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Bilanz meines Journalismus 2015

Acht Jahre alt ist diese Website am 26. Dezember geworden! Und seit vielen Jahren (2010, 2011, 2012, 2013, 2014) ist der Geburtstag für mich Anlass, einmal Bilanz über meinen Journalismus zu ziehen. Was lief im Jahr 2015 gut? Was schlecht? Was war dazwischen? Und was wird die Zukunft bringen?
Zunächst aber – wie immer – ein paar Zahlen (die von 2014 und 2013 dahinter zur Vergleichbarkeit in Klammern): In diesem Jahr habe ich 22 Artikel (21; 24), eine lange Studie (2; 2), ein Interview (3; 11) und 17 Videos (25; 26) veröffentlicht. Diese Zahlen sagen dabei allerdings nichts über die Qualität und den Aufwand der Veröffentlichung aus: So war die eine Studie aus diesem Jahr (hier) mehr als doppelt so lang wie beide Studien des letzten Jahres zusammen. Zudem war die Recherche aufwendiger. Ebenso verhält es sich mit den Videos für meinen YouTube-Kanal „Games and Politics“: Es kommen weniger Videos, die Qualität ist dafür aber besser und ich arbeite vermehrt mit real gefilmten Szenen. Wie bereits im letzten Jahr an dieser Stelle prognostiziert, ist die Zahl meiner Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen 2015 stark zurückgegangen und lag bei nur 12 (30; 13). Da ich in diesem Jahr kein Buch veröffentlicht habe und Vortragsanfragen davon – scheinbar – sehr abhängen, war das aber abzusehen.
Doch nun im Detail: Hier meine journalistischen Tops und Flops – und was dazwischen lag – im Jahr 2015!

Tops
Auch wenn die Zahl der Veranstaltungen stark gesunken ist, so waren die Vorträge in Bamberg, Göttingen, Ingolstadt, Kassel, Leipzig, Mannheim und Tübingen – in einigen Städten habe ich mehrere Veranstaltungen gehabt – sehr schön und die Diskussionen spannend! Gerade die mit rund einhundert Leuten sehr gut besuchte „Deconstructing StarWars“-Veranstaltung (Video davon siehe hier) hat mir sehr viel Spaß gemacht und war wegen ihrer theatralischen Inszenierung für mich mal etwas Neues. Überhaupt finde ich die Verbindung popkultureller Themen mit der Frage nach den politischen Aussagen sehr interessant – vielleicht sollte ich sowas in Zukunft bei mehr Medien machen?
Auch mit der Qualität vieler Texte war ich in diesem Jahr sehr zufrieden. Hervorheben möchte ich den Artikel über den wachsenden Videospielmarkt China und die Veränderungen, die dies bringen könnte (hier), den Text über die Probleme des heutigen Jugendmedienschutz (hier) und den über Zivilklauseln in der Industrie (hier) – gerade zu letzterem Thema gibt es bislang kaum Veröffentlichungen, so dass die Recherche nicht einfach war. Gefreut habe ich mich auch über die Veröffentlichung meines WASD-Texts über die Überwachung von Videospielerinnen und Spielern beim österreichischen „Standard“ (hier). Und mit meiner Studie über die „Verbindungen zwischen der Videospielbranche, dem Militär und der Rüstungsindustrie“ (hier) ist bei der „Informationsstelle Militarisierung“ der bisher umfassendste, frei zugängliche Text im deutschsprachigen Raum zu dem Thema erschienen. Als letztes möchte ich noch meinen – nicht ganz ernst gemeinten – kurzen Text über die „Rekrutierungsstrategie des ‚Galaktischen Imperiums‘“ im „StarWars“-Universum hervorheben (hier): Bei allen „seriösen“ Veröffentlichungen muss auch mal für etwas lockere Themen Zeit und Platz sein.
Unter „Tops“ fällt für 2015 mein in neuem Design glänzender YouTube-Kanal. Die Videos, die ich auf „Games and Politics“ veröffentliche, verlinke ich seit diesem Jahr nicht mehr einzeln auf dieser Website: Zwar haben die kurzen Filme journalistischen Anspruch, sind aber auch immer sehr unterhaltend gestaltet und passen daher von ihrer Form her hier nicht so recht hin. Dennoch habe ich für sie oft langwierige und anstrengende Recherchen angestellt. Besonders das Video über die Darstellung von lizensierten „Porsche“-Fahrzeugen in Rennspielen (hier) war das Ergebnis einer aufwendigen Recherche.

Auch das Video über die Darstellung von Polizeigewalt in einem aktuellen First-Person-Shooter (hier), das Interview-Video über Moral in Videospielen (hier) sowie den mit einer Kollegin erstellte Film über Geschichts-Darstellungen in virtuellen Spielen (hier) möchte ich hervorheben, da sie meiner Meinung nach alle sehr gelungen sind. Zu einem weiteren guten Video, das für mich aber zu großen Problemen geführt hat, komme ich unter „Flops“ – und zum Kanal selbst auch noch unter „Zwischen Tops und Flops“. YouTube hat mich 2015 sehr bewegt.
Interessant war in diesem Jahr im Zusammenhang mit „Games and Politics“ noch die Entwicklung beim Thema „Frauen in Fußball-Videospielen“. Dazu hatte ich 2013 ein Interview mit einem Sprecher von „Electronic Arts“ geführt (hier), dem Hersteller der sehr populären Fifa-Fußball-Videospielreihe – denn bislang gab es in den Spielen keinen Frauen-Fußball. 2014 startete ich dafür eine kleine Petition (hier), die allerdings nur wenig Aufmerksamkeit und Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fand. Dennoch war vielleicht auch mein – sowohl journalistisches als auch politisches – Engagement mit ein Grund dafür, warum „Electronic Arts“ im diesjährigen Fifa-Teil erstmals Frauen-Fußball anbietet. Nice!

Zwischen Tops und Flops
Hier kann ich weiter über „Games and Politics“ schreiben: Mittlerweile hat der YouTube-Kanal eine feste Zuschauerschaft – neue Videos werden regelmäßig innerhalb kurzer Zeit von einigen tausend Leuten geguckt. Nachdem es 2014 aber einen großen Zuschauersprung aufgrund einer Empfehlung eines größeren Kanals gab, stiegen die Aufruf- und Abo-Zahlen in diesem Jahr nur langsam. Mein selbstgestecktes Ziel von 10.000 Abonnentinnen und Abonnenten am Ende dieses Jahres habe ich verfehlt – aktuell sind es knapp 8.400. Das ist ok, Produktionsaufwand und Aufrufzahlen stehen aber trotzdem in einem problematischen Verhältnis. Und ohne die Crowdfunding-Unterstützung einiger Zuschauerinnen und Zuschauer wäre „Games and Politics“ wohl sowieso schon lange nicht mehr existent. Die geringe Steigerung der Zuschauerzahl, ein unschöner Streit zwischen mir und YouTube-Betreiber „Google“ (der gleich noch detaillierter beschrieben wird) und die letzten drei Monate des Jahres, in denen ich „Games and Politics“ etwas habe schleifen lassen, bedeuten aber nicht das Ende des Kanals. Dennoch wird sich in Zukunft – was auch für meinen Journalismus im Allgemeinen gilt – etwas ändern. Dazu aber im „Fazit und Ausblick“ mehr.

