Archiv der Kategorie 'Artikel'

Ein Leben hat die Taste

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 6. Mai 2015

Gaming – In Videospielen wird schnell und nahezu folgenlos gestorben. Nun gibt es eine Gegenbewegung: Permadeath

Tausend kurze Texte zum Thema Tod will die Verlegerin Christiane Frohmann sammeln, schreiben kann, wer will. Über das Internet informierte die Berlinerin über ihr Projekt mit dem Titel Tausend Tode schreiben. Bislang sind 246 Texte zusammengekommen, viele davon persönlich, andere eher wissenschaftlich. Medial wird der Tod fast ausschließlich in Büchern und Filmen betrachtet, was er für Videospiele bedeutet, thematisiert bislang ein einziger Text. Daraus leitet sich eine interessante Frage ab: Woran liegt es, dass Tod im Medium Videospiel scheinbar keine Rolle spielt?

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Den Schuss nicht gehört

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 6. Mai 2015

G36-Skandal – Das Rüstungsunternehmen Heckler & Koch hat ein Problem mit seinen Gewehren – aber nicht nur das. Steht die Firma vor der Pleite?

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat es in den vergangenen Tagen bereits durchblicken lassen, jetzt ist es offiziell: Das G36-Gewehr wird von der Bundeswehr als nur bedingt einsatztauglich angesehen. In warmer Umgebung und bei vermehrter Schussabgabe trifft das Standard-Sturmgewehr der deutschen Armee unpräzise. Für den Hersteller Heckler & Koch sind die Vorwürfe eine Katastrophe, sie könnten gar zur Pleite führen. Doch das G36 ist nicht das einzige Problem des Unternehmens. Möglicherweise hat Heckler & Koch illegal Waffen nach Mexiko exportiert, nun droht ein Gerichtsverfahren. Die Bundesregierung soll dem Unternehmen bereits den Export in weitere Länder verboten haben, aktuell stapeln sich die Waffen in der Fabrik.

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Spur der Falken

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 5. März 2015

Videospiele – Vor 30 Jahren indizierte der Jugendmedienschutz grobe Pixel. Heute ignoriert er seinen eigenen Staatsvertrag

Aus einem Text der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS): „Das Videospiel ‚River Raid‘ ist kriegsverherrlichend und -verharmlosend. [… Der Spieler soll] sich in die Rolle eines kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken […]. Hier findet im Kindesalter eine paramilitärische Ausbildung statt […]. Bei älteren Jugendlichen führt das Bespielen […] zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken […] und Kopfschmerzen.“
Das war ein Teil der Begründung, mit der er am 19. Dezember 1984 das zwei Jahre zuvor durch den US-Hersteller Activision veröffentlichte Spiel River Raid indiziert wurde. Die Behörde muss eine lebendige Fantasie gehabt haben: In dem Spiel für den Atari 2600 musste man mit einem aus nicht mal 30 Pixeln bestehenden Kampfjet feindliche Militärfahrzeuge abschießen, als die die Bildpunktflächen gerade so zu identifizieren waren.

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Der Russe kommt

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 12. März 2015

Bundeswehr – Mehr Geld und mehr Panzer: Die deutsche Armee fällt zurück in die Zeit des Kalten Kriegs

Ausrüstung der Bundeswehr gejammert. Und schon damals war absehbar, worauf die Diskussion hinausläuft. Jetzt hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihr Ziel erreicht: Die deutsche Armee wird künftig mehr Geld bekommen. Zu verdanken hat sie das unter anderem dem Finanzminister Wolfgang Schäuble, der zwar auf einen ausgeglichenen Haushalt pocht, das überschüssige Geld aber zusätzlich in Armee, Polizei und Entwicklungshilfe investieren will. Er begründet das mit einer neuen weltpolitischen Situation. Die zeigt sich auch in der neuen Ausrichtung der Bundeswehr – auf erschreckende Weise.
Bislang sollte das deutsche Militär fit gemacht werden für den internationalen Anti-Terror-Krieg, für Einsätze rund um die Welt. Nun geht es in eine andere Richtung, die allerdings nicht besser ist: Die Bundesregierung will zurück zu einer Armee, die gegen die angebliche Gefahr aus dem Osten gerüstet ist. Schwere Panzer werden auf einmal wieder wichtig, die Armee wird wieder mit viel Geld aufgepumpt, das neue Bundeswehr-Weißbuch soll das Verhältnis zu Russland – bisher offiziell als Partner einer „herausgehobenen Beziehung“ bezeichnet – neu definieren. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die Menschen auf beiden Seiten.

