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Bilanz meines Journalismus 2011

Fast einen Monat verspätet aber dann doch noch geschafft: am 26. Dezember 2007 – also vor etwas mehr als vier Jahren – ging diese Website in Betrieb. Im vergangenen Jahr habe ich in einem Artikel bereits Bilanz über meine bis dato veröffentlichten Texte gezogen. Nun möchte ich auch für das Jahr 2011 Bilanz ziehen – welche Texte und Projekte waren gut, welche schlecht? Und was hat sich journalistisch bei mir überhaupt in dem Jahr alles getan?
Erstmal ein paar Zahlen: 2011 habe ich 55 Artikel und 7 Interviews veröffentlicht. Zum Vergleich: 2009 waren es 64 Artikel und 16 Interviews und 2010 immerhin noch 53 Artikel und 18 Interviews. Die Zahl meiner Veröffentlichung ist also gesunken, gerade bei Interviews. Allerdings erscheinen auch nicht all meine Veröffentlichungen im Internet und somit auf diesem Blog, von dem ich die Zahlen zusammengezählt habe. Zudem wurden einige Textteile auch teilweise für mehrere Artikel verwendet. Auch sagt die Zahl der Veröffentlichungen nichts über die Länge oder Qualität der Texte aus. Um auch diesen wichtigen Punkt sowie Projekte und sonstige interessante Ereignisse 2011 einfließen zu lassen hier nun meine Tops und Flops und was dazwischen war 2011:

Tops
Meine erste verdeckte Recherche im Februar 2011 war für mich auf jeden Fall ein Highlight des vergangen Jahres. Dafür war ich auf einer Jobmesse für Schüler in Göttingen unterwegs und habe mich von einem Wehrdienstberater über eine mögliche Anstellung bei der Bundeswehr beraten lassen. Die Recherche diente zum Beweis dafür, dass Wehrdienstberater die negativen Seiten des „Arbeitgebers Bundeswehr“ – also etwa die gefährlichen Auslandeinsätze, Tod und Verwundung – in ihren Beratungsgesprächen selten bis gar nicht erwähnen. Natürlich war dies nur eine Stichprobe, doch bestätigt die Recherche Berichte von Schülerinnen und Schülern.


Verdeckte Recherche am Stand der Wehrdienstberatung in Göttingen

Ein aus meiner Sicht qualitativ guter Text war auch das im September erschienene Interview mit Martin Vaňo, Senior Designer bei Bohemia-Interactive. Das Unternehmen wurde als Videospiel-Firma gegründet, verdient heute aber mehr Geld mit Trainingssimulatoren für das Militär – eine interessante Entwicklung, über die ich mit Martin Vaňo gesprochen habe.
Auch im Freitag und in der taz sind in diesem Jahr mehrere Artikel von mir erschienen – darunter ein Artikel über den PR-Auftritt der deutschen Söldnerfirma „Asgaard – German Security Group“ bei der Vorstellung des First-Person-Shooter-Videospiels „Battlefield 3“.
Im Vergleich zu meiner letzten Bilanz hat sich der Bereich „Foto“ sehr gut entwickelt. So konnte ich 2011 mehr Fotos in Zeitschriften, Magazinen und Online-Medien unterbringen als je zuvor. So wurde etwa eine komplette Ausgabe des Fachmagazins „Wissenschaft & Frieden“ mit Fotos von mir gestaltet, auch in einer GEW-Broschüre sind viele meiner Fotos zu sehen und das Team von klimaretter.info hat mittlerweile 460 Fotos von mir in ihrem Bild-Archiv. Im Dezember 2011 war dann sogar noch meine Fotoausstellung „Remeber: Bildungsstreik“ an der Universität Kassel zu sehen.
Die positive Entwicklung geht mit der Inbetriebnahme meines flickr-Accounts einher. Dort sind natürlich auch sehr viele Fotos zu sehen, die ansonsten nirgendwo veröffentlicht wurden und würden. Bevor sie aber nur auf meinem Rechner liegen, präsentiere ich sie lieber der Öffentlichkeit. Seit kurzem gibt es dort auch nicht mehr nur „politische“ Fotos, sondern auch welche von Tieren und bald wohl auch noch welche zum Thema „Natur“.
Gut lief es 2011 auch mit Vortags- und Diskussionsveranstaltungen. 2010 hatte ich 14 Veranstaltungen, 2011 waren es sogar 21 Vorträge und Diskussionen – meist zum Thema „Bundeswehr an Schulen“. Hinzu kommen noch zwei Reden auf den Ostermärschen in Gelsenkirchen und Kassel.
Dass die Informationsstelle Militarisierung e.V. für ihre Analysen, Studien und sonstigen Texte – von denen ich auch einige wenige geschrieben habe – mit dem Aachener-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, ist 2011 auch eine sehr erfreuliche Sache gewesen.
Sich das Thema Videospiele neben „Bundeswehr-Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit“ zu erarbeiten, hat auch gut geklappt. Mein Wissen über das Thema wird immer umfassender.

Zwischen Tops und Flops
Anfang Mai habe ich die Website Militainment.info in Betrieb genommen. Dort beschäftige ich mich seitdem mit der Darstellung des Militärs in den Medien – vor allem im Fernsehen und in Videospielen. Jeden Mittwoch gibt es auf der Website einen neuen Artikel oder ein neues Interview, dazwischen immer wieder Hinweise auf aktuelle Entwicklungen. Das hat bisher ganz gut geklappt, dennoch bin ich mit dem Konzept nicht zufrieden. Das Thema ist sehr umfangreich, man könnte und müsste viel mehr dazu arbeiten – meine Kapazitäten sind aber ausgelastet. Es ist so schon schwer genug, jeden Mittwoch einen qualitativ guten Text auf der Website zu publizieren. Mitstreiter für das Militainment.info-Projekt konnte ich bislang leider nicht finden. Daher werde ich mir in den kommenden Tagen weitere Gedanken zu dem Projekt machen: vielleicht wird es bald weniger regelmäßig Artikel auf Militainment.info geben – mal sehn.