Auf niedrigem Niveau eingependelt hat sich meine journalistische Fotografie: Bei elf Events habe ich in diesem Jahr fotografiert (siehe hier), was zwar mehr als im Vorjahr war, dennoch wenig ist. Immerhin konnte ich die Zahl halten – aber wieder öfters als Fotograf unterwegs zu sein, ist nicht in Sicht. Dafür filme ich mit meiner neuen DSLR-Kamera vermehrt für YouTube-Videos – darin bin ich noch nicht vollkommen geübt, aber es wird…zumindest solange ich daran festhalte, mit Realbildern zu arbeiten.
Mein Artikel über Markennamen bei Kinderspielzeug (hier) war für mich mal ein ganz neues Thema: Ansonsten liegt mein inhaltlicher Schwerpunkt ja auf Sicherheitspolitik und wird dort auch weiterhin liegen. Dennoch habe ich in den Text viel Zeit und Aufwand gesteckt und etwa viele Statements von Herstellern eingeholt. Den Artikel dann bei einem Medium unterzubringen, gestaltete sich aber als schwierig – und das „Verfallsdatum“ aufgrund des heraneilenden Weihnachten machte es auch nicht besser. Letztlich hat es zwar geklappt den Artikel zu veröffentlichen, optimal lief das aber nicht – Das lag an mangelnden Kontakten in dem Bereich sowie selbstverschuldeter Zeitnot. Daraus zu lernen ist wohl: Ich kann zwar mal über andere Themen schreiben, sollte mich aber lieber auf mein Fachgebiet konzentrieren.

Flops
Die gute Nachricht: 2015 habe ich mir bei meinen Veröffentlichungen keine großen „Flops“ im Sinne von Fehlern geleistet – zumindest keine größeren Fehler gemacht, von denen ich etwas wüsste. Dennoch gab und gibt es grundsätzliche Probleme: In der letztjährigen Bilanz hatte ich mir vorgenommen, Recherchen besser zu verwerten – warum nicht aus den Recherchen und dem Sprechtext für ein Video auch noch einen Zeitungsartikel machen? Umgesetzt habe ich diese Idee leider nicht. Eine effiziente Verwertung von Recherchen sieht anders aus. Bleibt, dass ich mir das für das kommende Jahr wieder vornehme…
Das für mich mit Abstand im Zusammenhang mit meinem Journalismus stehende, negativste Erlebnis in diesem Jahr, betraf abermals meinen YouTube-Kanal: Mitte April veröffentlichte ich ein sachliches Video über „Sex in Videospielen“ (hier). In dem Video ging es um die fehlende „natürliche“ Darstellung von Sex in aktuellen Spielen. Ein Interview mit der Videospiel-Buchautorin und Gender-Forscherin Nina Kiel rundete das Video ab. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung wurde es von YouTube gesperrt, da im Video unbekleidete virtuelle oder gezeichnete Menschen zu sehen waren – ein Verstoß gegen die YouTube-Richtlinien zu „Nacktheit und sexuellen Inhalten“ wurde mir angezeigt. Dies bedeutete aber nicht nur die Sperrung des Videos und eine Verwarnung, sondern auch eine Begrenzung der Videolänge für zukünftige Filme auf nur noch fünfzehn Minuten. Da es sich um ein Sachvideo handelte, die unbekleideten Personen keineswegs zusammenhangslos im Video gezeigt wurden und es in diesem Fall laut den YouTube-Richtlinien sehr wohl erlaubt ist, ein Video zu veröffentlichen, legte ich beim Plattform-Betreiber „Google“ Einspruch ein. Dass man für seine Einspruchs-Begründung nur 200 Zeichen Platz bekommt, ist – das sei hier nur am Rande angemerkt – eine Frechheit. Allerdings wurde mein Einspruch sowieso abgelehnt.

Da ich mich weiterhin im Recht sah, versuchte ich bei der Videoplattform direkt Mitarbeiter zu erreichen. Dass „Google“, zu dem YouTube gehört, ein intransparentes Unternehmen ist, wusste ich. Dass es aber nichtmals ein Kontaktformular, eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer für Nachfragen und Beschwerden gibt, hat mich dann aber doch überrascht. Ein multinationaler Konzern, bei dem scheinbar niemand in Deutschland arbeitet? Nur auf Umwegen – über die von „Google“ angestellte für YouTube zuständige PR-Agentur – erreichte ich einen Mitarbeiter, dem ich meinen Fall schildern konnte. Zwei Monate nach der Sperrung und zahlreiche E-Mails und Gespräche später, wurde die Sperrung des Videos samt Verwarnung aufgehoben (das Video ist jetzt für Leute ab 18 verfügbar) – ein Erfolg. Meine Lust, YouTube-Videos zu machen, wurde durch den Streit aber gedämpft – und auf eine andere Videoplattform zu wechseln, lohnt sich bei der Monopolstellung YouTubes leider auch nicht. Zumindest habe ich dieses negative Erlebnis zum Anlass für einen Artikel über die seltsamen Moralvorstellungen von US-Medienplattformen genutzt (hier). Zudem war es sehr schön, wie mir in dieser Zeit – und auch sonst in Sachen YouTube – Freunde und Bekannte wie die Kollegen von „Hooked“ und Daniel Blum aka „Writing Bull“ zur Seite standen. Vielen, vielen Dank dafür!

Fazit und Ausblick
Insgesamt fällt die Bilanz meines Journalismus 2015 in Ordnung aus: Im Video-Bereich konnte ich meine Arbeit verbessern, alles Andere lief in etwa weiter wie bisher. Sehr große Sprünge habe ich in diesem Jahr aber auch nicht gemacht, weshalb diese Bilanz auch nicht übermäßig positiv ausfällt.
Wie 2016 für meinen Journalismus wird, ist für mich schwer vorherzusagen, da sich meine private Situation (wie schon im Vorjahr) schnell in unterschiedlichste Richtung verändern kann. Aktuell sieht es aber danach aus, dass ich in Zukunft weniger Zeit in journalistische Arbeit investieren kann. Welche Prioritäten ich dabei setzen werde, weiß ich aktuell noch nicht – „Games and Politics“ soll aber auf jeden Fall weiter laufen und die inhaltliche Qualität erhalten bleiben. Vorstellbar wäre für mich jedoch, den Produktionsaufwand wieder etwas zu reduzieren, indem beispielsweise doch wieder auf reale Zwischenszenen verzichtet wird. Aktuell hat erstmal noch die Fertigstellung eines bereits seit Monaten verzögerten, aufwendigen Projekts zu den politischen und gesellschafts-kulturellen Aussagen des „StarWars“-Franchise, Priorität. Einen Ausbau des YouTube-Kanals wird es 2016 aber nicht geben. Dennoch könnte sich mein journalistischer Schwerpunkt weiter Richtung „virtuelle Spiele“ entwickeln und sich der Bereich „Sicherheitspolitik“ zukünftig auf reine Buchpublikationen beschränken – da ist einiges geplant, über das ich an dieser Stelle aber noch nichts verraten will. So bleibt es spannend, was 2016 journalistisch bei mir läuft. Es wird hier zu verfolgen sein.

Den Leserinnen und Lesern dieser Seite ein gutes Jahr 2016!

