Abzug in Raten

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 26. November 2014

- Afghanistan – Auch nach Ende der ISAF-Mission will Deutschland Soldaten an den Hindukusch schicken. Doch die Bilanz des Einsatzes ist desaströs -

Neues für Afghanistan: Zum Jahreswechsel wird die NATO-geführte „International Security Assistance Force“ (ISAF) in Afghanistan aufgelöst – nach dreizehn Jahren. Der Mission am Hindukusch unterstanden zeitweise mehr als 140.000 Soldaten, davon 5.000 aus Deutschland. Inzwischen sind es deutlich weniger, doch ganz abgezogen werden sie nicht. Im Dezember soll der Bundestag über ein neues Mandat abstimmen. Die Diskussion zeigt: Die Politik hat aus dem Desaster in Afghanistan nichts gelernt.
Die Kosten des bisherigen Einsatzes belaufen sich allein für die Bundesrepublik nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auf 26 bis 46 Milliarden Euro. Dennoch konnten die ISAF-Truppen das Land nie unter Kontrolle bringen. Über 3.450 Soldaten der westlichen Koalition sind bislang gestorben. Zudem sollen mehr als 43.000 Zivilisten im Rahmen des Einsatzes – auch der US-Anti-Terror-Mission „Operation Enduring Freedom“ – getötet worden sein. Die soziale Lage ist katastrophal. Der „Human Development Index“ der Vereinten Nationen listet Afghanistan aktuell auf Platz 169 von 187. Stabilität gibt es in dem Land ebenso wenig wie ein funktionierendes politisches System. Doch deutsche Politiker und Militärs reden die Situation schön oder weisen die Verantwortung für Probleme von sich.

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