Gut: das Thema Videospiele erarbeite ich mir gerade | Schlecht: Militainment.info könnte besser laufen

Aufregend und interessant war für mich die Einladung in die Sendung „ZDF log.in“ des ZDF-infokanals im Mai. Eine tolle Erfahrung und eine gute Möglichkeit zu lernen – etwa seine Argumente klarer zu formulieren. Die Diskussion mit Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Vertrauter von Verteidigungsminister de Maizière, hätte rhetorisch besser laufen können…

Flops
Die Einstellung der Jugendzeitung utopia nach 21 Ausgaben im Dezember 2011 war ein Tiefpunkt des Jahres – auch wenn ich den Schritt nach wie vor als richtig erachte. Die utopia ist zu schnell gewachsen, hat dadurch ein großes finanzielles Loch aufgerissen, das dann wieder zu harten Einsparungen und einer extremen Schrumpfung geführt hat. Mit der sinkenden Auflage sank auch die Motivation. Und auch, dass sich keine neuen Leute für das Projekt finden ließen, ist bedauerlich. Das muss ich mir als Teil der utopia-Redaktion auch auf meine Fahne schreiben. Die utopia haben wir nach einer langen erfolgreichen Zeit am Ende ganz schön in den Sand gesetzt, auch wenn es letztlich der Personalmangel war, der das Ende der Zeitung besiegelt hat. Finanziell war die Zeitung zum Schluss wieder auf einem grünen Zweig.
Generell für Ärger sorgten 2011 natürlich – wie schon in den Vorjahren – Fehler in Artikeln. So hatte ich in einem Artikel im Freitag einen Schnitzer. Und auch in anderen Texten waren Ungenauigkeiten. Sowas sollte nicht passieren. Da hilft nur: noch genauer recherchieren und auch noch mehr nachhaken.
Ein großes Problem ist für mich die „Nachhaltigkeit“ meiner Artikel. Ich schreibe Texte, sie erscheinen in einem Medium und das war’s. Der Artikel über meine verdeckte Recherche bei einem Wehrdienstberater erschien im Neuen Deutschland wie jeder andere Artikel. Niemand sonst griff das Thema auf. Auch meine anderen Artikel verhallten weitestgehend in der Medienwelt. Etwa auch der – meiner Meinung nach sehr brisante – Artikel über einen geänderten Erlass des Verteidigungsministeriums, der es der Bundeswehr nun erlaubt Kinder auf Panzer und anderes Kriegsgerät zu lassen. Wie so etwas auch laufen kann zeigt ein Artikel Steffen Hebestreit, der im Juli 2011 in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau erschienen ist: darin ging es um Jugendpressekongresse der Bundeswehr in Zusammenarbeit der der YoungLeaders GmbH. Das Thema fand auch in anderen Medien anklang und das Verteidigungsministerium und die Armee sahen sich gezwungen Besserung zu versprechen. Es liegt sicherlich viel am Medium, ob Themen weitere Verbreitung finden. Tendenziell sollte ich daher wohl verstärkt versuchen Artikel auch in „großen“ Medien unterzubringen.

Fazit
Mit meinem Text- und Bild-Journalismus 2011 bin ich soweit zufrieden. Klar, es könnte immer besser sein. Aber ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg :-)

Michi

Bleibt tapfer! Wir sind weg…

- Dies ist die – vorläufig – letzte Ausgabe der utopia. Zum Abschied die kleine Geschichte der libertären Jugendzeitung -

Gerade hältst du die letzte Ausgabe der 2007 gegründeten Jugendzeitung utopia in den Händen. Eine von insgesamt etwa 2.076.400 utopia-Zeitungen [die Zahlen in diesem Text sind aktueller als die auf der utopia-Website], die im Laufe der Jahre gedruckt wurden. Nimmt man alle 21 Ausgaben zusammen, kommt man auf einen Gesamtauflage von etwa 391.300 Exemplaren. 112 unterschiedliche Seiten im „Berliner“ Zeitungsformat wurden von der utopia-Redaktion erstellt und in den Zeitungen abgedruckt. Nach der Statistik neugierig auf mehr Informationen über die utopia? Gerne!

„Kein Bock auf Bleiwüste? Kein Bock, jedes zweite Wort im Fremdwörterbuch nachschlagen zu müssen? Na gut, so schlimm ist die Graswurzelrevolution nicht…“, so begann im Frühjahr 2007 der in der libertären Monatszeitung Graswurzelrevolution (GWR) abgedruckte Aufruf zur Gründung einer neuen Jugendzeitung. Kurz darauf bekam das neue Zeitungsprojekt den Namen „utopia“. Mit der GWR waren wir von Anfang an fest verbunden. Am 22. Juli 2007 traf sich die Redaktion – damals drei Leute – erstmals, um die Jugendzeitung für eine gewaltfreie und herrschaftslose Gesellschaft zu basteln. Gleich bei dem Treffen in Münster wurde das noch in dieser Ausgabe zu sehende utopia-Logo entworfen. Außerdem wurde natürlich die erste Ausgabe geplant.

Die gedruckte Zeitung
Die erste Ausgabe der Zeitung erschien im September 2007 mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren – wie seitdem immer lagen rund 3.500 Zeitungen der vollen Auflage der GWR bei. Die restlichen Zeitungen gingen an Jugendzentren, SchülerInnenvertretungen, Infoläden, linke Gruppen und (Klamotten-) Versände, die die utopia auslegten bzw. ihren Bestellungen beilegten. Auch auf Demonstrationen wurde die Jugendzeitung verteilt. Die Resonanz war gut und die Auflage der zweiten Ausgabe kletterte schon auf 11.500 Stück. Scheinbar hatten wir sowohl inhaltlich als auch praktisch – die Jugendzeitung konnte kostenlos über die utopia-Website www.jugendzeitung.net bestellt werden – einen Nerv getroffen. Auch die Redaktion vergrößerte sich mit jeder Ausgabe – mehr als zehn Leute waren es aber nie. Die Auflage kletterte weiter bis auf 25.000 Exemplare. Auch die Erscheinungsweise änderte sich. Mit der dritten Ausgabe für Februar und März 2008 erschien die Zeitung nun alle zwei statt alle drei Monate. So ging es bis zur fünfzehnten Ausgabe weiter – dann kam die nächste große Änderung: die utopia wurde wieder eine Quartalszeitung, die Seitenzahl wurde dafür aber von bisher vier auf acht Seiten verdoppelt! So konnten wir Portokosten sparen und hatten im Jahresschnitt dennoch mehr Seiten zur Verfügung.