Michi

Bilanz meines Journalismus 2014

Etwas verspätet fliegen nun die Luftschlangen durch den Raum! Am 26. Dezember wurde diese Website sieben Jahre alt! Vom Beginn meiner journalistischen Tätigkeit bis heute hat sich einiges getan und mittlerweile ist es eine liebgewonnene Tradition für mich geworden, am Ende des Jahres einmal Bilanz (2010, 2011, 2012, 2013) zu ziehen: Wie war das Jahr 2014 journalistisch für mich? Was hat geklappt? Was nicht so ganz? Und was waren meine größten Flops des Jahres?
Doch bevor ich ins Detail gehe, zunächst kurz ein paar Zahlen und Vergleiche mit den Vorjahren. Im Jahr 2014 habe ich 21 Artikel, 3 Interviews, 2 Studien und 25 Videos veröffentlicht. Hinzu kommt mein im Frühjahr erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld – Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie“. Im Vergleich zu 2013 – 24 Artikel, 11 Interviews, 2 längere Studien, 2 Buchbeiträge und 26 Videos – ist vor allem die Zahl der Interviews deutlich gesunken. Dafür ist die Zahl der Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wieder in die Höhe geschnellt: 2013 waren es nur 13 Veranstaltungen, in diesem Jahr waren es 30! Doch im Detail: Hier meine journalistischen Tops und Flops – und was dazwischen lag – im Jahr 2014!

Tops
Immer wieder anstrengend und aufregend, aber auch immer wieder toll sind die kleinen und großen Vortragstouren über die Themen „Bundeswehr-Werbung“ und „Politik in Videospielen“. 2014 habe ich (teilweise mehrfach) Veranstaltungen gehabt in Siegen, Hamburg, Marburg, Dortmund, Berlin, Kassel, Frankfurt am Main, Weiden, Wiesbaden, Halle (Saale), Baden (Schweiz), Telgte, Paderborn, Pößneck, München, Hannover, Celle, Wuppertal, Bremen, Beelen, Leipzig, Stuttgart, Karlsruhe, Augsburg und Tübingen. Dabei sind für mich vor allem die Diskussionen nach den Vorträgen interessant, bei denen immer wieder neue Gedanken hervorgebracht und Argumente ausgetauscht werden. Zudem komme ich dabei direkt mit den Leuten in Kontakt, die auch meine Artikel lesen und Videos gucken – und wenn ich Lob für meine Arbeit bekomme, ist das immer sehr motivierend!
Für die im Vergleich zum Vorjahr hohe Veranstaltungszahl war augenscheinlich mein im Frühjahr im PapyRossa-Verlag erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld“ verantwortlich. Viele Vorträge handelten von den politischen Aussagen in heutigen Videospielen und den Verstrickungen zwischen der Videospielbranche, dem Militär und der Rüstungsindustrie. Auch mein drittes Buch wurde gut aufgenommen und in zahlreichen Rezensionen (u.a. hier, hier, hier und hier) gelobt. Zudem – das zeigt auch die Veranstaltungszahl – konnte ich mich als „Experte“ für die im Buch behandelten Themen etablieren und habe dazu sehr viele Interviews (u.a. hier, hier und hier) gegeben.
Klasse lief es in diesem, wie schon im letzten Jahr, auch mit meinem Videospiel-YouTube-Kanal „Games and Politics“ – wobei ich für die positive Entwicklung des Kanals 2014 nur teilweise verantwortlich bin. Zwar konnte ich die Qualität der Videos weiter verbessern, durch ein Vorstellungs-Video meines Kanals durch Thomas Goik (Vielen Dank Tom!) von „Giga Games“ explodierten im Juli aber die Zugriffs- und Abonnenten-Zahlen. Hatte der Kanal zuvor nur einige hundert regelmäßige Zuschauerinnen und Zuschauer, sind es seitdem Tausende. Die Abonnentenzahl liegt aktuell bei knapp 8.000 und die 10.000er-Hürde kommt langsam in Sichtweite, auch wenn die Abonnentenzahl mittlerweile wieder nur noch langsam steigt, bin ich motiviert weitere Videos zu machen. Die geringen Abo- und Aufruf-Zahlen meiner Videos hatten mich bis Juli schon deprimiert und es kamen auch Gedanken auf, das Projekt zu beenden. Doch das hat sich im Juli geändert!

Durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne auf „Patreon“ kommt zumindest etwas Geld für die Videoproduktion herein, auch wenn der Kanal für mich getrost als „Zeit und Geld verschlingendes Monster“ bezeichnet werden kann. Allerdings lerne ich dabei auch viel und die Rückmeldung auf meine Videos ist unfassbar toll!
Dabei konnte ich die Qualität der Videos bislang immer weiter steigern. Hervorheben möchte ich dazu das Video über die Rüstungsmesse ITEC, auf der auch Videospiel-Hersteller waren (hier), das Video über Videospiel-Indizierungen mit einigen exklusiven Quellen (hier) sowie die Videos mit gefilmten Interviews über „Zombies“ (hier) und „Religion“ (hier) in Spielen.
Neben den Veranstaltungen, dem Buch und den Videos habe ich 2014 wieder viele Artikel geschrieben und auch von denen möchte ich einige hervorheben. Im Videospiel-Bookzine WASD ist im Frühjahr ein Text von mir über Lizenzen in Spielen erschienen, der bei „Zeit-Online“ zweitveröffentlicht wurde. Und mit dem Text „Stillgestanden? Zum Angriff!“ hatte ich im Oktober erstmals einen Wochenthema-Artikel in der Zeitung „der Freitag“ – sehr schön!

Zwischen Tops und Flops
Ein thematisches Highlight, welches gut recherchiert war und doch untergegangen ist, war meine Ausarbeitung der Machenschaften des deutschen Söldnerunternehmens „Asgaard – German Security Group“. Neben der politisch sehr rechten Einstellung der „Asgaard“-Führungsebene und der Suche nach Drohnen-Piloten (samt geplanter Ausbildung in der Ukraine) war vor allem der Einsatz deutscher Söldner im umkämpften Nord-Irak im vergangenen September hochbrisant. Das Unternehmen aus Aachen schweigt zu allen Punkten. Durch wochenlange Recherchen konnte ich aber einiges herausfinden und in Artikeln für den „Freitag“, für „Telepolis“ und das „neue deutschland“ verarbeiten. Wiederhall fanden meine Recherchen aber nicht. Trotz des Krieges im Nord-Irak interessierte der Einsatz deutscher Söldner niemanden. Ebenso wenig wie die geplante Ausbildung von Helikopter-Drohnen-Piloten in der umkämpften Ukraine. Die Geschichten waren aufwendig recherchiert, wahrgenommen wurden sie nicht. Woran das genau lag – ob an den eher „kleineren Medien“, in denen sie erschienen sind oder an etwas Anderem – ist mir ein Rätsel.

Der Fall deckt sich aber mit ähnliche Erfahrungen in den letzten Jahren: Immer wieder schreibe ich Texte über – meiner Meinung nach – extrem interessante Geschichten, die kaum bis gar nicht wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite entdecke ich Themen, die mir als wenig relevant erscheinen und ich daher nicht weiter recherchiere, die dann aber von anderen Medien aufgegriffen werden und auf einmal skandalisiert werden und durch die gesamte deutsche Presselandschaft wandern.

