Wie Waffenhersteller von Games profitieren

Artikel aus der WASD Nr. 5 erschienen als Gastbeitrag auf Zeit Online am 16. Juni 2014

Videospielfirmen kaufen Lizenzen von Waffenproduzenten, um deren Produkte abbilden zu dürfen. Spieler müssen davon ausgehen, dass sie die Rüstungsindustrie unterstützen.

Deutschland gegen England. Im „Burg-Stadion“ peitscht das Publikum die Mannschaften nach vorne. Oliver Huber schlägt den Ball weit ab in Richtung des Mittelfeldroutiniers Lothar Maletz. Maletz bringt das Spielgerät unter Kontrolle und spielt dann seine ganze Erfahrung aus: Kurze Körpertäuschung und er ist vorbei an seinem Gegenspieler. Präzisionspass zu Oliver Bilkos, der an der linken Ecke des Strafraums lauert. Bilkos nimmt den Ball an, zwei Schritte und dann – bam! – jagt er das Leder humorlos in den Giebel. Kalt wie eine Hundeschnauze, dieser Bilkos! Torwart David Siyanen kann dem Ball nur hinterherschauen. England null, Deutschland eins.
Bilkos dreht jubelnd ab, doch irgendwas hält mich davon ab, mitzujubeln. Irgendwie kann ich nicht richtig ins Spiel eintauchen, mein Kopf ist voll beschäftigt mit Übersetzungsarbeit: Torschütze Bilkos ist eigentlich Oliver Bierhoff, Oliver Huber ist eigentlich Oliver Kahn, Lothar Maletz ist eigentlich Lothar Matthäus und David Siyanen ist eigentlich der englische Fliegenfänger David Seaman. Ganz schön kompliziert. Schuld daran: fehlende Lizenzen für Spieler, Vereine, Ligen und Stadien bei Pro Evolution Soccer des japanischen Herstellers Konami.

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