Das Online-Magazin
Damit konnte unser Schreibwille aber noch immer nicht gestillt werden. Neben der gedruckten Ausgabe wurde ein Online-Magazin aufgebaut. Die einfache weiß-pinke utopia-Website musste im April 2008 einer schicken weiß-blau-grauen mit integriertem Online-Magazin weichen. Mit einigen Ausnahmen schafften wir es, etwa alle drei Tage einen neuen Artikel auf die Seite zu stellen. Hinzu kam die gedruckte Ausgabe, die von Beginn an komplett online zu lesen war. Auch heute noch könnt ihr dort alle Artikel nachlesen. Anfang 2010 gab es dann eine weitere Umstellung der Website – nun ist sie violett und etwas moderner gestaltet. Auch twitter, MySpace, Facebook sowie Schüler- und StudiVZ blieben nicht vor uns sicher.

Die Krisen
Es gab aber auch Schattenseiten. Das Online-Magazin wurde im Januar 2010 eingestellt, da die Redaktion zu klein wurde und wir uns entschlossen, uns auf die gedruckte Zeitung zu konzentrieren. Als die utopia gerade drei Jahre alt wurde, traf uns (doch relativ unerwartet) ein Schock: durch hohe Druck- und vor allem Vertriebskosten hatten wir mit den letzten Ausgaben (Nummer 17 war gerade erschienen) ein dickes finanzielles Minus gemacht. Wie immer standen uns die Freund_innen der Graswurzelrevolution, die auch das Konto der utopia verwalteten und die Buchführung machten, hilfsbereit zur Seite. Sie trugen die Schulden mit – bei der utopia musste sich aber etwas ändern. Bisher konnte die Zeitung kostenlos abonniert werden. Die vierstelligen Druck- und Vertriebskosten konnten mit Anzeigen und Spenden aber nicht mehr gedeckt werden. Daher sollten die Abonnent_innen (mit Ausnahmen) nun zumindest die Vertriebskosten selbst zahlen. Unseren bisherigen Abo-Stamm gaben wir auf, weshalb die Auflage auf 14.000 bzw. 13.000 sank.

Mit der schwindenden Auflage sank bei vielen Redaktionsmitgliedern auch die Motivation. Einige verließen die Redaktion, andere hielten den Betrieb gerade so aufrecht. Zudem hatten und haben viele utopia-Redakteur_innen mittlerweile neue Projekte. Nur noch wenige Leute sind heute wirklich bei der utopia aktiv. Richtig arbeitsfähig waren wir in den letzten Monaten nicht mehr. Daher nun das Ende des Projekts.
Wir sind traurig und blicken wehmütig, aber auch zufrieden auf die 21 Ausgaben utopia zurück. Wir haben „utopia“ zwar nicht erreicht, doch mit den Zeitungen hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken gebracht und ihnen so eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft nahegebracht. Wir hatten dabei trotz einiger Hürden viel Spaß! Und wer sagt, dass es die utopia nicht irgendwann wieder geben wird? Reanimation möglich!

Die utopia Redaktion

„Kein Bock auf Bund“

Wie bereits vor einigen Tagen geschrieben, wird das Thema „Bundeswehr-Nachwuchsgewinnung“ mittlerweile auch zunehmend von den „großen“ Medien aufgegriffen. Am letzten Mittwoch wurde darüber etwa in der Live-Sendung „ZDF log in“ auf dem „ZDF infokanal“ disktutiert. Gast in der Sendung war Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Vertrauter von Verteidigungsminister de Maizière. Zudem waren Wehrdienstberater Niels-Ole Raßmus, Jürgen Rose von der kritischen Soldatenvereinigung „Darmstädter Signal“ und ich bei der Diskussion dabei. Die ganze Sendung kann man sich hier in der ZDF-Mediathek anschauen.

Es gab auch einige Reaktionen auf meinen Auftritt: von Zustimmung über sachlich-kritische Mails bis zu einem auf diesem Blog geposteten Kommentar, den ich niemandem vorenthalten möchte:

Sehr geehrter Herr Glaßer,

ich finde es beschämend, dass sie sich mit ihrer subjektiven, unsachlichen Meinung herausnehmen, sich im ZDF als „Freier Journalist“ zu bezeichnen. Alle Aussagen von Ihnen waren zu mindestens 50% falsch. Vielleicht sollten Sie sich für die Zukunft überlegen, ob es das nächste Mal nicht mehr Sinn macht, sich ausführlicher zu informieren, statt bei Wikipedia „Bundeswehr“ einzugeben.
In einem Satz: Sie sind eine Schande für den deutschen Journalismus und der Grund dafür, dass die BILD- Zeitung so schreibt, wie sie schreibt.
Haben Sie nicht noch irgendwas in Leben gelernt was Sie machen könnten, statt zu Schreiben und Mist zu erzählen ?
Vielleicht hat ja die Bundeswehr einen Platz für Sie als Küchenfeldwebel.

Mit freundlichen Grüßen, Paul Janssen

Ich empfehle meine vielen Artikel über die Bundeswehr zu lesen und möchte auch auf mein Buch und die darin abgedruckten 857 Fußnoten bzw. Quellennachweise verweisen. Ich stehe dem Militär und ihrer Nachwuchswerbung sowie Öffentlichkeitsarbeit zwar kritisch gegenüber – doch das hat Hand und Fuß.

Veranstaltungen in Karlsruhe und Jena

Weiter geht’s! Am kommenden Sonntag – 22. Mai – werde ich auf der Fachtagung „Schulfrei für die Bundeswehr – Friedenserziehung stärken!“ in Karlsruhe einen Vortrag (+ Diskussion) im Plenum halten und anschließend noch einen Workshop leiten (Flyer). Am Abend des 26. Mai kann man mich dann im thüringischen Jena bei einem Vortrag (+ Diskussion) über die Aktivitäten der Bundeswehr an Schulen und Universitäten hören und sehen.