Flops
Endgültig bei den Flops angekommen ist meine Fotografie. Nicht weil sie schlecht ist (das müssen Andere bewerten), sondern weil ich mittlerweile nur noch sehr wenig journalistisch fotografiere. Lediglich sechs Ereignisse habe ich 2014 mit meinen Kameras begleitet. Dass es wieder mehr wird, ist nicht in Sicht, hängt aber wohl auch einfach mit der eigenen Schwerpunktverlagerung zusammen: zum Thema „Videospiele“ passen einfach besser Bilder aus den Spielen statt Fotos. Zudem gibt es bei mir sowieso eine Schwerpunktverlagerung hin zu bewegten Bildern.
Auch ein paar Fehler bzw. Ungenauigkeiten in Texten und Videos sind mir in diesem Jahr passiert – einen richtig dicken Schnitzer habe ich mir aber nicht geleistet.
Ein großer Flop des Jahres 2013, der sich auch durch 2014 zog, war die Beschlagnahmung meines Autos, meines Mobiltelefons (welches vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ausgelesen wurde) und von Teilen meiner Foto-Ausrüstung im Rahmen einer Recherche. Zwar habe ich die Sachen einige Wochen nach der Beschlagnahmung im Sommer 2013 wiederbekommen, eine finanzielle Verdienstausfall-Entschädigung oder auch nur Entschuldigung für die Beschlagnahmung habe ich bis heute aber nicht bekommen. Dagegen hätte ich wahrscheinlich auch härter vorgehen und mehr Druck machen sollen.

Fazit und Ausblick
Insgesamt war 2014 für mich journalistisch ein gutes Jahr – wenn auch nicht vollkommen überwältigend. Aber es ging wie schon in den letzten Jahren weiter voran. Wie es 2015 weitergehen wird, ist für mich schwer zu sagen, da sich bei mir gerade privat viel tut.
Gerne weiter ausbauen würde ich „Games and Politics“. Ich denke der YouTube-Kanal hat das Potenzial, weiter zu wachsen und noch mehr Leute zu erreichen: Im deutschsprachigen Raum gibt es keine anderen regelmäßig veröffentlichten Videos, die sich mit diesem Thema befassen. Zudem höre ich oft, dass die Zuschauer es bedauern, erst so spät auf meinen Kanal gestoßen zu sein. Es gibt also – so zumindest meine Vermutung – schon genügend Leute, die sich meine Videos regelmäßig ansehen würden, doch wissen sie schlicht nichts von dem Kanal. Wie ich diese Menschen „abholen“ kann, weiß ich momentan aber noch nicht. Zudem stellt sich für mich zunehmend die Frage, inwiefern ich mir den Kanal „leisten“ kann – wie bereits geschildert, frisst er viel Zeit und Geld. Zwar nehme ich durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne für den Kanal etwas Geld ein, das reicht aber nicht mal, um die entstehenden Kosten zu decken. Ich möchte auf jeden Fall weiter Videos machen und habe noch dutzende Video-Ideen auf meiner Liste – wieviel Zeit ich mir dafür in Zukunft nehmen kann, hängt vom weiteren Verlauf der Crowdfunding-Kampagne ab.

Was ich zumindest versuchen werde zu intensivieren, ist die komplette Verarbeitung von recherchierten Themen: Statt Themen nur in „Games and Politics“-Videos zu verarbeiten, möchte ich daraus auch längere Artikel machen – kurze Texte zu Videos erscheinen schon heute auf der österreichischen Videospiel-Website „VideoGameTourism“ – und geführte Interviews als Langfassungen veröffentlichen. Das gilt umgekehrt natürlich auch für Artikel, die ich zu Videos verarbeiten könnte. Insgesamt sehe ich da noch viel Spielraum bei der eigenen Verarbeitung von Recherchen, die mit nur etwas Mühe effektiver verwertet werden könnten.
Es könnte gut sein, dass ich dafür 2015 auch mehr Zeit haben werde: Da auffällt, dass die Zahl der Veranstaltungsanfragen sehr mit meinen Buch-Veröffentlichungen zusammenhängt, rechne ich für 2015 (leider) mit nicht mehr so vielen Veranstaltungen, da ich in diesem Jahr kein neues Buch veröffentlichen werde.
Eine Vorhersage über den Verlauf meines Journalismus 2015 kann ich aktuell nicht treffen, da sich bei mir privat aktuell vieles schnell ändern kann. In jedem Fall hoffe ich weiter an meinen Themengebieten „Sicherheitspolitik/Armee-Werbung“ und „politische Aussagen in Videospielen“ arbeiten zu können. Auf dieser Seite wird zu sehen sein, was 2015 aus meinem Journalismus wird.

Den Leserinnen und Lesern dieser Seite ein gutes Jahr 2015!

Michi

Games’n’Politics – Folge 32 – South-Park – Der Stab der Wahrheit: Verfassungsfeindliche-Symbole in Videospielen

Sollten Nazi-Symbole in Videospielen – ähnlich wie in Filmen – dargestellt werden dürfen? Das Spiel „South Park – Der Stab der Wahrheit“ wurde gerade von Hersteller „UbiSoft“ zurückbeordert, weil ausversehen noch Hakenkreuze im Spiel vorkamen. Auch im bald erscheinenden Shooter „Wolfenstein – The New Order“ wird es trotz (fiktiv fortgesetztem) 2. Weltkriegs-Settings keine Nazi-Symbole geben.

Im neuesten „Games and Politics“-Video werfe ich einen Blick auf verfassungsfeindliche Symbole in Videospielen.

Hier geht’s zum Video!

Bilanz meines Journalismus 2013

Tadadada! Diese Website feierte am 26. Dezember das sechste Jahr ihres Bestehens! Zudem ist mal wieder ein Jahr zu Ende – Zeit also mal wieder Bilanz zu ziehen. Wie lief mein Journalismus im Jahr 2013?
Wie in den vergangenen Jahren erstmal ein paar Zahlen: 2013 habe ich 24 Artikel, 11 Interviews, 2 längere Studien, 2 Buchbeiträge und erstmals auch Videos – sogar gleich 26 davon – veröffentlicht. 2012 waren es noch 31 Artikel, 9 Interviews, 5 Studien und ein Buchbeitrag. Hinzu kam 2012 noch die Veröffentlichung meines „Soldaten im Klassenzimmer“-Buchs und auch 2013 habe ich viel Zeit in ein Buch-Projekt gesteckt, welches aber erst im Frühjahr 2014 erscheint. Die ganzen Zahlen haben aber sowieso eher wenig Aussagekraft, da sich die Artikel und Interviews in ihrer Länge teilweise sehr unterscheiden. Um daher etwas ins Detail zu gehen hier meine journalistischen Tops und Flops (und was dazwischen war) des Jahres 2013:

Tops
Ich habe mir das Thema Videospiele weiter erschlossen! Im Januar ist meine fünfte ausführliche Videospiel-Studie erschienen – diesmal zum First-Person-Shooter „Call of Duty – Black Ops 2“. Die Studie ist mit 27 Seiten die bislang ausführlichste in meiner „Das virtuelle Schlachtfeld“-Reihe – und zugleich das vorläufige Ende der Studien-Reihe. Denn die Rückmeldungen und Reaktionen auf meine Videospiel-Studien waren schwach. Es gab scheinbar nur wenig Leserinnen und Leser, was sicher mit dem Umfang der Studien zu tun hat.
Um das Thema „Videospiele“ trotzdem politisch zu bearbeiten, habe ich Ende Januar den YouTube-Kanal „Games’n’Politics“ in Betrieb genommen. Dort sind bislang 26 Videos über die politischen Aussagen in Videospielen erschienen. Neben Militär-Themen ging es dort auch um Gentrifizierung, Tierrechte, Atomkraft, Jugendmedienschutz, Rassismus und sogar Landwirtschaft und Frauen-Fußball. Mit dem Veröffentlichungs-Intervall bin ich sehr zufrieden, die Aufruf- und Abo-Zahlen sind aber noch ausbaubar. Ich bin zwar fest davon überzeugt, dass der Kanal viele Menschen interessiert und zumindest einige tausend Abrufe pro Video möglich sind, „Games’n’Politics“ ist aber einfach noch zu unbekannt. Ich hoffe, dass ich den Kanal durch stetig neue Videos im kommenden Jahr etablieren kann – und dies besser klappt als mit meinen Studien. Vielleicht schaffe ich es 2014 auch, Kooperationen mit anderen – etwas größeren – Videospiel-Medien einzugehen oder gleich ganz unter deren Dach zu schlüpfen.

