Atombombentechnik auf dem Weltmarkt

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 24. November 2014

- AKW-Kritiker Matthias Eickhoff über unkontrollierbare Folgen eines Verkaufs der Urananreicherungsfirma Urenco -

Die teilweise staatliche Urananreicherungsfirma Urenco soll verkauft werden. Ein scharfer Kritiker dieses Vorhabens ist Matthias Eickhoff vom »Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen«. Über Nichtverbreitungsziele, Hedgefonds und Proteste gegen die Urananreicherungsanlage in Gronau – in der zudem tonnenweise atomare Abfälle lagern – sprach mit ihm Michael Schulze von Glaßer.

Die Firma Urenco ist Spezialist für Urananreicherung und hat einen Weltmarktanteil von 31 Prozent im Bereich der Brennstoffe für Atomkraftwerke. Sie gehört zu je einem Drittel den deutschen Energiekonzernen RWE und E.on sowie den Niederlanden und Großbritannien. Die Bundesregierung hat weitreichende Mitsprache- und Vetorechte. Jetzt soll die Firma, die eine Anreicherungsanlage in Gronau betreibt, für mindestens zehn Milliarden Euro verkauft werden. Warum warnen Atomkraftgegner davor?

Die Urananreicherung ist ein zen- trales Element beim Betrieb von Atomanlagen. Natürliches Uran wird in Zentrifugen angereichert, um später Brennelemente für den Einsatz in Atomkraftwerken herstellen zu können – dieser Anreicherungsprozess ist aufwendig und gefährlich. Zudem ist durch die Urananreicherung die Herstellung von Atombomben möglich. Dazu bleibt das Uran einfach länger in den Zentrifugen, bis es hoch angereichert und für Bomben verwendbar ist. Diese Atombombentechnologie soll nun auf dem Weltmarkt meistbietend feilgeboten werden. Das wäre eine Katastrophe, nicht nur aus atom-, sondern auch aus friedenspolitischer Sicht. Jeder Verkauf an Dritte oder Vierte steigert automatisch das Risiko, dass die militärisch äußerst brisante Technologie letztlich in die falschen Hände gerät.

Welche Interessenten gibt es für den Kauf von Urenco?

Da die jetzigen Eigentümer einen möglichst hohen Preis erzielen wollen, ist der potenzielle Käuferkreis bislang sehr weit gezogen worden: Neben Areva, Toshiba-Westinghouse und dem kanadischen Urankonzern Cameco wollen wohl auch Investment- und Pensionsfonds sowie ein völlig unbekanntes Konsortium rund um einen ehemaligen Urenco-Manager mitbieten. Auch aus Indien, Singapur und Hongkong gibt es Interesse. Sogar ein Börsengang ist im Gespräch, bei dem die Anteile dann völlig unkontrolliert auch an Hedgefonds oder Strohfirmen veräußert bzw. weiterveräußert werden könnten.

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