Die Bundeswehr-Rekrutierungsversuche werden zunehmend auch von den „großen“ Medien aufgegriffen. Spiegel-Online hat vor wenigen Tagen einen Artikel samt Video dazu veröffentlicht – darin stand zwar nicht wirklich etwas Neues, aber ich wurde – welch Ehre – im Artikel als „militärkritische[r] Autor und Blogger“ zitiert. Lustige Sache ;-)

Militainment.info

Die Image- und Rekrutierungsarbeit der Bundeswehr an Schulen ist ein spannendes und – sicher auch aufgrund der aktuellen Wehrreform – sehr nachgefragtes Thema. Ich habe bereits viel darüber geschrieben, viele Vorträge dazu gehalten und werde mich auch in Zukunft weiter mit „Soldaten im Klassenzimmer“ beschäftigen. Dennoch gibt es auch andere spannende Bereiche militärischer Öffentlichkeitsarbeit: zum Beispiel „Militainment“, ein aus den Wörtern „Militär“ und „Entertainment“ zusammengesetzter Begriff.
Kriegsfilme und militärische Videospiele gehören heute zur Massenkultur und führen zu einer Banalisierung des Militärischen im Zivilen. Die mit Abstand meisten in Deutschland veröffentlichten Militainment-Produktionen kommen – wie nicht anders zu erwarten – aus den USA. Doch auch die Bundeswehr ist zunehmend Akteur in Unterhaltungsproduktionen und unterstützt beispielsweise immer mehr Filmproduktionen. Seit Anfang Mai werfe ich auf der Website www.militainment.info einen kritischen Blick auf die Darstellung des Militärs in Kino, Fernsehen und Videospiel.

Jeden Mittwoch soll es auf der Seite einen neuen Beitrag – einen Artikel, ein Interview oder eine Rezension – geben. Zudem soll es zwischendurch auch Hinweise auf andere interessante Texte, Videos, etc. zum Thema geben. Im Kommentar-Bereich der Texte ist Platz für Diskussionen – über die bisher erschienenen zwei Artikel wird bereits kontrovers diskutiert (hier und hier).
Wie sich Militainment.info entwickeln wird – bisher mache ich das Projekt allein –, wird die Zeit zeigen. Momentan bin ich aber sehr motiviert ;-)

Friedenspreis für die Informationsstelle Militarisierung

Die „Informationsstelle Militarisierung e.V.“, bei der ich im Beirat sitze, ist Trägerin des Aachener Friedenspreises 2011! Auch wenn ich nur im Beirat und nicht etwa im Vorstand der IMI bin und in meinem Leben auch erst zwei Mal in Tübingen, wo die Nichtregierungsorganisation ihren Sitz hat, war, freue ich mich mit meiner Handvoll Analysen und Studien auch einen klitzekleine Beitrag zum jetzigen Preisgewinn beigetragen zu haben. Hier gibt es die offizielle Pressemitteilung der IMI zu der Auszeichnung zu lesen und hier noch einige Erklärungen des „Aachener Friedenspreis e. V.“. Der Preis wird dann am 1. September 2011 verliehen.

Nachspiel in Trier

Meine Vortrags- und Diskussions-Veranstaltung am 2. März im „Kultur- & Kommunikationszentrum“ Tuchfabrik (Tufa) in der schönen Stadt Trier hat ein Nachspiel (und auch schon im Vorfeld rumorte es): Bernhard Kaster, CDU-Kreisvorsitzender und Bundestagsmitglied, stört sich daran, dass seine Partei keine Veranstaltung in der Tufa durchführen, meine von der AG Frieden Trier organisierte Veranstaltung aber stattfinden durfte. Veranstaltungen von Parteien sind (gerade kurz vor den Landtagswahlen) in der Tufa unerwünscht – die AG Frieden Trier ist keine Parteiorganisation und ich gehöre auch keiner Partei an. Genauer nachzulesen ist der Streit auf der Website der Tageszeitung „Trierischer Volksfreund“.
Bernhard Kaster erklärte in der Lokalzeitung, der teilweise von der Stadt finanzierten Tufa „nichts Böses“ zu wollen und wird dann mit folgenden Worten zitiert: „Doch es kann nicht sein, dass dort einseitige politische Veranstaltungen stattfinden.“ Natürlich habe ich – wie jeder Mensch – eigene politische Ansichten, die sich auch in dem, was ich sage, wiederfinden. Konkret hat Herr Kaster anscheinend Angst, dass ich bei meinen Veranstaltungen – zumindest bei der in Trier – für eine politische Partei geworben bzw. sie empfohlen hätte. Das habe ich aber nicht und kommt für mich auch nicht in Frage. Mir geht es bei meinen Veranstaltungen darum, das Thema – in diesem Fall „Bundeswehr an Schulen“ – zu vermitteln. Dies kann nur überparteilich geschehen. Wer meine persönlichen Ansichten dabei nicht teilt, kann mit mir gern diskutieren. In Trier wurde nach meinem Vortrag rund eine Stunde lang diskutiert, Herr Kaster war leider nicht anwesend.
Dabei bin ich sogar sehr neugierig, was Herr Kaster zum Thema „Bundeswehr an Schulen“ zu sagen gehabt hätte. Denn in Schulen finden einseitige politische Veranstaltungen statt. Die Bundeswehr versucht dort, neuen Nachwuchs für den Dienst an der Waffe zu gewinnen und sie vom Sinn und Zweck der Armee und ihrer Auslandseinsätze zu überzeugen. Bei den Vortragsveranstaltungen der Militärs herrscht sogar Anwesenheitspflicht für die Schülerinnen und Schüler. Um den Jugendoffizieren – jungen, rhetorisch-didaktisch geschulten Soldaten – den Zugang in die Klassenzimmer zu sichern, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Kooperationsvereinbarungen zwischen der Bundeswehr und dem jeweiligen Landesschulministerium initiiert. Warum die Jugendoffiziere sogar dazu verpflichtet sind, nur einseitig (im Sinne von Armee und parteigeführtem Verteidigungsministerium) zu informieren, habe ich unter anderem hier deutlich gemacht.