Top: der „Games‘n'Politics“-YouTube-Kanal

Doch auch in schriftlicher Form habe ich „Videospiele“ weiter bearbeitet und zahlreiche Artikel dazu veröffentlicht. Vor allem der Abdruck der von mir eingereichten Artikel für das Bookzine WASD, das man getrost als Zukunft des Games-Journalismus bezeichnen kann, hat mich sehr gefreut. Mein WASD-Artikel über „Videospiel-Skandale“ wurde sogar von Spiegel-Online zweitveröffentlicht – eine solche Reichweite hatte bisher noch keiner meiner Texte.
Kurz vor Weihnachten habe ich dem PapyRossa-Verlag das Manuskript für mein drittes Buch geschickt. Diesmal geht es nicht um Bundeswehr-Werbung sondern um Militär-Videospiele – obwohl natürlich auch die Darstellung der deutschen Armee in virtuellen Spielen im Buch behandelt wird. Das Buch mit dem Titel „Das virtuelle Schlachtfeld“ erscheint im Frühjahr und ist das Ergebnis meiner jahrelangen Beschäftigung mit Militär-Videospielen. Hoffentlich bringt die Veröffentlichung auch nochmal etwas Schwung – mehr Zuschauerinnen und Zuschauer – für „Games’n’Politics“.
Ein erfolgreicher Kraftakt war der Relaunch der Kasseler Studierendenzeitschrift „medium“, die ich seit April layoute und auch sonst viel Redaktionsarbeit mache: vom Logo über Cover-Bilder, Artikel und Fotos habe ich schon sehr viel zur Zeitung beigesteuert und bin damit – trotz des großen Aufwands – sehr zufrieden.
Auch die Zusammenarbeit mit Zeitungs-Redaktionen hat sehr viel besser funktioniert als im letzten Jahr. Besonders freut mich, dass ich mittlerweile auch gezielt von verschiedenen Redaktionen für Artikel angefragt werde und die Initiative nicht immer nur von mir ausgeht: das verbuche ich mal als Anerkennung meines Wissens zum Beispiel über Sicherheitspolitik.
Darüber hinaus gab es natürlich auch einige Artikel und Texte, die ich sehr gelungen finde und hier kurz auflisten möchte. Neben der schon erwähnten, aufwändigen „Call of Duty“-Studie habe ich im Juli im Freitag einen Artikel über Feindbilder in Videospielen veröffentlicht und dazu auch mit einem US-Autor und Dozenten gesprochen. Da das Thema in Deutschland noch wenig beleuchtet ist, gehört der Artikel unbedingt in diese Auflistung. Der Artikel „Querflöte, Violine und Feldjäger“ über eine Aktion auf einem Truppenübungsplatz für den ich Antikriegs-Aktivisten begleitet habe, ist auch hervorzuheben – und hatte ernsthafte Folgen für mich, zu denen ich gleich auch noch komme. Meine Studie über die Haltung der regierungsnahen „Stiftung Wissenschaft und Politik“ im syrischen Bürgerkrieg hat eine wichtige Informations- und Wissenschafts-Lücke geschlossen. Als Reaktion auf einen ZEIT-Artikel eines Soldaten schrieb ich den Text „Die Bevölkerung auf Kriegskurs bringen“ der – für meine Verhältnisse – große Resonanz bekommen hat und vielfach verlinkt und aufgerufen wurde. Meine Beiträge im „Sowing Seeds“-Buch der „War Resisters‘ International“ und im 20. Band der „Kasseler Schriften zur Friedenspolitik“ über Militär-Videospiele halte ich ebenfalls für gelungen und sie waren wichtige Schritte hin zu meinem bald erscheinenden Videospiel-Buch.

Zwischen Tops und Flops
Die Zahl meiner öffentlichen Veranstaltungen ist sehr zurückgegangen. Waren es 2010 nur 14 Ver-anstaltungen stieg die Zahl 2011 auf 21 Vor¬trags- und Diskussions-Veranstaltungen und erreichte 2012 sogar den Stand von 27 öffentlichen Veranstaltungen. 2013 waren es dagegen nur noch 13! Grund dafür ist meiner Meinung nach das nachlassende Interesse am Thema „Bundeswehr-Werbung“ bzw. „Bundeswehr an Schulen“. Der erste Schwung, den die Bewegung gegen Armee-Propaganda hatte, ist zu Ende. Natürlich ist die zurückgehende Veranstaltungszahl auch gleichzeitig ein Anzeichen dafür, dass immer mehr Menschen informiert sind und zu dem Thema nicht mehr „gebrieft“ werden müssen. An dem von mir neu erschlossenen Thema „Militär-Videospiele“ gibt es bislang eher wenig Interesse politischer Gruppen, mich einzuladen – dies könnte sich nach der schon angesprochenen Buchveröffentlichung aber ändern. Abwarten.
Fotografiert habe ich 2013 natürlich auch wieder viel – allerdings nur so viel bzw. wenig wie auch 2012. Wieder klafft vor allem im Herbst eine Lücke bei meiner Fotografie, die ich selber nur damit erklären kann, dass in der Zeit weniger öffentliche politische (Protest-)Veranstaltungen stattfinden und es einfach weniger Möglichkeiten für mich zum fotografieren gibt. Trotzdem gibt es mit dem „Westbevern Kalender 2014“ wie schon im Vorjahr wieder ein Highlight meiner Fotografie – mit dem neu designten Kalender werden meine Fotos wenigstens von vielen Menschen gesehen.
Irgendwie müssen hier auch nochmal meine wenig gelesenen Videospiel-Studien kurz angeführt werden. Sie können als Beispiel für die „Wertigkeiten“ von Texten genommen werden: veröffentlicht man ein Buch, bekommt man von viele Leuten große Anerkennung ausgesprochen. Erscheinen die eigenen Texte mit derselben Qualität wie die Buch-Texte im Internet, gehen sie unter und werden kaum beachtet. Traurig, aber wahr. Denn eigentlich ist es ja – allein aus idealistischen Gründen – viel besser, seine Texte allen Menschen barrierefrei zur Verfügung zu stellen, statt mit dem Druckwerk eine Bezahlschranke zu haben.

Flops
Nicht mein Fehler, aber trotzdem das mieseste Erlebnis im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit 2013 war die Beschlagnahmung meines Autos durch das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt bzw. die Staatsanwaltschaft Stendal. Die „Ordnungshüter“ meinten, ich hätte im August mehrere Bundeswehr-Fahrzeuge in einer Kaserne in Brand gesetzt – hier ein Interview mit mir dazu. Zwar musste das LKA kurze Zeit später feststellen, dass sie mit ihrem Verdacht auf dem Holzweg sind, ich mit dem Anschlag rein gar nichts zu tun habe (ja, sogar erst bei der Beschlagnahmung meines Autos davon gehört habe) und sie vollkommen überstürzt gehandelt haben, dennoch waren Auto und Mobiltelefon mehrere Wochen nicht für mich verfügbar. Das bedeutete für mich neben dem Eingriff in meine Privatsphäre – der Ausspähung meines Handys – auch einen enormen Verdienstausfall. Eine offizielle Entschuldigung für die Repression gibt es bislang nicht und auch eine Schadenersatz- bzw. Verdienstausfall-Forderung ist noch offen. Mit den Staatsorganen zusammengearbeitet habe ich bei dem ganzen Fall übrigens nicht: die PIN-Nummer meines Handys musste sich das LKA etwa von meinem Mobilfunkanbieter besorgen. Dieser – Vodafone – hat die Nummer dann auch bereitwillig an die Repressionsorgane herausgegeben.

