Archiv der Kategorie 'Artikel'

Auf dem Rüstungspfad

erschienen auf der Website der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 29. März 2017

Integration – Die EU will mehr gemeinsame Rüstungsvorhaben umsetzen, aber die Erfolgsbilanz bisheriger Projekte ist sehr bescheiden

„Europa kann es sich nicht mehr leisten, sich auf die militärische Macht anderer zu verlassen. Wir müssen für den Schutz unserer Interessen und die europäische Lebensweise selbst Verantwortung übernehmen. Nur durch gemeinschaftliche Zusammenarbeit kann sich Europa zu Hause und im Ausland verteidigen.“ Mit diesen markigen Sätzen stieß Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, im September 2016 die Debatte um eine Aufrüstung der EU an – nur wenige Monate nach dem Brexit-Votum, aber noch vor der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten.

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Virtuelle Welten, reale Kriege

erschienen in der Tageszeitung jungeWelt (www.jungewelt.de) am 16. März 2017

Der militärisch-unterhaltungsindustrielle Komplex ist ein unauffälliger, aber einflussreicher Akteur in sicherheitspolitischen Debatten. Unternehmen aus der Videospielbranche und der Rüstungsindustrie sind teilweise eng miteinander verflochten

Köln im Mai 2014, Anzugträger und Menschen in Uniformen drängen sich durch die Messehallen der Stadt. Das »Who is who« der Rüstungsindustrie stellt dort seine neuesten Simulatoren für das Militär vor: »Thyssen-Krupp Marine Systems« präsentiert sein »Virtual Ship Training and Information System«, einen Simulator zur Schulung von Schiffsbesatzungen, »Rheinmetall Defence« präsentiert einen Simulator für den »Leopard 2A4«-Kampfpanzer und »Airbus Defence & Space« eine Kommandostation, um Drohnen zu steuern. Die »Internationale Ausstellung und Konferenz für Training und Ausbildung im Verteidigungssektor«, kurz ITEC, ist die weltweit größte Messe für militärische Trainingssimulatoren – nach Köln wird die Messe jedoch nicht noch mal kommen, aber dazu später mehr.

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Ein Trauma-Job

erschienen auf der Website der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 1. März 2017

Bundeswehr – Bei der Werbung um den Soldatennachwuchs werden Risiken einfach ausgeklammert

Gewaltrituale, Erniedrigungen, sexuelle Nötigung: Ein neuer Skandal prägt das Bild der Bundeswehr. In der Staufer-Kaserne im baden-württembergischen Pfullendorf soll es zu zahlreichen Übergriffen von Vorgesetzen auf junge Soldatinnen und Soldaten gekommen sein. Kurz bevor das bekannt wurde, veröffentlichte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), seinen Jahresbericht, mit Ergebnissen, die hellhörig stimmen. Die Zahl meldepflichtiger Vorkommnisse in der Bundeswehr wegen des Verdachts auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist 2016 auf 131 gestiegen, im Vorjahr waren es 86 Fälle. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Vor zwei Jahren stellte die Bundeswehr in einer eigenen Studie fest, dass 50 Prozent der Soldatinnen während ihrer Dienstzeit schon mal belästigt wurden.

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Bundeswehr: Der neue Werbefeldzug

erschienen als „IMI-Studie 2017/01″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

Analyse der „Mach, was wirklich zählt“-Kampagne und der YouTube-Doku-Serie „Die Rekruten“

Die „Mach, was wirklich zählt“-Kampagne der Bundeswehr und die YouTube-Serie „Die Rekruten“ setzen seit November 2015 sowohl quantitativ als auch qualitativ neue Maßstäbe bei der Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit der Armee.

Die Auswertung dieser Kampagnen zeigt, dass sie für die Öffentlichkeitsarbeit und zur Nachwuchswerbung ein fahrlässig verzerrtes Bild von der Bundeswehr zeichnen. Die Armee präsentiert sich jungen Leuten als Abenteuerspielplatz mit dem Versprechen zur Selbstverwirklichung. Allgemein wird die Bundeswehr in der Öffentlichkeit im Dienst für „das Gute“ in der Welt gezeigt. Gefahren und Probleme des Soldatenberufs sowie die Interessen deutscher Außen- und Militärpolitik werden dabei systematisch ausgeblendet.