Bilanz meines Journalismus

Ein Jahr geht zu Ende, überall im Fernsehen laufen Jahresrückblicke und dieser Blog feiert seinen dritten Geburtstag. Grund genug, einmal das eigene journalistische Tun der letzten Jahre zu reflektieren.
Zunächst zum quantitativen Teil: angefangen journalistische Texte zu schreiben habe ich 2005/2006. Damals wurde ich nach einem Leserbrief in der jungenWelt von einem Redakteur des kleinen Schweizer-Politblogs „Nachrichten heute“ (damals noch „Journalismus – Nachrichten von heute“) angefragt, ob ich nicht etwas für sie schreiben wolle. So begann ich, die ersten Texte für den Blog zu verfassen – die Redakteure verbesserten meine Artikel und gaben Hilfestellungen und Tipps (quasi eine kleine journalistische Ausbildung).
2007 war ich gleich bei der ersten Ausgabe der neu gegründeten Jugendzeitung utopia mit einem Artikel vertreten. Seitdem bin ich auch Teil der Redaktion – mittlerweile gibt es 17 Ausgaben der utopia und trotz einiger Schwierigkeiten (dazu später ausführlicher) lebt das Projekt noch heute und wird auch in Zukunft fortgeführt.
Am 26. Dezember 2007 startete dieser Blog – so waren die damaligen Weihnachtsfeiertage doch zu etwas nutze. Seit dem Start des Blogs lässt sich meine Vierte-Gewalt leichter mitverfolgen. So habe ich etwa 2008 42 Artikel und 7 Interviews veröffentlicht – mit eingerechnet sind einige nicht online erschienene Texte. 2009 waren es 64 Artikel und 16 Interviews und in diesem Jahr 53 Artikel und 18 Interviews. Die Zahlen sagen natürlich nichts über die Länge und Qualität der Texte und Gespräche aus. Zur qualitativen Bewertung daher nun meine Tops, Flops und was es in den letzten Jahren noch so gab.

Tops
Bereits ab Ende 2006 berichtete ich über Uranmülltransporte von der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau nach Russland.


Uranmülltransport im April 2008 im Hauptbahnhof von Münster

Offiziell sollte das Uran in Sibirien wiederangereichert und zurück nach Deutschland geschickt werden – dies geschah mit dem Großteil des deutschen Uranmülls aber nicht. Eigentlich ging es der Betreiberfirma der Anreicherungsanlage, der Urenco (u.a. im Besitz von RWE und E.on), wohl nur darum den strahlenden Müll preiswert weit weg vom eigenen Standort entsorgen zu können. Mit der Zeit berichteten immer mehr Journalisten – in einflussreicheren Medien – über die Transporte. Sogar das ZDF-Polit-Magazin Frontal 21 hatte dazu im Juni 2007 einen Beitrag. Mittlerweile sind die Uranmülltransporte nach Russland eingestellt – der öffentliche Druck auf Urenco war wohl zu groß, zudem liefen wichtige Verträge mit Russland aus und wurden auch nicht mehr verlängert.
Auf lokaler Ebene hat mein Artikel „Zweifelhafte Helden“ im Semesterspiel – der Zeitung der Studierenden der Uni Münster in deren Redaktion ich einige Monate gearbeitet habe – etwas (mit) in Gang gebracht. Der im Sommer 2008 erschienen Artikel handelt von den zweifelhaften Kriegsdenkmälern in Münster und dem Völkermord deutscher Kolonialtruppen am Volk der Herero. Nach dem Artikel gründete sich eine Arbeitsgruppe die eine Umwidmung des so genannten Herero-Denkmals am Ludgeri-Kreisel in Münster zum Ziel hat. Dazu wurden bereits Anträge im Stadtrat gestellt – die Diskussion läuft.
Ebenfalls 2008 fing ich an, vermehrt über die Werbemaßnahmen der Bundeswehr zu schreiben. Damit beschäftige ich mich noch heute – im Oktober 2010 ist mein Buch „An der Heimatfront – Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ zu dem Thema erschienen.


„Bw-Olympix“ in der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf im Mai 2008

In den letzten Jahren habe ich viele der Werbemaßnahmen aufgedeckt. Neben schon bekannten Arten der Armee-Werbung, die ich genauer ausgeleuchtet habe, konnte ich dabei auch ganz neue Bereiche und Zusammenhänge aufdecken.
Anfang 2009 erschien meine Studie „Die Bundeswehr im Kampf an der Heimatfront“ bei der Informationsstelle Militarisierung e.V. (IMI) – einer NGO aus Tübingen. Außerdem veröffentlichte ich 2009 einen Artikel über die enormen Armee-Werbemaßnahmen zum „Girls‘ Day“, die Anwerbung von Kindern und Jugendlichen mit Militärmusik und die Problematik der Vereinbarkeit von Kinderrechten und Werbung für den Dienst an der Waffe. Besonders letzteres hat etwas bewirkt: die Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“ beschäftigt sich mittlerweile intensiv mit dem Thema und drängt Bundesregierung und Armee dazu, die Rekrutierung von unter 18-Jährigen für das Militär endlich einzustellen.
Ein weiteres Highlight des Jahres 2009 war die Berichterstattung von der „Linken Medienakademie“ (LiMA) in Berlin gemeinsam mit Felix Werdermann. In fünf Tagen posteten wir 25 Artikel und 44 Fotos über die Seminare und Vorträge auf der LiMA. Unsere Berichte wurden später zusammengefasst und erschienen im Buch zur Akademie.
Das Jahr 2010 begann mit der Veröffentlichung meiner für dieses spezielle Thema recht weit verbreiteten IMI-Studie „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“. Auf die Studie folgten zahlreiche Einladungen zu Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen. In den Jahren zuvor wurde ich nur für eine Handvoll Veranstaltungen als Referent eingeladen – 2010 waren es immerhin schon 14 Veranstaltungen von Neumünster bis München, von Berlin bis Köln.
Im Oktober 2010 erschien mein Buch „An der Heimatfront“, was nochmals zu einem Schwung von Veranstaltungs-Anfragen führte. Zwar gibt es bisher nur zwei Rezensionen des Buchs (die sehr positiv sind), dennoch hat die Veröffentlichung bisher eher kleine Kreise gezogen.