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Meinungsmacher Militär

erschienen am 3. März 2015 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr unter Ursula von der Leyen -

Die deutsche Militärpolitik leidet an zwei Problemen: Ihr fehlt es an Rückhalt in der Bevölkerung und an jungen Leuten in der Bundeswehr. Letzteres scheint sich gerade geändert zu haben. Denn es war ein großer Erfolg, den Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Ende Januar verkündete: Es gebe aktuell rund 11.000 freiwillig Wehrdienstleistende – dies sei laut der Ministerin „der höchste Stand seit Jahren“. Die Tagesschau titelte auf ihrer Website dementsprechend einen Freiwilligenrekord bei der Bundeswehr – auch andere Medien griffen die Meldung positiv auf.

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Rüstungslobby im Schlepptau

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 3. März 2015

- Indien-Reise des Wirtschaftsministeriums hatte nicht nur Energiepolitik zum Thema -

Im Schlepptau des deutschen Wirtschaftsministeriums warben Rüstungsunternehmen Mitte Februar in Indien um Aufträge. Schafft die indische Luftwaffe Eurofighter an?

Mitte Februar reiste eine Delegation des Bundeswirtschaftsministeriums nach Indien. Offiziell sollte sie dem Austausch zu energiepolitischen Entwicklungen dienen. Eine Nachfrage der LINKE-Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler ergab jedoch, Teil der Delegation waren auch Vertreter deutscher Rüstungskonzerne, die unter der Führung des Parlamentarischen Staatssekretärs Uwe Beckmeyer (SPD) Delhi besuchten: Vertreter des Raketenherstellers Diehl Defence, des umstrittenen Kleinwaffenproduzenten Heckler & Koch sowie von Airbus Defence and Space. Die Rüstungsdelegation traf sich mit Mitarbeitern des indischen Verteidigungsministeriums. Was besprochen wurde, ist öffentlich nicht bekannt.
Große Rüstungsunternehmen buhlen seit Jahren um Aufträge aus dem aufstrebenden Land – oft mit politischer Unterstützung. Seit 2007 sorgt die geplante Beschaffung von über 120 neuen Kampfjets durch die indische Armee international für Aufregung: Neben Konzernen aus den USA und Russland haben sich der französische Hersteller Dassault sowie Airbus mit seinem Eurofighter um den 20 Milliarden US-Dollar schweren Auftrag beworben. Gerade die europäischen Konzerne werden dabei von ihren Regierungen unterstützt.

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Das siegende Klassenzimmer

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 10. Februar 2015

- Mehrere Bundesländer versuchen, gegen einseitige Armeewerbung an Schulen vorzugehen. Doch das ist nicht leicht. Und den Friedensgruppen fehlen die Leute und das Geld -

Endlich mal eine Erfolgsmeldung! Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärte vor wenigen Tagen, dass derzeit 11.000 junge Menschen freiwillig den Wehrdienst leisten – der höchste Stand seit Jahren. Viele Medien griffen die angebliche Jubelmeldung unhinterfragt auf. Dabei sind die Zahlen mäßig. Wenn man aus Erfahrungen weiß, dass viele Freiwillige schon nach wenigen Monaten wieder abbrechen, bleiben am Ende des Quartals wohl nur noch knapp 10.000. Diese Zahl liegt zwar leicht höher als im ersten Jahr des freiwilligen Wehrdienstes, doch den optimalen Nachwuchsbedarf beziffert die Bundeswehr auf 15.000 Soldaten.
Seit junge, deutsche Männer nicht mehr zwangsweise eingezogen werden, versucht das Militär, über andere Wege an Nachwuchs zu gelangen. Von der Leyen will die Bundeswehr attraktiver machen, zudem wird die Werbung an Schulen verstärkt – aber nun kommt ihnen die Politik in die Quere. Auf Druck von Friedensinitiativen wollen mehrere Bundesländer die Armeewerbung an Schulen einschränken oder ganz verhindern. Zudem sollen auch Vertreter von Friedensgruppen eingeladen werden. Doch wer sich die Regeln genauer ansieht, stellt fest: Die Bundeswehr kann die Vorgaben umgehen. Und sie ist gegenüber der Friedensbewegung deutlich im Vorteil beim Kampf an der Heimatfront.

