Bilanz meines Journalismus 2014

Etwas verspätet fliegen nun die Luftschlangen durch den Raum! Am 26. Dezember wurde diese Website sieben Jahre alt! Vom Beginn meiner journalistischen Tätigkeit bis heute hat sich einiges getan und mittlerweile ist es eine liebgewonnene Tradition für mich geworden, am Ende des Jahres einmal Bilanz (2010, 2011, 2012, 2013) zu ziehen: Wie war das Jahr 2014 journalistisch für mich? Was hat geklappt? Was nicht so ganz? Und was waren meine größten Flops des Jahres?
Doch bevor ich ins Detail gehe, zunächst kurz ein paar Zahlen und Vergleiche mit den Vorjahren. Im Jahr 2014 habe ich 21 Artikel, 3 Interviews, 2 Studien und 25 Videos veröffentlicht. Hinzu kommt mein im Frühjahr erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld – Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie“. Im Vergleich zu 2013 – 24 Artikel, 11 Interviews, 2 längere Studien, 2 Buchbeiträge und 26 Videos – ist vor allem die Zahl der Interviews deutlich gesunken. Dafür ist die Zahl der Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wieder in die Höhe geschnellt: 2013 waren es nur 13 Veranstaltungen, in diesem Jahr waren es 30! Doch im Detail: Hier meine journalistischen Tops und Flops – und was dazwischen lag – im Jahr 2014!

Tops
Immer wieder anstrengend und aufregend, aber auch immer wieder toll sind die kleinen und großen Vortragstouren über die Themen „Bundeswehr-Werbung“ und „Politik in Videospielen“. 2014 habe ich (teilweise mehrfach) Veranstaltungen gehabt in Siegen, Hamburg, Marburg, Dortmund, Berlin, Kassel, Frankfurt am Main, Weiden, Wiesbaden, Halle (Saale), Baden (Schweiz), Telgte, Paderborn, Pößneck, München, Hannover, Celle, Wuppertal, Bremen, Beelen, Leipzig, Stuttgart, Karlsruhe, Augsburg und Tübingen. Dabei sind für mich vor allem die Diskussionen nach den Vorträgen interessant, bei denen immer wieder neue Gedanken hervorgebracht und Argumente ausgetauscht werden. Zudem komme ich dabei direkt mit den Leuten in Kontakt, die auch meine Artikel lesen und Videos gucken – und wenn ich Lob für meine Arbeit bekomme, ist das immer sehr motivierend!
Für die im Vergleich zum Vorjahr hohe Veranstaltungszahl war augenscheinlich mein im Frühjahr im PapyRossa-Verlag erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld“ verantwortlich. Viele Vorträge handelten von den politischen Aussagen in heutigen Videospielen und den Verstrickungen zwischen der Videospielbranche, dem Militär und der Rüstungsindustrie. Auch mein drittes Buch wurde gut aufgenommen und in zahlreichen Rezensionen (u.a. hier, hier, hier und hier) gelobt. Zudem – das zeigt auch die Veranstaltungszahl – konnte ich mich als „Experte“ für die im Buch behandelten Themen etablieren und habe dazu sehr viele Interviews (u.a. hier, hier und hier) gegeben.
Klasse lief es in diesem, wie schon im letzten Jahr, auch mit meinem Videospiel-YouTube-Kanal „Games and Politics“ – wobei ich für die positive Entwicklung des Kanals 2014 nur teilweise verantwortlich bin. Zwar konnte ich die Qualität der Videos weiter verbessern, durch ein Vorstellungs-Video meines Kanals durch Thomas Goik (Vielen Dank Tom!) von „Giga Games“ explodierten im Juli aber die Zugriffs- und Abonnenten-Zahlen. Hatte der Kanal zuvor nur einige hundert regelmäßige Zuschauerinnen und Zuschauer, sind es seitdem Tausende. Die Abonnentenzahl liegt aktuell bei knapp 8.000 und die 10.000er-Hürde kommt langsam in Sichtweite, auch wenn die Abonnentenzahl mittlerweile wieder nur noch langsam steigt, bin ich motiviert weitere Videos zu machen. Die geringen Abo- und Aufruf-Zahlen meiner Videos hatten mich bis Juli schon deprimiert und es kamen auch Gedanken auf, das Projekt zu beenden. Doch das hat sich im Juli geändert!

Durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne auf „Patreon“ kommt zumindest etwas Geld für die Videoproduktion herein, auch wenn der Kanal für mich getrost als „Zeit und Geld verschlingendes Monster“ bezeichnet werden kann. Allerdings lerne ich dabei auch viel und die Rückmeldung auf meine Videos ist unfassbar toll!
Dabei konnte ich die Qualität der Videos bislang immer weiter steigern. Hervorheben möchte ich dazu das Video über die Rüstungsmesse ITEC, auf der auch Videospiel-Hersteller waren (hier), das Video über Videospiel-Indizierungen mit einigen exklusiven Quellen (hier) sowie die Videos mit gefilmten Interviews über „Zombies“ (hier) und „Religion“ (hier) in Spielen.
Neben den Veranstaltungen, dem Buch und den Videos habe ich 2014 wieder viele Artikel geschrieben und auch von denen möchte ich einige hervorheben. Im Videospiel-Bookzine WASD ist im Frühjahr ein Text von mir über Lizenzen in Spielen erschienen, der bei „Zeit-Online“ zweitveröffentlicht wurde. Und mit dem Text „Stillgestanden? Zum Angriff!“ hatte ich im Oktober erstmals einen Wochenthema-Artikel in der Zeitung „der Freitag“ – sehr schön!

Zwischen Tops und Flops
Ein thematisches Highlight, welches gut recherchiert war und doch untergegangen ist, war meine Ausarbeitung der Machenschaften des deutschen Söldnerunternehmens „Asgaard – German Security Group“. Neben der politisch sehr rechten Einstellung der „Asgaard“-Führungsebene und der Suche nach Drohnen-Piloten (samt geplanter Ausbildung in der Ukraine) war vor allem der Einsatz deutscher Söldner im umkämpften Nord-Irak im vergangenen September hochbrisant. Das Unternehmen aus Aachen schweigt zu allen Punkten. Durch wochenlange Recherchen konnte ich aber einiges herausfinden und in Artikeln für den „Freitag“, für „Telepolis“ und das „neue deutschland“ verarbeiten. Wiederhall fanden meine Recherchen aber nicht. Trotz des Krieges im Nord-Irak interessierte der Einsatz deutscher Söldner niemanden. Ebenso wenig wie die geplante Ausbildung von Helikopter-Drohnen-Piloten in der umkämpften Ukraine. Die Geschichten waren aufwendig recherchiert, wahrgenommen wurden sie nicht. Woran das genau lag – ob an den eher „kleineren Medien“, in denen sie erschienen sind oder an etwas Anderem – ist mir ein Rätsel.

Der Fall deckt sich aber mit ähnliche Erfahrungen in den letzten Jahren: Immer wieder schreibe ich Texte über – meiner Meinung nach – extrem interessante Geschichten, die kaum bis gar nicht wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite entdecke ich Themen, die mir als wenig relevant erscheinen und ich daher nicht weiter recherchiere, die dann aber von anderen Medien aufgegriffen werden und auf einmal skandalisiert werden und durch die gesamte deutsche Presselandschaft wandern.