Mein Buch auf der Frankfurter-Buchmesse 2010

Andererseits rückt das Thema „Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ merklich zunehmend in den Fokus der „großen“ Medien. Ich habe in den letzten Monaten allein dem Bayerischen Rundfunk drei Hörfunk-Interviews gegeben, dem WDR ein Live-Radio-Interview und habe auch per Mail viele Fragen anderer Journalisten zum Thema beantwortet. Gerade die durch Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulministerien einiger Bundesländer und der Bundeswehr seit 2008 institutionalisierten Einsätze von Jugendoffizieren in Schulen sind ein brisantes, umstrittenes und bei Medien immer nachgefragteres Thema – und ich befasse mich damit schon seit Jahren intensiv.

Zwischen Tops und Flops
Wenn ich meine Texte an eine Redaktion schicke, packe ich auch gern noch einige passende Fotos dazu. Ob es auch veröffentlicht wird, ist dabei immer das große Fragezeichen: viele Redaktionen haben bei Agenturen eine Art „Foto-Flatrate“ und nehmen meine Fotos – für die sie dann Honorar zahlen müssen – nur, wenn sie kein Passendes in den Archiven der Agenturen finden. So konnte ich in den letzten Jahren zwar hier und da Fotos veröffentlichen, wirklich rechnen tut es sicher aber (bislang) nicht. Dennoch ist es erfreulich, einige gute aber finanzschwache Projekte mit (kostenlosen) Fotos unterstützen zu können und seinen Namen unter den Bildern zu sehen: Beispielsweise fotografiere ich seit einiger Zeit vermehrt für klimaretter.info – ein unabhängiges Medien-Projekt über Umweltschutz und Klimawandel.
Auch die Bilanz der Jugendzeitung utopia fällt durchwachsen aus. Das Projekt startete im Sommer/Herbst 2007 – seitdem bin ich in der Redaktion aktiv (und dort mittlerweile auch der langjährigste „Mitarbeiter“). Die erste Ausgabe der libertären Zeitung für Jugendliche hatte eine Auflage von 10.000 Exemplaren. Die Zeitung lag damals – und liegt noch heute – der Monatszeitung Graswurzelrevolution in voller Auflagenhöhe (etwa 3.500 – 4.000 Exemplare) bei und wird außerdem an Schulen, Universitäten, in Jugendtreffs oder bei politischen Veranstaltungen und Demonstrationen verteilt. Die utopia wurde uns von Anfang an förmlich aus den Händen gerissen und so steigerten wir die Auflage nach und nach bis auf eine Höhe von 25.000 Zeitungen. Zudem wurde der Erscheinungsrhythmus geändert: war die utopia Anfangs eine Quartalszeitung mit vier Seiten kam sie nach der dritten Ausgabe im Februar 2008 schon alle zwei Monate heraus. Ab der 15. Ausgabe (Frühjahr 2010) entschied das Redaktionskollektiv wiederrum nur jedes Quartal zu erscheinen, dafür aber mit acht statt nur vier Seiten. Die wachsende Popularität der utopia hatte aber auch ihre Schattenseiten: zwar wird die gesamte Arbeit rund um das Zeitungsprojekt ehrenamtlich gemacht, aber die Kosten für Druck und Vertrieb (besonders die Portokosten) stiegen. So konnte die Jugendzeitung „für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft“ bis vor kurzem vollkommen kostenfrei abonniert werden. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden und Anzeigen in der Zeitung – die Kosten für einige der letzten Ausgaben konnten leider nicht mehr gedeckt werden. Nun gibt es ein Defizit von einigen tausend Euro.
Ein weiteres Problem war, dass die Redaktion zu klein war. Nur noch eine Hand voll Leute kümmerte sich um das Zeitungsprojekt. Neue Leute – hierfür bin ich leider mitverantwortlich – wurden nur mangelhaft in die Redaktion eingebunden und ihnen fehlte der Überblick um sich richtig ins Projekt einzubringen. Mitte Dezember gab es deshalb einen Neuanfang bei der utopia. Zum einen müssen von den Abonnenten nun die Portokosten getragen werden um die entstehenden Kosten zu decken, zum anderen gab es Mitte Dezember ein zweitägiges Treffen in Bochum zu dem erfreulich viele junge Leute gekommen sind, die Lust haben bei der utopia mitzuarbeiten. Das Treffen vermittelte auch Grundlagen, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir sowohl finanziell als auch innerhalb des Redaktionsteams wieder auf einen Grünen-Zweig gelangen.

Flops
Nicht alles lief gut in den vergangenen Jahren. So ärgere ich mich immer wieder darüber einige Themen zu sehr schleifen gelassen zu haben: so berichtete ich beispielsweise im Dezember 2009 für Telepolis über neue Atommülltransporte ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus – als es dann einige Monate später spannend wurde, schrieb ich aber nichts mehr. Obwohl ich die Kontakte hatte, berichtete ich nur wenig über den geplanten (und mittlerweile nach einigem Hin und Her von der Politik abgesagten) Atommülltransport von Ahaus ins russische Majak. Vor allem die Spezialisierung auf „Bundeswehr-Themen“ hat wohl dazu geführt, dass einige andere wichtige Themen liegen geblieben sind. Eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema ist im Journalismus heutzutage sicherlich nötig und nützlich, doch sollte man sich wohl besser auch Grenzen setzen und auch andere wichtige Themen im Blick behalten.
Ernsthafte Probleme bei der Berichterstattung machten mir 2010 die Feldjäger bei einer Militärzeremonie der Bundeswehr in Münster. Trotz offizieller Akkreditierung wurde mir der Zutritt zur Veranstaltung doch verweigert – später wurde ich nicht einmal mehr vor die Absperrungen der Armee-Zeremonie gelassen.