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Politische Pixel – virtuelles Säbelrasseln und das Thema „Flucht“ in digitalen Spielen

Unter dem Titel „GAMES AND POLITICS“ hat das „Goethe-Institut“ in Kooperation mit dem „Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe“ eine interaktive Ausstellung konzipiert. Diese ist vom 16. November 2016 bis zum 15. Januar 2017 bei den verschiedenen Partnern der „Goethe-Institute“ weltweit zu sehen – u.a. in Mexiko. Neben Christian Huberts und Nina Kiel durfte auch ich einen Beitrag zum deutsch- und englisch-sprachigen Ausstellungskatalog beisteuern.

In meinem Text geht es um reale politische Auseinandersetzungen aufgrund von Videospielen: Beispielsweise sorgten einige anti-iranische Videospiele von westlichen Herstellern für Proteste in der islamischen Republik, die daraufhin „Gegenspiele“ entwickeln ließ. Auch in China gab es schon Verbote westlicher Spiele, da sich das Land von den Inhalten der Spiele kulturell-angegriffen fühlte. Neben dieser vor allem von Kriegs-Videospielen ausgelösten Problematik, geht es in meinem Text auch noch um die Darstellung von „Flucht“ in virtuellen Spielen – als interaktives Medium könnten Videospiele einen großen Beitrag zum „Verstehen“ von Flucht leisten, tun dies heute aber leider kaum. Einige der Themen im Text habe ich auch schon in Videos auf meinem YouTube-Kanal angesprochen.

Existenzielle Probleme

erschienen auf der Website der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 12. Oktober 2016

Technisch lassen sich Nuklearsprengköpfe recht leicht vernichten – es braucht nur den politischen Willen

Die Erde hat gebebt auf der koreanischen Halbinsel. Am 9. September testete Nordkorea seine fünfte Atombombe und die Welt horchte auf. Laut nordkoreanischen Staatsmedien war der Test „erfolgreich“. Südkorea berief seinen Nationalen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung ein – die Spannung steigt. Und auch im fernen Europa wurde die bei vielen Menschen in Vergessenheit geratene Gefahr für den Weltfrieden von Atomwaffen kurz ins Gedächtnis gerufen.
Ungefähr 15.400 Atomsprengköpfe sollen die neun offiziellen und inoffiziellen Atommächte besitzen. Die meisten gehören Russland (7.290) oder den USA (7.000), die restlichen befinden sich in den Händen von Frankreich (300), China (260), Vereinigtes Königreich (220), Pakistan (120), Indien (110), Israel (80) und Nordkorea (10). Viele der Waffen sind auf Raketen montiert und können auch heute noch innerhalb weniger Minuten startklar gemacht werden. Und es wird weiter aufgerüstet. Gerade hat US-Verteidigungsminister Ashton Carter angekündigt, in den kommenden fünf Jahren 108 Milliarden Dollar für das US-Nuklearwaffenarsenal auszugeben.

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Waffenminister Gabriel

erschienen auf der Website der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 7. Juli 2016

Die Genehmigungen für Rüstungsausfuhren haben sich 2015 nahezu verdoppelt. Sigmar Gabriel schiebt die Schuld auf die Vorgängerregierung, doch das ist verlogen

Gerne inszeniert sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel als Kritiker von Rüstungsexporten. Doch die Fakten sprechen dagegen. 7,86 Milliarden Euro sind die Ausfuhrgenehmigungen wert, die 2015 erteilt wurden, im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Volumen damit nahezu verdoppelt. Der SPD-Minister wehrt sich gegen Kritik. Hinter dem Anstieg steckten vor allem Lieferzusagen der schwarz-gelben Vorgängerregierung. „Die kann ich leider nicht zurücknehmen.“ Dem Export von 62 Leopard-Kampfpanzern nach Katar beispielsweise hätte er selbst nie zugestimmt, versichert er. Tatsächlich wurde dieses Geschäft bereits 2013 von Schwarz-Gelb genehmigt. Doch machtlos ist Gabriel deswegen noch lange nicht.

