Archiv der Kategorie 'Rezension'

Der virtuelle Krieg und die Realität

erschienen am 19. Oktober 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Macht es Sinn ein 2002 erschienenes Buch über Videospiele zu rezensieren? Im Falle von „Der virtuelle Krieg – Zwischen Schein und Wirklichkeit im Computerspiel“ auf jeden Fall! Das Buch des Journalisten und c’t-Redakteurs Hartmut Gieselmann war seiner Zeit weit voraus. In Kapiteln über militärische First-Person-Shooter, Echtzeitstrategiespiele und Militärsimulationen beschreibt der Autor die Anfänge von dem, was in der Welt der Videospiele heute nahezu Normalität geworden ist: die Softwarefirmen arbeiten eng mit dem echten Militär und der Rüstungsindustrie zusammen, das Militär entwickelt eigene Rekrutierungsspiele und die in Videospielen gebotenen Konflikt-Szenarien lehnen sich klar an reale Konflikte an und schüren dabei Feindbilder.

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STORM: Alle gegen Alle

erschienen in drei Teilen am 28. September 2011, 5. Oktober 2011 und 12. Oktober 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

Versuch einer friedenspolitischen Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Videospiels „STORM – Frontline Nation“

2012: „Europa steht kurz vor einem unumkehrbaren Kollaps. Die Wirtschaftskrise und die knappen Energieressourcen haben, bis auf wenige Ausnahmen, nahezu alle Nationen in eine dauerhafte Alarmbereitschaft versetzt. Da der Krieg im Nahen Osten nahezu zum Stillstand gekommen ist, wenden sich die Großmächte nun wieder Europa zu.“ Mit dieser brisanten Ausgangssituation beginnt das Ende Juni 2011 erschienene Videospiel „STORM – Frontline Nation“ der schwedischen Colossai Studios. Doch was resultiert aus dem Szenario? Welche politischen Aussagen werden im Spiel getroffen und welche Inhalte vermittelt?
Im Folgenden werde ich mich – mit dem Spielablauf beginnend – näher mit dem Spiel befassen. Inhaltlich stehen dem STORM-Spieler fünf Story-Kampagnen (Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, USA, Russland) zur Verfügung. Ziel ist es, die in der Kampagne formulierten Spielziele und Missionen schnellstmöglich zu erreichen. Auf den Story-Kampagnen liegt das Hauptaugenmerk dieses Texts. Zur Bearbeitung wurden alle fünf Kampagnen durchgespielt – im Text wird allerdings nur die Deutschland-Kampagne vollständig wiedergegeben, da es den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte alle Kampagnen so ausführlich zu besprechen.
Bei der Rezension der einzelnen Kampagnen werde ich viel aus dem Spiel zitieren. Dass sich Zitate dabei teilweise etwas kryptisch lesen, liegt am (in Teilen schlecht übersetzten) Spiel. Neben den Kampagnen gibt es aber noch weitere Punkte, die für eine politische Rezension des Spielinhalts von “STORM – Frontline Nation” beachtet werden müssen – u.a. die Darstellung ziviler Opfer und natürlich die Vermischung von Fiktion und Realität in dem Spiel. Der vorliegende Text stellt dabei einen Versuch dar, ein Videospiel einmal anders als in Gaming-Zeitschriften zu rezensieren.

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Auseinandergenommen: America’s Army

erschienen am 31. August 2011 auf Militainment.info (www.militainment.info)

„Zivile Landschaften aus Krieg und Unterhaltung – Eine Betrachtung des Computerspiels ‚America’s Army‘“ lautet der Titel einer 112 seitigen wissenschaftlichen Arbeit von Yasmin Tawalbeh. Darin stellt die junge Autorin zunächst den Hintergrund des seit 2002 in mehreren Versionen veröffentlichten kostenlosen Videospiels der US-Army vor: seit wann ist das Militär im Computer-Sektor aktiv? Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen zivilen Videospiel-Herstellern und der Armee? Diese Hintergrund-Informationen sind nützlich, auch wenn Tawalbeh bisweilen sehr weit ausholt (beispielsweise die Anfänge des Internets, das ja zunächst rein militärisch genutzt werden sollte, vorstellt).

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Scheiß Happy End

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Steven Spielbergs lehrte uns in „Jurassic Park“ nicht mit Genmanipulation rumzuexperimentieren. Der von Peter Jackson produzierte Streifen „District 9“ spielt mit Außerirdischen auf die Apartheid in Südafrika an. Nun zeigt James Cameron wie indigene Völker für Profitinteressen ermordet und vertrieben werden. Avatar – ein neues Highlight des politischen Films mit einem Haken.