Flop: die Staatsanwaltschaft Stendal erwirkte beim Gericht die Beschlagnahmung meines Autos

Glücklicherweise musste ich mich 2013 nicht so sehr über von mir verpasste Themen ärgern wie im Vorjahr. Dennoch hätte ich gerne viel mehr Artikel geschrieben und weitere Themen bearbeitet: die Liste von Texten, die ich gerne noch schreiben möchte, wächst und wächst. Aber Recherchen sind aufwändig, kosten Zeit und die Qualität muss stimmen.
Fehler und Ungenauigkeiten schleichen sich leider auch so schon in meine Texte. So ist etwa Gerry Whoop nicht mehr Schatzmeister der Linken ist, wie ich fälschlicherweise in einem Artikel im Freitag schrieb. Nur einer von sicherlich mehreren Fehlern, die ich 2013 in meinen Veröffentlichungen gemacht habe. Wie immer heißt es auch für 2014: Aufgepasst beim Schreiben!

Fazit
Im Vergleich zum Vorjahr haben sich viele Themen in den drei Kategorien – Tops, Zwischen Tops und Flops, Flops – von der einen in die andere Kategorie bewegt. Während die „Veranstaltungen“ etwa von „Tops“ nach „Zwischen Tops und Flops“ wanderte, konnte ich die Relevanz vieler Artikel nun unter „Tops“ verzeichnen, dabei stand dies 2012 noch unter „Flops“. Insgesamt ziehe ich für 2013 eine positive Bilanz – auch wenn weiterhin viel Luft nach oben ist. Diese Bewertung ist aber natürlich subjektiv.
2014 werde ich weiter am Thema der „Bundeswehr-Werbung“ dran bleiben und auch weiter die Darstellung von Politik in Videospielen bearbeiten. Nach der kommenden Buch-Veröffentlichung wäre theoretisch aber auch wieder etwas Luft für das nächste Thema. Welches das sein könnte, weiß ich zurzeit aber noch nicht. Und da sich Mitte des Jahres wohl auch privat etwas bei mir ändern wird (ich wohl umziehen werde), kann ich aktuell sowieso nur einen bedingten Ausblick auf meine kommende Arbeit geben. Ich nehme mir zumindest vor, weiterhin viele „Games’n’Politics“-Videos zu machen und mehr Artikel zu schreiben. Ob das klappt, wird sich in den kommenden zwölf Monaten auch hier zeigen – oder eben nicht ;-)

Den Leserinnen und Lesern dieser Seite ein gutes Jahr 2014!

Michi

Games’n’Politics – Folge 22 – Schöne heile Bauern Welt

Man mag es kaum glauben aber auch der „Landwirtschafts-Simulator 2013″ von Giants-Software vermittelt politische Botschaften.

Warum das Spiel nur die positiven Seiten der Landwirtschaft zeigt und Themen wie Massentierhaltung, Bodenverschmutzung und Gen-Technik (noch) ausblendet, klärt ein Gespräch mit Thomas Frey von der Entwicklerfirma.

Hier geht’s zum Video!

Bilanz meines Journalismus 2012

Ein Jahr ist zu Ende gegangen, diese Website wurde vor wenigen Tagen fünf Jahre alt: Zeit mal wieder Bilanz zu ziehen – wie lief‘s mit meinem Journalismus? Was hat geklappt, was nicht? Und wie wird es weiter gehen?
Erstmal die aktuellen – aber nur bedingt aussagekräftigen – Zahlen: im Jahr 2012 habe ich 31 Artikel und 9 Interviews veröffentlicht. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 55 Artikel und 7 Interviews. 2010 habe ich 53 Artikel und 18 Interviews veröffentlicht und 2009 waren es sogar 64 Artikel und 16 Interviews. Allerdings habe ich 2012 auch noch das „Soldaten im Klassenzimmer“-Buch publiziert, einen Artikel zu einem Sammelband beigetragen und fünf längere Studien veröffentlicht. Eine weitere Studie ist bereits fertig und wird bald zu lesen sein. Zudem habe ich noch 16 Interviews mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der WRI-Konferenz im Juni geführt, die noch nicht veröffentlicht wurden. Und sowieso fehlen in der Aufzählung noch Artikel, die nicht im Internet – und damit auf dieser Website – erschienen sind. Dennoch lässt sich sagen: während die Anzahl meiner Texte in den letzten Jahren abnimmt, nimmt ihre Zeichenzahl zu. Doch nun ein Blick hinter die nackten Zahlen: meine journalistischen Tops und Flops (und was dazwischen war) im vergangenen Jahr.

Tops
Gut geklappt hat die journalistische Arbeit am Thema „Videospiele“. Ich habe einige Artikel über den politischen Gehalt der Spiele veröffentlicht. Besonders gefreut hat mich dabei die Möglichkeit, einen Artikel in der taz unterzubringen – darauf habe ich auch viele positive Rückmeldungen erhalten. Außerdem ist ein Text von mir Anfang des Jahres im Dossier „Computerspiele: Friedensjournalismus vs. Kriegspropaganda“ der deutschen Fachzeitschrift für Friedensforschung „Wissenschaft & Frieden“ erschienen. Ein weiteres Highlight war ein kürzlich erschienener Artikel über die Verbindungen zwischen der Videospielbranche und der Rüstungsindustrie im Bookzine WASDdie Zukunft des Games-Journalismus. Gerade über diese Verbindung habe ich viel recherchiert und interessante Dinge heraus bekommen. Daneben habe ich oft den „Videospiel-Streit“ zwischen dem „Westen“ und dem Iran abgehandelt.
Zu meinen umfangreichsten Texten 2012 gehören die vier Videospiel-Studien unter dem Titel „Das virtuelle Schlachtfeld“. Ende Februar erschien die erste Studie zu dem First-Person-Shooter „Battlefield 3“. Es folgten im Juli Studien über „Ghost Recon – Future Soldier“ und „Spec Ops – The Line“ und schließlich Ende November eine über „Medal of Honor – Warfighter“. Eine Studie über „Call of Duty – Black Ops 2“ erscheint in wenigen Wochen – die Studien-Reihe wird also auch im neuen Jahr fortgeführt.

Soldaten im Klassenzimmer-Buch
Top: neues Buch!

