wehrmedizinische Projekte mit der Bundeswehr. 2004 und 2005 hat die Uni Münster dafür mehr als 60000 Euro vom Verteidigungsministerium bekommen. Da solche Forschungsprojekte dazu dienen, Krieg als politisches Mittel zu optimieren, anstatt ihn zu verhindern, gehören sie nicht an eine zivile Hochschule. Mit der Zivilklausel wollen wir dafür sorgen, daß Kriegsforschung nicht noch mal stattfindet.

Die Leitung der Münsteraner Universität gilt eher als konservativ. Wie kam es zu dem einstimmigen Beschluß?

Wir haben schon seit zwei Jahren für die Einführung der Klausel gearbeitet, viele Veranstaltungen organisiert sowie im Studierendenparlament und im Allgemeinen Studierendenausschuß darüber diskutiert. Es herrschte weitestgehend Einigkeit darüber, daß wir in Münster eine Zivilklausel brauchen. Deshalb haben wir einen Entwurf dafür auf die Tagesordnung der Senatssitzung am 17. Juli gesetzt. Zunächst sah die Rektorin Professor Dr. Ursula Nelles unseren Antrag als Mißtrauensvotum gegen sich. Sie hat klargestellt, daß sie Forschungsprojekte mit militärischem Hintergrund unterbinden würde. Mit einer Zivilklausel diesen friedenspolitischen Anspruch zu unterstützen, lag da nicht fern. Sowieso herrschte im Senat Einigkeit darüber, daß Kriegsforschung an der Uni Münster erst einmal nichts zu suchen hat. Wo Kriegsforschung beginnt, ist aber weiterhin strittig.

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