Avatar – Aufbruch nach Pandora
Der Film spielt auf dem fernen Planeten Pandora, der der Lebensraum der intelligenten, menschenähnlichen Lebensform Na’vi ist. Da die Rohstoffvorkommen der Erde erschöpft sind, betreiben die Menschen auf Pandora eine riesige Erzmine. Problem: große Erzvorkommen befinden sich unter dem Dorf – einem riesigen (Wohn-)Baum – der Na’vi. Die Menschen im Film spalten sich grundlegend in diejenigen, die versuchen die Na’vi friedlich zur Umsiedlung zu bewegen und Militärs, die mit Gewalt gegen das indigene Volk vorgehen wollen und bereits die schon bestehende Erzmine militärisch schützen. Die Militärs setzen sich nach einigem Hin und Her durch und greifen die Na’vi an: zerstören den Wohnbaum und töten dabei unzählige Indigene.
Die eng mit der Natur und dem Ökosystem des Planeten verbundenen Na’vi formieren sich danach zu einem groß angelegten Gegenschlag um die Eroberung ihrer heiligen Stätte durch das Militär zu verhindern. Anfangs noch erfolgreich entwickelt sich die Schlacht für die Na’vi zum Desaster – unterlegt von eindrucksvollen, abschreckenden Kriegsszenen wie brennenden pferdeartigen Wesen die sonst von den Na’vi geritten werden.
Doch wo die Realität endet, tut es der Film an dieser Stelle (leider) nicht. Der im Film beschriebene Konflikt kann auf die reale Welt übertragen werden: der Konflikt zwischen schwachen Indigenen und einer monströsen, zerstörenden Industrie. Nachdem die Na’vi den Kampf fast verloren haben, eilt ihnen die Natur zu Hilfe. Tiger-, Hyänen- und Nashorn-artige Wesen kämpfen nun seit an seit gegen die Militärsöldner und besiegen sie letztlich. Die Menschen müssen den Planeten daraufhin – bis auf wenige Na’vi loyale – verlassen.

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Aktueller denn je: Am Hindukusch und anderswo

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Schon 2005 erschienen, ist das Buch „Am Hindukusch und anderswo: Die Bundeswehr – Von der Wiederbewaffnung in den Krieg“ nach wie vor aktuell. So viele deutsche Soldaten wie nie zuvor befinden sich im Krieg in Afghanistan und die Militarisierung der Bundesrepublik wird von führenden Politikern vorangetrieben. Umso wichtiger ist es, sich mit dieser Problematik zu befassen.

Das von der Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung herausgegebene Buch enthält fünfzehn gut lesbare Aufsätze rund ums deutsche Militär: beginnend mit der Gründung der Bundeswehr über Militarisierung bis hin zum Einsatzkonzept der Streitkräfte. Auf knapp über 200 Seiten teilen dabei auch Experten ihr Wissen: der Politologe Dr. Markus Euskirchen erörtert in seinem Text die Beziehung zwischen „Militär, Staat und Nation“, Rüstungsexperte Lühr Henken schreibt über die hochmodernen Interventionswaffen der Bundeswehr. Weitere Texte handeln von der Wehrmachts-Vergangenheit der Bundeswehr, den deutschen Militärausgaben, alltäglichen Militarismus, Kriegsdienstverweigerung, Militärjustiz, die Umgestaltung der EU hin zu einem aktiven Militärbündnis und die (zweifelhafte) rechtliche Grundlage deutscher Auslandseinsätze.

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NATO-Gipfel Nachlese

erschienen im „utopia-Online Magazin“ (www.jugendzeitung.net)

Ein Buch mit dem Titel „Neue NATO: die ersten Kriege – Vom Militär- zum Kriegspakt“ das von einem bekennenden Grünen-Politiker verfasst wurde? Da ist man erst einmal skeptisch. Immerhin sind die Grünen keine Friedenspartei mehr, sondern fest in die ausufernde deutsche Kriegspolitik eingebunden. Uli Cremers Buch über die NATO liest sich dann auch nicht so wie von einem ‚normalen’ Anhänger der Grünen, denn der Autor gehört dem friedlichen Flügel der Partei, an der sich gegen deutsche Militäreinsätze ausspricht.

Nach einem Vorwort des ebenfalls friedenfreundlichen Grünen-Bundestagsmitglieds Christian Ströbele wird der Leser bzw. die Leserin von der Entstehung bis zur heutigen Zeit über den Militärpakt NATO informiert. Besonders auf die neuen Kriege des nordatlantischen Militärpakts, wie denen im Kosovo und in Afghanistan, geht das Buch sehr detailliert ein. Es wird erklärt, wie die NATO im Kosovo-Krieg die UN unterlaufen und entmachtet hat und das aggressive Vorgehen des Militärpakts am Hindukusch begründet.

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„Camilo meldet sich bei den Streitkräften“

erschienen im Semesterspiegel (SSP) 375 der Uni Münster (www.semesterspiegel.de)

Rezension des Films: „CAMILO – Der lange Weg zum Ungehorsam“ von Peter Lilienthal.

Mehr als 4.000 US-Soldaten kamen bisher beim Irak-Feldzug der USA und ihrer Verbündeten ums Leben. Rund 30.000 US-Soldaten wurden verletzt. Was nur die wenigsten wissen: 4.600 US-Soldaten desertierten seit Beginn des Irak-Krieges und blieben der Armee fern – sie werden seitdem von der eigenen Armee gejagt.

Am 17. April feierte der Film „CAMILO – Der lange Weg zum Ungehorsam“ von Regisseur Peter Lilienthal im Cinema an der Warendorfer Straße Premiere.

Der Film handelt vom ersten US-Deserteur im Irak-Krieg – Camilo Mejia – der nach sechsmonatigem Irak-Einsatz bei einem zweiwöchigen Heimaturlaub die US-Armee verließ.

weiterlesen (SSP 375 – Seite 32)