Flops
Endgültig bei den Flops angekommen ist meine Fotografie. Nicht weil sie schlecht ist (das müssen Andere bewerten), sondern weil ich mittlerweile nur noch sehr wenig journalistisch fotografiere. Lediglich sechs Ereignisse habe ich 2014 mit meinen Kameras begleitet. Dass es wieder mehr wird, ist nicht in Sicht, hängt aber wohl auch einfach mit der eigenen Schwerpunktverlagerung zusammen: zum Thema „Videospiele“ passen einfach besser Bilder aus den Spielen statt Fotos. Zudem gibt es bei mir sowieso eine Schwerpunktverlagerung hin zu bewegten Bildern.
Auch ein paar Fehler bzw. Ungenauigkeiten in Texten und Videos sind mir in diesem Jahr passiert – einen richtig dicken Schnitzer habe ich mir aber nicht geleistet.
Ein großer Flop des Jahres 2013, der sich auch durch 2014 zog, war die Beschlagnahmung meines Autos, meines Mobiltelefons (welches vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ausgelesen wurde) und von Teilen meiner Foto-Ausrüstung im Rahmen einer Recherche. Zwar habe ich die Sachen einige Wochen nach der Beschlagnahmung im Sommer 2013 wiederbekommen, eine finanzielle Verdienstausfall-Entschädigung oder auch nur Entschuldigung für die Beschlagnahmung habe ich bis heute aber nicht bekommen. Dagegen hätte ich wahrscheinlich auch härter vorgehen und mehr Druck machen sollen.

Fazit und Ausblick
Insgesamt war 2014 für mich journalistisch ein gutes Jahr – wenn auch nicht vollkommen überwältigend. Aber es ging wie schon in den letzten Jahren weiter voran. Wie es 2015 weitergehen wird, ist für mich schwer zu sagen, da sich bei mir gerade privat viel tut.
Gerne weiter ausbauen würde ich „Games and Politics“. Ich denke der YouTube-Kanal hat das Potenzial, weiter zu wachsen und noch mehr Leute zu erreichen: Im deutschsprachigen Raum gibt es keine anderen regelmäßig veröffentlichten Videos, die sich mit diesem Thema befassen. Zudem höre ich oft, dass die Zuschauer es bedauern, erst so spät auf meinen Kanal gestoßen zu sein. Es gibt also – so zumindest meine Vermutung – schon genügend Leute, die sich meine Videos regelmäßig ansehen würden, doch wissen sie schlicht nichts von dem Kanal. Wie ich diese Menschen „abholen“ kann, weiß ich momentan aber noch nicht. Zudem stellt sich für mich zunehmend die Frage, inwiefern ich mir den Kanal „leisten“ kann – wie bereits geschildert, frisst er viel Zeit und Geld. Zwar nehme ich durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne für den Kanal etwas Geld ein, das reicht aber nicht mal, um die entstehenden Kosten zu decken. Ich möchte auf jeden Fall weiter Videos machen und habe noch dutzende Video-Ideen auf meiner Liste – wieviel Zeit ich mir dafür in Zukunft nehmen kann, hängt vom weiteren Verlauf der Crowdfunding-Kampagne ab.

Was ich zumindest versuchen werde zu intensivieren, ist die komplette Verarbeitung von recherchierten Themen: Statt Themen nur in „Games and Politics“-Videos zu verarbeiten, möchte ich daraus auch längere Artikel machen – kurze Texte zu Videos erscheinen schon heute auf der österreichischen Videospiel-Website „VideoGameTourism“ – und geführte Interviews als Langfassungen veröffentlichen. Das gilt umgekehrt natürlich auch für Artikel, die ich zu Videos verarbeiten könnte. Insgesamt sehe ich da noch viel Spielraum bei der eigenen Verarbeitung von Recherchen, die mit nur etwas Mühe effektiver verwertet werden könnten.
Es könnte gut sein, dass ich dafür 2015 auch mehr Zeit haben werde: Da auffällt, dass die Zahl der Veranstaltungsanfragen sehr mit meinen Buch-Veröffentlichungen zusammenhängt, rechne ich für 2015 (leider) mit nicht mehr so vielen Veranstaltungen, da ich in diesem Jahr kein neues Buch veröffentlichen werde.
Eine Vorhersage über den Verlauf meines Journalismus 2015 kann ich aktuell nicht treffen, da sich bei mir privat aktuell vieles schnell ändern kann. In jedem Fall hoffe ich weiter an meinen Themengebieten „Sicherheitspolitik/Armee-Werbung“ und „politische Aussagen in Videospielen“ arbeiten zu können. Auf dieser Seite wird zu sehen sein, was 2015 aus meinem Journalismus wird.

Den Leserinnen und Lesern dieser Seite ein gutes Jahr 2015!

Michi