»Wir hatten eben die besseren Argumente«

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 13. März 2014

- In Solingen gibt es jetzt schon drei Schulen, in denen die Bundeswehr unerwünscht ist. Ein Gespräch mit Kai Kirstein -

Kai Kirstein ist in der »BezirksschülerInnenvertretung« in Solingen aktiv

In Solingen gibt es seit kurzem drei Schulen, die Jugendoffizieren und Wehrdienstberatern der Bundeswehr den Zutritt verwehren. Wie kam es dazu?

Vor zweieinhalb Jahren wurden alle Solinger Schülervertretungen aufgerufen, Delegierte zu einer ersten Bezirksdelegiertenkonferenz zu schicken. Nach einer ausführlichen Diskus­sion des Sachverhalts wurde das Thema »bundeswehrfreie Schule« mit großer Mehrheit als Schwerpunkt gewählt. Der Vorstand dieser »BezirksschülerInnenvertretung« stellte sich dahinter und unterstützte die einzelnen Schülervertretungen dabei, das Thema in den Schulkonferenzen auf die Tagesordnung zu setzen und Lehrkräfte wie Eltern zu überzeugen – und das mit Erfolg! Wir hatten eben die besseren Argumente, Vernunft hat gesiegt.

Gab es auch Widerstand?

Ja, damit mußte man rechnen. Das Thema scheint bei vielen Menschen Emotionen zu wecken. Die einen finden die Bundeswehr in ihrer aktuellen Rolle gut, andere wiederum nicht. Es geht aber nicht darum, ob ich die Bundeswehr gut oder schlecht finde. Es geht darum, daß wir anerkennen müssen, daß es einen wachsenden und nicht unerheblichen Teil von Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die denken, daß Einsätze der Bundeswehr im Ausland eben nicht dem Frieden dienen und statt dessen als Kriegseinsätze zu bewerten sind. Wenn das Thema in der Gesellschaft derart kontrovers diskutiert wird, muß es auch in der Schule dementsprechend behandelt werden. Das heißt: Wir kämpfen nicht gegen die Bundeswehr, sondern für die freie Meinungsbildung und gegen einseitige Beeinflussung. Wir sagen ja zu Freiheit und Demokratie – auch im Klassenzimmer!

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