Polizei und Feldjäger verhinderten eine vernünftige Berichterstattung während einer Militärzeremonie im Juni 2010 in Münster

Da ich schon des Öfteren sehr kritisch über die Bundeswehr (am Standort Münster) berichtet habe, ist es nicht verwunderlich, dass die Militärpolizei mich nicht gern bei ihren Veranstaltungen sieht. Dennoch hat die Bundeswehr – gerade da sie eine staatliche Institution ist – kein Recht, kritische Journalisten von ihren Veranstaltungen auszuschließen und die Berichterstattung so zu behindern. Obwohl ich die „Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union“ einschaltete und die Gewerkschaft bei der Armee protestierte, gab es weder eine Entschuldigung noch eine andere Reaktion seitens der Bundeswehr. Mit solchen Aktionen zeigt das Militär deutlich, wie viel ihr an Demokratie und Pressefreiheit liegt.
Ärgerlich waren ebenfalls die Vorgänge rund um das Söldnerunternehmen „Asgaard – German Security Group“. Das Unternehmen ist in der 19.000-Einwohner Stadt Telgte nahe Münster beheimatet – obwohl ich aus demselben Ort stamme (aber nicht mehr so oft dort bin) habe ich erst aus der Tagesschau (dabei beschäftige ich mich ja sogar mit Militär-Themen) von der Existenz des Unternehmens erfahren. Immerhin konnte ich in meinen Artikeln über Asgaard noch die ein oder andere exklusive Information unterbringen – dennoch wäre es weitaus besser gewesen, das Thema überhaupt erst öffentlich zu machen. Ich sollte demnächst genauer hinsehen und auch auf mögliche spannende Themen „vor der eigenen Haustür“ achten.
Allerdings: selbst wenn ich schon frühzeitig über die Machenschaften der Söldnerfirma (Asgaard hatte einen Vertrag mit einem dubiosen somalischen Politiker abgeschlossen und wollte Söldner in das afrikanische Land schicken) berichtet hätte, wäre ich wohl nicht weit gekommen bzw. hätte ich nicht viele Menschen erreicht. In diesem Land kann man zwar fast alles offen sagen, doch wer hört einem zu? Momentan schreibe ich zwar für inhaltlich sehr gute Medien, deren Reichweite und Gewichtung für größere gesellschaftliche und politische Diskussionen ist aber sehr begrenzt. So verhielt es sich auch bei der Berichterstattung über die schon erwähnten Uranmülltransporte von Gronau nach Russland. Meine Artikel – damals noch beim kleinen Schweizer-Blog „Nachrichten heuten“ – wurden nur rund 2.000-Mal gelesen. Die Transporte wurden erst zum Politikum als „Frontal 21“ später darüber berichtete. Es ist eine Sache einen gut recherchierten Artikel zu schreiben, eine ganz Andere ist es ihn auch zu verbreiten. Daran muss ich dringend arbeiten – beispielsweise veröffentlichte Artikel über Online-Dienste wie Twitter oder Facebook verbreiten.
Verbesserungsbedarf gibt es auch dort, wo es schwierig wird zu berichten. Eigentlich bin ich sehr hartnäckig was die Recherche angeht. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: nicht wenige Pressestellen (sowohl von Unternehmen als auch von staatlichen Institutionen) weichen kritischen Fragen gerne aus oder stellen sich taub. Meist stachelt mich so etwas an und ich bestehe erst Recht darauf, endlich ehrliche Antworten zu bekommen. In seltenen Fällen verlaufen solche Recherchen aber auch im Sande. Ein Beispiel hierfür möchte ich geben: Laut einem Schreiben des Forschungszentrums Jülich (dort steht ein stillgelegter Atom-Forschungsreaktor) vom Januar 2010 sollen in einigen Monaten „ca. 300.000“ (die Zahl und das „ca.“ stammen aus dem Bericht) abgebrannte Kugelbrennelemente in speziellen Castor-Behältern ins Atomzwischenlager Ahaus gebracht werden. Aus dem Schreiben geht hervor, dass maximal 1.900 Kugelbrennelemente in einen Castor-Behälter passen – es würden also 157,8 sprich 158 Castor-Behälter benötigt. Es sollen aber offiziell nur 152 Castor-Behälter nach Ahaus gebracht werden (darin würden nur 288.000 Kugelbrennelemente Platz finden). Wie viel Kugelbrennelemente sind es also genau – was bedeutet das „ca.“ aus dem Schreiben des Forschungszentrums?


Eingang des Forschungszentrums Jülich im Januar 2010

Ein ehemalige Sicherheitsexperte beim Institut für Sicherheitsforschung und Reaktortechnik des Forschungszentrums Jülich – mittlerweile Kritiker des dortigen Atomprojekts – gab mir gegenüber eine Zahl von 293.000 Kugelbrennelementen an. Auch diese würden in nur 152 Castoren keinen Platz finden. Fahren also wirklich nur 152 Castor-Behälter nach Ahaus oder sollen später weitere Transporte folgen? Was ist mit den restlichen Kugeln? Eine Sache der einmal genauer nachgegangen werden sollte. Ich habe vor etwa einem Jahr den Anfang gemacht, dann ging mir aber die Puste aus da die an den Transporten beteiligten Firmen sehr auskunftsarm waren (mir u.a. die genaue Zahl der zu transportierenden Brennelementekugeln nicht nennen wollten) und mir auch die Zeit für weitere Recherchen fehlte. Einen Artikel habe ich bisher nicht darüber geschrieben, da es mir bisher eine zu unsichere Faktenlage und zu viel Spekulation ist. Dies ist nur ein Beispiel für Recherchen von spannenden Themen die bisher aber zu keinem Ergebnis geführt haben und bei denen ich auch nicht wirklich die Motivation besitze, weiter zu recherchieren (fehlende Zeit spielt dabei natürlich auch immer eine Rolle). Daran muss ich arbeiten – und noch ehrgeiziger werden.