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Abzug in Raten

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 26. November 2014

- Afghanistan – Auch nach Ende der ISAF-Mission will Deutschland Soldaten an den Hindukusch schicken. Doch die Bilanz des Einsatzes ist desaströs -

Neues für Afghanistan: Zum Jahreswechsel wird die NATO-geführte „International Security Assistance Force“ (ISAF) in Afghanistan aufgelöst – nach dreizehn Jahren. Der Mission am Hindukusch unterstanden zeitweise mehr als 140.000 Soldaten, davon 5.000 aus Deutschland. Inzwischen sind es deutlich weniger, doch ganz abgezogen werden sie nicht. Im Dezember soll der Bundestag über ein neues Mandat abstimmen. Die Diskussion zeigt: Die Politik hat aus dem Desaster in Afghanistan nichts gelernt.
Die Kosten des bisherigen Einsatzes belaufen sich allein für die Bundesrepublik nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auf 26 bis 46 Milliarden Euro. Dennoch konnten die ISAF-Truppen das Land nie unter Kontrolle bringen. Über 3.450 Soldaten der westlichen Koalition sind bislang gestorben. Zudem sollen mehr als 43.000 Zivilisten im Rahmen des Einsatzes – auch der US-Anti-Terror-Mission „Operation Enduring Freedom“ – getötet worden sein. Die soziale Lage ist katastrophal. Der „Human Development Index“ der Vereinten Nationen listet Afghanistan aktuell auf Platz 169 von 187. Stabilität gibt es in dem Land ebenso wenig wie ein funktionierendes politisches System. Doch deutsche Politiker und Militärs reden die Situation schön oder weisen die Verantwortung für Probleme von sich.

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Rechte Söldner im Auslandseinsatz

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 3. November 2014

- Grüne und Linke alarmiert / Bislang können private Militärfirmen in einer rechtlichen Grauzone vom Staat unbehelligt agieren -

Schon in einem Werbefilm der deutschen Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« geht es martialisch zu: Das Logo der Firma – ein Wikingerlangschiff, eingerahmt von den in Runenschrift geschriebenen Worten »Treue, Loyalität, Disziplin, Ehre, Tapferkeit, Pflicht« – schwebt zu den Klängen von Wagners Walkürenritt über eine Weltkarte. Das Video passt zu der politisch weit rechts gesinnten Asgaard-Führungsriege.
2010 geriet der Militärdienstleister wegen eines geplanten Verstoßes gegen das für Somalia bestehende Waffenembargo in die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Münster fordert aktuell für die zwei Hauptverantwortlichen ein bzw. ein Jahr und zehn Monate Haft auf Bewährung. Einer der Belangten ist der frühere Geschäftsführer und Hauptfeldwebel der Reserve, Thomas Kaltegärtner, der damals in seinem Facebook-Profil Sympathien für den niederländischen Rechtspopulisten und Islamfeind Geert Wilders bekundete. Wegen des Verfahrens gab Kaltegärtner die Geschäftsführung ab und auch der Firmensitz wechselte von Telgte bei Münster ins nahe gelegene Ahlen.

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Militärfirma sucht Drohnenpiloten

erschienen am 30. Oktober 2014 bei Telepolis (www.telepolis.de)

- Ein deutsches Unternehmen suchte vor kurzem Drohnen-Piloten: die Ausbildung solle in den USA und in der Ukraine stattfinden, der Einsatz im Irak und in anderen Krisenregionen -

„Wir suchen dringend, ab sofort und schnellst möglich mindestens 3/5 Hubschrauberpiloten und 4/6 Fluggerätemechaniker, nach Möglichkeit mit militärischer Erfahrung“, hieß es vor wenigen Wochen auf der Facebook-Seite eines deutschen Militärdienstleisters. Bewerber würden auf eine Helikopter-Drohne umgeschult: Die Piloten der Aufklärungsdrohne, die gestochen scharfe Bilder liefert, sollen laut Stellenausschreibung zwei Monate bei „Boeing“ in den USA ausgebildet werden und anschließend einen „Praxis-Ausbildungsmonat in der Ukraine“ durchlaufen. Ein deutscher Militärdienstleister mit Drohnen im Krisenland Ukraine?

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