Spielsalon Kassel: „Videospiele sind Kulturgut“

erschienen in der medium (www.medium.asta-kassel.de), Zeitschrift der Studierendenschaft der Universität Kassel, Ausgabe Oktober/November 2013

Studenten der Klassen Trickfilm und Neue Medien und Informatiker sind im Organisationsteam des Spielsalons Kassel aktiv. Ebenfalls dazu gehört Stephan Hanf , mit dem wir ein Interview geführt haben.

Ende November findet im „Fridericianum“ und im „Dock 4“ zum zweiten Mal der „Spielsalon“ der Kunsthochschule Kassel, der Universität Kassel und der „Hessischen Film- und Medienakademie“, statt. Was ist das?

Der Spielsalon besteht aus einer Ausstellung, in der Videospiele in einem künstlerischen Kontext vorgestellt werden. Normalerweise hängen im Museum Bilder an der Wand, bei uns sind es Monitore, auf denen man Videospiele spielen kann. Allerdings sind die gezeigten Videospiele besondere Spiele, weil sie etwas anders machen als konventionelle Videospiele – es sind Autorenspiele, die oft tiefgehende Geschichten oder auch politische Inhalte vermitteln und dabei nicht auf ihre kommerzielle Verwertbarkeit bedacht sind. Daneben werden auch selber Videospiel-Entwickler da sein, mit denen man diskutieren kann. Es wird Vorträge, Partys und einen „Game-Jam“ geben, bei dem in einem Workshop über die fünf Festival-Tage ein Spiel programmiert werden soll. Für Studierende ist das Festival kostenlos.

Du sagtest Autorenspiele – hat denn nicht jedes Videospiel einen Autor?

Es geht darum, dass die Autoren etwas mit ihren Spielen ausdrücken wollen. Im Spielsalon zeigen wir Spiele, deren Inhalte man vielleicht erstmal gar nicht in Videospielen vermuten würde. Eines der Spiele das wir ausstellen werden ist beispielsweise „Papers Please“. Darin schlüpft der Spieler in die virtuelle Haut eines Grenzbeamter eines fiktiven, kommunistischen Landes. Dabei muss er aufpassen, dass niemand mit gefälschtem Pass oder gegen die aktuellen Einreisebestimmungen ins Land kommt, andererseits muss der Grenzbeamte seine Familie ernähren – da könnte die Annahme von Bestechungsgeld hilfreich sein. Viele solcher moralischen Fragen tauchen in dem Spiel auf – und von solchen, tiefsinnigen Indie-Spielen gibt es immer mehr.
Früher brauchte man 100 Menschen zur Programmierung eines Spiels, heute klappt es auch mit einem kleinen Team oder sogar ganz alleine. Auch der Vertrieb von Spielen ist mithilfe des Internets viel einfacher geworden. Ich beobachte da einen Kreislauf: die ersten Videospiele wurden auch nur von einzelnen Autoren entwickelt, dann kam die Zeit der großen Publisher, die es auch heute noch gibt. Aber es gibt halt auch wieder vermehrt Spiele einzelner, unabhängiger Personen.

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