Das zweite große Thema war – wie schon seit Jahren – die Werbetätigkeit der Armee. „Soldaten im Klassenzimmer – Die Bundeswehr an Schulen“ ist der Titel meines im Mai veröffentlichten zweiten Buchs. Auf 135 Seiten nehme ich darin die Werbung der deutschen Armee um Schülerinnen und Schüler auseinander und lasse in Interviews auch Akteure wie Schüler- und Elternvertreter und einen Professor für politische Bildung zu Wort kommen – die Bundeswehr wollte für das Buch leider nicht mit mir sprechen.
Daneben habe ich viele weitere Artikel über Bundeswehr-Werbung geschrieben und Interviews geführt. Besonders interessant war dabei der Blick auf die internationale Ebene. Im Juni fand in Darmstadt eine internationale Fachtagung „Gegen die Militarisierung der Jugend“ statt. Bei der Organisation des Kongresses durch die „War Resisters‘ International“ habe ich etwas mitgeholfen, während der Tagung viele interessante Gespräche und Interviews geführt und auch selbst über die Situation in Deutschland referiert. Ein Buch über die Tagung mit Beiträgen von mir und den geführten Interviews wird voraussichtlich im März 2013 erscheinen – erstmal auf Englisch, später aber wohl auch in deutscher Sprache.
Wahnsinnig gefreut habe ich mich über zahlreiche Vortrags-Einladungen. 2010 habe ich bei 14 Veranstaltungen referiert, 2011 waren es 21 Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen und 2012 sogar 27 öffentliche Veranstaltungen! Ich war in diesem Jahr (teilweise mehrfach) in München, Kassel, Hannover, Darmstadt, Mannheim, Düsseldorf, Mörfelden, Berlin, Göttingen, Frankfurt am Main, Dortmund, Essen, Ingolstadt, Regensburg, Tübingen, Stuttgart, Karlsruhe, Kaiserslautern, Worms, Beelen, Münster, Nordhorn, Bottrop und Strausberg um etwas über den „Werbefeldzug der Bundeswehr“, die „Eroberung der Schulen durch die Armee“ und zwei Mal auch über „Militärische Videospiele“ zu referieren. Dabei habe ich viele interessante und engagierte Menschen getroffen und tolle Diskussionen geführt! Und auch für dieses Jahr stehen schon die ersten Veranstaltungen in meinem Kalender.

Zwischen Tops und Flops
Über Videospiele habe ich schon etwas geschrieben, es lief gut. Aber dennoch: Es ist nicht einfach, meine Artikel über virtuelle Spiele in Zeitungen unterzubringen. Viele Redaktionen sind sich der Relevanz offenbar nicht bewusst, obwohl die Videospiel-Branche mittlerweile mehr Umsatz als Hollywood macht und die Spiele vor allem für junge Menschen zum Alltag gehören. Woran das liegt? Nicht einfach zu sagen. Vielleicht, weil viele ältere Redakteure keine eigenen Erfahrungen mit Videospielen haben. Vielleicht auch, weil das Thema nicht einfach einzuordnen ist – ein Artikel über den Waffenfetischismus in einem Militär-Shooter: Feuilleton? Politik? Einfache Rezensionen sind meine Texte nicht, aber sie behandeln auch keine tagespolitischen Auseinandersetzungen. Die aktuelle Diskussion um Videospiel-Journalismus hilft hoffentlich dem Thema „Videospiele“, an Relevanz in den Medien zu gewinnen.
Ebenfalls nicht ganz optimal lief im September ein Artikel über Werbung der Bundeswehr auf den Websites des Jugendmagazins BRAVO – dort warb die Armee actionreich für zwei Ferienlager. Ich bat den Bauer-Verlag um eine Stellungnahme und auch die Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“. Die Statements bekam ich nach einigen Tagen. Die Kinderrechtsexperten waren von der einseitigen Armee-Werbung, auf die ich sie aufmerksam gemacht habe, aber so entsetzt, dass sie eine Online-Protest-Aktion ins Leben riefen und dazu auch eine Pressemitteilung veröffentlichten. Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit meiner Anfrage etwas bewegt habe und sich die Kinderrechtler der Sache intensiv angenommen haben. Nur: Mein Artikel lag leider noch in der taz-Redaktion als das Thema wegen der „terre des hommes“-Pressemitteilung schon von den ersten Medien aufgriffen wurde. So war mein Artikel, als er endlich erschien, nur einer unter vielen – die Exklusivität war weg, das Thema hat mich überholt. Mögliche Lösung solcher Probleme in Zukunft: lieber vorher bei der Zeitung fragen, wann der Artikel veröffentlicht wird, um zwischen Recherche, fertigem Artikel und Veröffentlichung weniger Zeit verstreichen zu lassen.
Beeindruckend war dann aber mit anzusehen, wie sich das Thema verbreitete. Politiker von Linken, SPD und Grünen äußerten sich kritisch zu der Werbeaktion der Bundeswehr in den BRAVO-Medien. Die Sache kam sogar im Bundestag auf die Tagesordnung. Zeitungen, Radio und Fernsehen berichteten – und alles nur wegen meiner kurzen Statement-Anfrage bei Ralf Willinger. Schon lustig.
Nicht schlecht, aber auch nicht gut liefen meine Fotos. Hier und da konnte ich mal ein Foto zu meinen Artikeln in Zeitungen oder Online unterbringen. Das Thema „Videospiele“ ist aber natürlich besser durch Screenshots aus den Spielen zu bebildern, weshalb ich zu diesem Themenbereich nur schwer Fotos liefern kann – mit Ausnahme meiner Fotos von der jährlichen Videospiel-Messe „gamescom“ in Köln. Fast alle meine journalistischen Fotos stelle ich auch auf meine flickr-Seite. Allerdings stammen die letzten vom August – in den letzten Monaten habe ich kaum noch Zeit für’s journalistische Fotografieren gefunden bzw. konnte keine Termine – etwa Demonstrationen auf denen ich Fotos hätte machen können – wahrnehmen. Mal sehen, was 2013 bringt.

Flops
Gar nicht gut lief 2012 – zumindest ab Februar – meine Militainment.info-Website. Da ich einfach nicht die Zeit finde, Exklusiv-Artikel für die Seite zu schreiben, ist das Projekt momentan eingestellt. Das ist schade, ich weiß allerdings auch nicht, wie sich das wieder ändern könnte – zumindest allein ist das Projekt schlicht zu aufwändig. Und da ich niemanden kenne, der sich aktuell kritisch mit der Darstellung von Militär in den Medien auseinandersetzt und Interesse an einer Mitarbeit bei Militainment.info hat, wird die Seite wohl auch im Jahr 2013 ruhen.

Flop: Militainment.info

Ebenfalls schlecht lief es mit einem Artikel über den diesjährigen Mädchen-Zukunftstag „Girls’Day“ und das Verhalten der Bundeswehr dabei, den ich kaum in einer Zeitung unterbringen konnte: die Armee hat sich selbst auferlegt, bei dem Tag nur Mädchen ab der 9. Jahrgangsstufe – also einem Alter von 14 Jahren – zu umwerben. Jedoch gab es in den letzten Jahren und auch 2012 zahlreiche Fälle, bei denen schon 11-Jährige an den Armee-Veranstaltungen teilnahmen. Das Verteidigungsministerium verspricht seit Jahren Besserung, aber nichts passiert. Meiner Meinung nach ein Skandal, viele Zeitungen, den ich den Artikel angeboten habe, sahen das wohl anders und der Artikel erschien gekürzt erst sehr spät in einer Tageszeitung. Woran das lag ist nicht einfach zu sagen? Vielleicht habe ich die Relevanz des Themas gegenüber den Redaktionen nicht deutlich genug gemacht – oder mich selbst in der Relevanz bzw. Brisanz getäuscht.
Andererseits habe ich 2012 aber auch Themen verschlafen. Ein Beispiel: schon früh hörte ich, dass eine Lehrerin im nordrhein-westfälischen Gummersbach „Schutzengel“ für deutsche Soldaten von ihren Grundschulkindern basteln lässt. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich mich schon so viel mit Armee-Werbung auseinandergesetzt habe und mich da erstmal nichts mehr erschüttert: ich habe das Thema als belanglosen Einzelfall abgetan und nichts darüber geschrieben. Erst als mich zwei Wochen später ein befreundeter Journalist auf die „Schutzengel“-Aktion ansprach habe ich – aber auch nur mit wenig Elan – einen Artikel für Telepolis geschrieben. Da waren die ersten Artikel von Kollegen schon erschienen und das Thema machte die Runde durch die deutschen Medien, sorgte für eine Anfrage im Bundestag und in Gummersbach für eine hitzige Debatte. Den „Schutzengel“-Vorfall habe ich schlicht unterschätzt.
Was ich unabhängig davon immer noch schade finde: Es gibt kaum Reaktionen auf meine Texte –mit Ausnahme der Bundeswehr-BRAVO-Recherche. Sind meine Themen und Recherchen nicht interessant genug? Ich weiß es nicht. Gerade von den aufwändigen Videospiel-Studien höre ich nichts: zwar haben sie tausende Zugriffe, aber zu einer wirklichen Diskussion führen sie bisher nicht und werden auch nicht von andern Medien aufgegriffen – nichtmals von den vielen Videospiel-Fachmagazinen.

