Call of Commerce: Modern Advertising

erschienen in der „WASD“ (www.wasd-magazin.de) Ausgabe 4

Erst waren Vollpreisspiele die Regel. Dann kamen Spiele mit In-Game-Werbung auf. Bald schon könnten vollkommen werbefinanzierte Spiele völlig normal sein. Eine Dystopie.

Nur noch wenige Abschüsse dann hat mein Team gewonnen. Ab in eine „McDonald’s“-Filiale – irgendwo muss sich der Feind doch verstecken? Hier aber nicht. Ich haste weiter. Über die Straße und schnell hinter die „Coca Cola“-Werbetafel. Schüsse in der Ferne. Am Bildschirmrand erscheint eine Abschussmeldung: verdammt, da hat es meinen Kollegen wohl erwischt! Ich schaue mich um: ein „H&M“, ein „Primark“ und ein „GameStop“. Gab es in dem Videospiel-Geschäft nicht einen Lüftungsschacht der nach oben führt? Genau! Nur noch kurz das Gitter weg und schon sehe ich den Camper. Ich ziehe meine Pistole, schleiche mich von hinten an den Scharfschützen heran und: Schuss! Sieg! „Dieser Headshot wurde dir präsentiert von Heckler und Koch“, schallt es durch mein Headset während auf dem Bildschirm eine „Amazon“-Anzeige für eine Paintball-Pistole desselben Kleinwaffenherstellers prangt. Genau die Pistole, mit der ich gerade den letzten Gegner getötet habe. Wenn ich in der Werbe-Anzeige jetzt den „Like“-Button klicke, bekomme ich sogar noch einen Schalldämpfer für meine virtuelle Pistole. Die ist aber schon jetzt viel besser als die ganzen namenlosen Pistolen im Spiel. Klar könnte ich Geld bezahlen um die Werbung im Spiel auszuschalten. Die Marken-Namen verwandeln sich dann in Fantasieprodukte. Aber so viel Geld habe ich nicht. Daher läuft jetzt erstmal ein Werbespot des Elektrofachhändlers „Saturn“ bevor es mit der nächsten Runde weitergeht.

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