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Die Rekrutierungsstrategie des „Galaktischen Imperiums“

erschienen als „IMI-Standpunkt 2015/045″ auf der Website der Informationsstelle Militarisierung (www.imi-online.de)

- Skrupellose Nachwuchswerbung -

Nach dem Untergang der Republik und dem Aufstieg des Galaktischen Imperiums hatten die neuen Machthaber unter ihrem Anführer Sheev Palpatines bzw. Darth Sidious Zugriff auf eine enorme Armee aus Klonkriegern. Diese waren den Droiden aufgrund ihres kreativen Denkens überlegen, der schnelle Aufbau und die hohen Anforderungen der enorm schlagkräftigen Klon-Armee machte aber den Einsatz wachstumssteigernder Mittel unabdingbar. So war die Armee zwar schnell einsatzbereit, ihr zeitlicher Verfall ist aber absehbar. Zudem konnte die nicht ideologisch gefestigten Klone leicht „missbraucht“ werden. Um Kosten zu sparen – die Kaminoaner verlangen für die Klone Unsummen – und die Personaldecke vor allem auf der Führungsebene zu sichern, muss das Galaktische Imperium seit einiger Zeit vermehrt Nachwuchs aus der Zivilbevölkerung werben. Zwar ist die Werbekampagne nicht so umfangreich, wie die für andere Armeen, dennoch lohnt sich ein Blick auf die Rekrutierungsstrategie des Imperiums und der massiven Probleme, die es bei der Nachwuchssuche hat.

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Zielgruppe: Kinder

erschienen am 13. Dezember 2015 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Im Spielzeug-Geschäft dominieren zunehmend Original-Marken: Porsche, Miele, Bosch. Damit wollen die Unternehmen schon bei den Jüngsten ein gutes Image aufbauen -

Weihnachten steht vor der Tür und viele Menschen machen sich Gedanken an Geschenke für die Kleinen. Die Auswahl in den Spielzeug-Geschäften kann einen dabei schon mal überwältigen. Was also kaufen? Was ist gut?

Viele Erwachsenen werden die Entscheidung für ein Spielzeug aufgrund eigener Erfahrungen und Vorstellungen treffen – man kauft Altbekanntes. Beispielsweise das, was man schon aus dem eigenen Haushalt kennt. Etwa im Falle von Küchen. Die gibt es auch für Kinder zum Spielen – und vom Backofen über Kühlschrank, Mikrowelle und Kaffeevollautomat bis hin zur ganzen Küchenzeile sogar mit dem Logo der Haushaltsgeräte-Firma Miele versehen.

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Spionagewerkzeug Games: Wie Spieler durchleuchtet werden

Artikel aus der WASD Nr. 8 erschienen als Gastbeitrag beim Standard am 2. Dezember 2015

- Mit Online-Plattformen wie Steam, PSN und XBL lassen sich sensible Informationen über die Nutzer sammeln -

Die US-Millionenmetropole Chicago in der nahen Zukunft: eine blitzblankpolierte Law-and-Order-Stadt. Kein Verkehrschaos, kaum Verbrechen – aber auch null Privatsphäre. Selbst die Wohnzimmer der Einwohner werden vom Staat überwacht, genau wie die Campingplätze, Hinterhöfe, Strände und sogar der Friedhof. Im Open-World-Spiel „Watch Dogs“ stelle ich mich dieser Orwell’schen Totalüberwachung in den Weg, zum Beispiel indem ich Spionagesysteme hacke. Manchmal gehe ich allerdings auch etwas robuster vor, ziehe das Maschinengewehr und räume ein bisschen auf unter den Lakaien der Big-Brother-Schergen.
Doch plötzlich ploppt in der rechten oberen Ecke meines Bildschirms ein kleines schwarzes Rechteck auf: „Aktion beendet – Fataler Fokus +30U“, steht da. Das „U“ steht für Uplay und ist der Name der Internet-Vertriebsplattform des französischen Software-Unternehmens Ubisoft. Irritation statt Immersion – und schon bin raus aus dem dystopischen Chicago.

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