Fazit
Ich werde weiter über militärische Videospiele schreiben, mir den Bereich erarbeiten und auch weitere, aufwändige Studien verfassen – muss aber wirklich zusehen, die Studien-Reihe über das „virtuelle Schlachtfeld“ zu etablieren, um auch endlich Aufmerksamkeit für die Texte zu bekommen.
Etabliert ist mittlerweile das Thema der „Bundeswehr-Werbung“: Viele Medien berichten darüber und ich konnte meinen Teil dazu beitragen. So kann ich das Thema auch langsam etwas ruhiger angehen lassen und mich eben auf Anderes konzentrieren.
Journalistisch ist dabei für mich noch einiges zu lernen – besonders im Umgang mit Redaktionen. Darauf werde ich 2013 besonders achten und versuchen, mich zu verbessern. Daneben plane ich aber auch ein eigenes, neues Projekt und will mir neben schreiben und fotografieren auch andere journalistische Möglichkeiten erarbeiten, bei denen ich selbst publizieren kann – was das ist, wie es aussehen wird und ob es überhaupt was wird, zeigt sich in den nächsten Monaten.

Michi

Hindukusch statt Hartz4

Neulich wurde ich für das ZDFneo-Magazin „Bambule“ zum Thema „Arbeitgeber Bundeswehr“ interviewt.

Die kurze Reportage ist jetzt auch hier online verfügbar!

Hinweis: Radiobeitrag „Heimatfront“

Im Rahmen der Geschichte um die Kooperation zwischen dem Jugendmagazin BRAVO und der Bundeswehr wurde ich kürzlich vom Online-Radio des Bayerischen Rundfunks interviewt – höre hier. Bald erscheint nun auch ein längeres Feature zur Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr beim WDR-Rundfunk. Dafür wurde ich ebenfalls ans Mikro gebeten. Das Feature „Heimatfront“ läuft am 8. Oktober auf WDR3 und am 9. Oktober auf EinsLive jeweils ab 23Uhr. Weitere Informationen und eine Hörprobe gibt es hier. Viel Spaß!

Buchkapitel über „Bundeswehr Adventure Games“

Da frage ich für meinen – leider recht spät – in der taz erschienenen Artikel über Werbung der Bundeswehr auf den Websites des Jugendmagazins BRAVO bei der Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“ um ein Statement und schon initiieren sie eine Online-Protest-Aktion, die aktuell zu einem riesen Medienrummel führt – wahnsinn! Dabei besteht die Kooperation zwischen Bundeswehr und BRAVO bereits seit 2005 – so umfangreich wie in diesem Jahr war sie bisher aber noch nie. In meinem 2010 erschienenen Buch „An der Heimatfront – Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ habe ich mich bereits intensiv mit den Armee-Ferienlagern, die damals noch „Bundeswehr Adventure Games“ und nicht „Adventure Camps“ hießen, auseinandergesetzt. Das entsprechende Kapitel stelle ich aus aktuellem Anlass hier kostenlos zur Verfügung:

Schulze von Glaßer, Michael: An der Heimatfront – Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr, Köln 2010, Seite 64 – 68.

Die Bundeswehr wollte nicht mit mir reden

In diesen Tagen erscheint mein neues Buch „Soldaten im Klassenzimmer – Die Bundeswehr an Schulen“. Darin wird die Nachwuchswerbung und Image-Arbeit der deutschen Armee an Bildungseinrichtungen beschrieben und es kommen verschiedene Akteure – Schüler, Lehrer, Eltern, Friedensbewegte und ein Professor für politische Bildung – zu Wort. Der wichtigste Akteur bei dem Thema ist jedoch nicht mit einem Interview im Buch vertreten: Die Bundeswehr wollte nicht mit mir reden.
Wie bei den anderen fünf Interviewpartnerinnen und -partnern bat ich auch einen Jugendoffizier, eine Wehrdienstberaterin und den Leiter des Wehrbereichskommandos II, Generalmajor Gerhard Stelz, per E-Mail um ein Interview für das neue Buch. Und wie auch bei den anderen Interviews versicherte ich, dass die Soldaten das komplett abgetippte Interview am Ende nochmals zur Autorisierung vorgelegt bekommen und es gegebenenfalls ändern können – das ist im Journalismus üblich. Sechs Tage nach meinen Anfragen erreichte mich eine kurze Mail des Presse- und Informationszentrums der Bundeswehr aus Bonn: „Die Bundeswehr wird Sie bei der Realisierung Ihres Buchprojektes nicht unterstützen!“ Einen Grund für die Absagen ist mir die Bundeswehr bis heute schuldig. Nachfragen wurden nicht beantwortet.

Frisch aus der Druckerei aber ohne Bundeswehr-Interviews

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr sich mir gegenüber weigert, Auskunft zu geben: Schon bei meiner Abschlussarbeit über „Jugendoffiziere der Bundeswehr als Akteure der politischen Bildung an Schulen“ an der Universität Kassel wurde mir ein Interviewtermin mit einem Jugendoffizier kurzfristig wieder abgesagt – die vorgesetzte Dienststelle des Jugendoffiziers stimmte dem Interview nicht zu und gab an, mich und meine kritischen Ansichten zum Militär, aus denen ich auch keinen Hehl mache, zu kennen. Zudem begründete die Dienststelle ihre verweigernde Haltung damit, dass ich schon öfters Kontakt mit Jugendoffizieren gehabt hätte und sie daher keine Erfordernis mehr nach einem Interview sehen würden. Das stimmt nur halb: Für meine Arbeit und die Recherchen zum neuen Buch hatte ich tatsächlich einige Male Kontakt mit Jugendoffizieren, habe an einer POL&IS-Simulation teilgenommen und Podiumsdiskussionen besucht. Allerdings hatte ich bislang nie die Möglichkeit, in kleinem Kreis in Ruhe mit einem Jugendoffizier zu sprechen und sachlich Argumente mit ihm auszutauschen bzw. ein Interview zu führen.
Ich bekomme mittlerweile doch den Eindruck, dass die Bundeswehr eine gewisse Angst vor mir zu haben scheint. Ich will mit Soldaten sachlich, fachlich über das wichtige Thema „Bundeswehr an Schulen“ sprechen, die Armee-Führung verwehrt dies. Fürchtet die Bundeswehr den argumentativen Untergang ihrer Soldaten bei einem Interview mit mir? Gerade für eine staatliche Institution ist eine solche Verweigerungshaltung gegenüber vermutlich kritischen Fragen in einem Interview unerhört. Andererseits sagt die Bundeswehr mit ihren Abweisungen möglicherweise mehr, als es in Interviews je der Fall gewesen wäre…

Michi