Den bisher wenigen Leserinnen und Lesern dieses Blogs einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Michi

Zum Vorfall während der Militärzeremonie in Münster am 30. Juni 2010

Wie ich schon in den heutigen Ausgaben der Tageszeitungen jungeWelt und NeuesDeutschland kurz geschrieben habe, hatten während der Militärzeremonie am vergangenen Mittwoch vor dem Schloß in Münster nicht nur die Gegendemonstrantinnen und Demonstranten mit massiver Repression zu kämpfen sondern auch ich. Was ist genau geschehen?
Am 28. Juni habe ich in einer E-Mail an die Presseabteilung des Lufttransportkommandos in Münster um Akkreditierung für die Serenade der Einheit am 30. Juni gebeten – eine Kopie meines Presseausweises hatte ich angehängt. Bereits einige Stunden später wurde mir von der Bundeswehr mitgeteilt, dass der Besucherbereich der Veranstaltung öffentlich zugänglich sei und durch mich für Fotoaufnahmen genutzt werden könne. Zur Sicherheit druckte ich die beiden E-Mails aus.
Wie andere Journalisten auch, reihte ich mich am Mittwochabend in die Schlange vor die Einlasskontrolle der Feldjäger vor dem Schloß ein – immerhin ging aus der Akkreditierung nicht hervor, dass sie abgelehnt wurde. „Ach Sie schon wieder“, empfing mich ein Feldjäger am Eingang. Sie machten mir klar mich – trotz Vorzeigens der E-Mails und des Presseausweises – nicht wie die anderen Journalisten in den abgesperrten Bereich lassen zu wollen. Man habe den Befehl mich aufzuhalten. Gründe wollten die Feldjäger am Mittwoch nicht nennen. Auch ihre Namen oder ihre Einheit wollten mir die Soldaten nicht verraten. Mit dem Vorgesetzten durfte ich nicht sprechen und auch ein Gespräch mit dem Sprecher des Lufttransportkommandos, der mich akkreditiert hatte, wurde mir verwehrt. Der Sprecher habe keine Zeit, sei beschäftigt und das Funkgerät das einer der Soldaten mit sich trug (angeblich) kaputt, so dass man den Sprecher auch nicht anfunken könne.
Dass die Feldjäger mich namentlich kannten verdutzte mich. Scheinbar waren es dieselben wie bei einem Gelöbnis im Mai 2009 in Rheine, nördlich von Münster. Damals wurde mir nach kurzer Zeit ebenfalls der Zutritt zur öffentlichen Bundeswehr-Veranstaltung in der Innenstadt verwehrt. Begründung damals: ich wäre nicht akkreditiert – was auch stimmte da mir nicht bewusst war, dass man sich für eine öffentliche Veranstaltung in der Innenstadt akkreditieren hätte lassen müssen. Den eigentlichen Grund für die Schikane in Rheine erfuhr ich nach langer Diskussion mit einem Feldjäger: Sie wüssten, dass ich Kontakt zur ClownsArmy und Militärgegnern hätte. Dies ist korrekt und ich mache daraus kein Geheimnis – doch sind Kontakte zu Antimilitaristen für Journalisten verboten? Wenn es nach der Bundeswehr geht scheinbar schon.
In Münster ging die Schikane weiter. Nachdem ich abgewiesen wurde und alle Argumente nichts nutzten, versuchte ich einige Fotos aus dem öffentlichen Besucherbereich zu schießen, in dem sich rund 50 Bürgerinnen und Bürger vor den Absperrgittern aufhielten. Da es schon zu dunkel war verwackelten die Fotos leider. Daher ging ich los um mein vorher in der Nähe platziertes Stativ zu holen. Dazu durchschritt ich das Spalier aus Polizei und Feldjägern, die die rund 250 Demonstrantinnen und Demonstranten in rund 100 Metern Entfernung zur Militärzeremonie auf Abstand hielten. Als ich mich dann wieder mit meinem schweren Stativ in Richtung öffentlicher Besucherbereich begeben wollte, hielten mich die Feldjäger am Spalier auf. Auch hier nützten weder ausgedruckte E-Mails noch Presseausweis etwas. Für diesen Vorfall habe ich mehrere Zeugen. Nicht nur, dass ich nicht wie die anderen Journalisten in den Abgesperrten Bereich der Militärzeremonie kam, nun durfte ich nicht einmal mehr in den „öffentlichen“ Besucherbereich. Auch hier half eine sachliche Diskussion nicht. Selbst mein Vorschlag, die Feldjäger könnten mich bei meiner Arbeit begleiten, wurde ausgeschlagen.

Demonstranten verhaftet, Pressearbeit behindert: die Bundeswehr Serenade am 30. Juni 2010 in Münster.

Eine Szene, beispielhaft für die Militärzeremonie am Mittwochabend: ein Demonstrant wird weggetragen und die Arbeit der Presse behindert.

Kritische Presse mag die Bundeswehr nicht. Ich habe bereits im Vorfeld der Zeremonie in zwei Artikeln über den geplanten Gegenprotest am 30. Juni berichtet. Dennoch muss die Bundeswehr – gerade als staatliche Institution – auch kritischen Journalisten ermöglichen über sie und ihre Tätigkeit zu berichten. Eine Ungleichbehandlung von Journalisten, wie am Mittwochabend geschehen, darf es nicht geben.
Dass nach dem Protest (scheinbar) ein beteiligter Soldat unter meinem Namen einen pöbelhaften Kommentar auf der Website der Münsteraner Kriegsgegner gepostet hat, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Neue Studie zur Militarisierung der Schulen

Gestern ist meine neue Studie „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“ bei der Informationsstelle Militarisierung erschienen. Das Thema ist brandaktuell, erst im Dezember wurde eine weitere Kooperationsvereinbarung – die bundesweit dritte seit Oktober 2008 – zwischen einem Landesschulministerium und der Bundeswehr unterzeichnet. Diesmal in Baden-Württemberg. Die Armee wirbt immer intensiver. Auch auf der anderen Seite tut sich was: am 23. Januar wird es in Freiburg die bundesweit erste Demonstration gegen eine Kooperationsvereinbarung zwischen Schule und Bundeswehr geben. Gründe genug für diese neue Studie.

IMI Studie 2010/02 – „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“