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Bilanz meines Journalismus 2014

Etwas verspätet fliegen nun die Luftschlangen durch den Raum! Am 26. Dezember wurde diese Website sieben Jahre alt! Vom Beginn meiner journalistischen Tätigkeit bis heute hat sich einiges getan und mittlerweile ist es eine liebgewonnene Tradition für mich geworden, am Ende des Jahres einmal Bilanz (2010, 2011, 2012, 2013) zu ziehen: Wie war das Jahr 2014 journalistisch für mich? Was hat geklappt? Was nicht so ganz? Und was waren meine größten Flops des Jahres?
Doch bevor ich ins Detail gehe, zunächst kurz ein paar Zahlen und Vergleiche mit den Vorjahren. Im Jahr 2014 habe ich 21 Artikel, 3 Interviews, 2 Studien und 25 Videos veröffentlicht. Hinzu kommt mein im Frühjahr erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld – Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie“. Im Vergleich zu 2013 – 24 Artikel, 11 Interviews, 2 längere Studien, 2 Buchbeiträge und 26 Videos – ist vor allem die Zahl der Interviews deutlich gesunken. Dafür ist die Zahl der Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen wieder in die Höhe geschnellt: 2013 waren es nur 13 Veranstaltungen, in diesem Jahr waren es 30! Doch im Detail: Hier meine journalistischen Tops und Flops – und was dazwischen lag – im Jahr 2014!

Tops
Immer wieder anstrengend und aufregend, aber auch immer wieder toll sind die kleinen und großen Vortragstouren über die Themen „Bundeswehr-Werbung“ und „Politik in Videospielen“. 2014 habe ich (teilweise mehrfach) Veranstaltungen gehabt in Siegen, Hamburg, Marburg, Dortmund, Berlin, Kassel, Frankfurt am Main, Weiden, Wiesbaden, Halle (Saale), Baden (Schweiz), Telgte, Paderborn, Pößneck, München, Hannover, Celle, Wuppertal, Bremen, Beelen, Leipzig, Stuttgart, Karlsruhe, Augsburg und Tübingen. Dabei sind für mich vor allem die Diskussionen nach den Vorträgen interessant, bei denen immer wieder neue Gedanken hervorgebracht und Argumente ausgetauscht werden. Zudem komme ich dabei direkt mit den Leuten in Kontakt, die auch meine Artikel lesen und Videos gucken – und wenn ich Lob für meine Arbeit bekomme, ist das immer sehr motivierend!
Für die im Vergleich zum Vorjahr hohe Veranstaltungszahl war augenscheinlich mein im Frühjahr im PapyRossa-Verlag erschienenes Buch „Das virtuelle Schlachtfeld“ verantwortlich. Viele Vorträge handelten von den politischen Aussagen in heutigen Videospielen und den Verstrickungen zwischen der Videospielbranche, dem Militär und der Rüstungsindustrie. Auch mein drittes Buch wurde gut aufgenommen und in zahlreichen Rezensionen (u.a. hier, hier, hier und hier) gelobt. Zudem – das zeigt auch die Veranstaltungszahl – konnte ich mich als „Experte“ für die im Buch behandelten Themen etablieren und habe dazu sehr viele Interviews (u.a. hier, hier und hier) gegeben.
Klasse lief es in diesem, wie schon im letzten Jahr, auch mit meinem Videospiel-YouTube-Kanal „Games and Politics“ – wobei ich für die positive Entwicklung des Kanals 2014 nur teilweise verantwortlich bin. Zwar konnte ich die Qualität der Videos weiter verbessern, durch ein Vorstellungs-Video meines Kanals durch Thomas Goik (Vielen Dank Tom!) von „Giga Games“ explodierten im Juli aber die Zugriffs- und Abonnenten-Zahlen. Hatte der Kanal zuvor nur einige hundert regelmäßige Zuschauerinnen und Zuschauer, sind es seitdem Tausende. Die Abonnentenzahl liegt aktuell bei knapp 8.000 und die 10.000er-Hürde kommt langsam in Sichtweite, auch wenn die Abonnentenzahl mittlerweile wieder nur noch langsam steigt, bin ich motiviert weitere Videos zu machen. Die geringen Abo- und Aufruf-Zahlen meiner Videos hatten mich bis Juli schon deprimiert und es kamen auch Gedanken auf, das Projekt zu beenden. Doch das hat sich im Juli geändert!

Durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne auf „Patreon“ kommt zumindest etwas Geld für die Videoproduktion herein, auch wenn der Kanal für mich getrost als „Zeit und Geld verschlingendes Monster“ bezeichnet werden kann. Allerdings lerne ich dabei auch viel und die Rückmeldung auf meine Videos ist unfassbar toll!
Dabei konnte ich die Qualität der Videos bislang immer weiter steigern. Hervorheben möchte ich dazu das Video über die Rüstungsmesse ITEC, auf der auch Videospiel-Hersteller waren (hier), das Video über Videospiel-Indizierungen mit einigen exklusiven Quellen (hier) sowie die Videos mit gefilmten Interviews über „Zombies“ (hier) und „Religion“ (hier) in Spielen.
Neben den Veranstaltungen, dem Buch und den Videos habe ich 2014 wieder viele Artikel geschrieben und auch von denen möchte ich einige hervorheben. Im Videospiel-Bookzine WASD ist im Frühjahr ein Text von mir über Lizenzen in Spielen erschienen, der bei „Zeit-Online“ zweitveröffentlicht wurde. Und mit dem Text „Stillgestanden? Zum Angriff!“ hatte ich im Oktober erstmals einen Wochenthema-Artikel in der Zeitung „der Freitag“ – sehr schön!

Zwischen Tops und Flops
Ein thematisches Highlight, welches gut recherchiert war und doch untergegangen ist, war meine Ausarbeitung der Machenschaften des deutschen Söldnerunternehmens „Asgaard – German Security Group“. Neben der politisch sehr rechten Einstellung der „Asgaard“-Führungsebene und der Suche nach Drohnen-Piloten (samt geplanter Ausbildung in der Ukraine) war vor allem der Einsatz deutscher Söldner im umkämpften Nord-Irak im vergangenen September hochbrisant. Das Unternehmen aus Aachen schweigt zu allen Punkten. Durch wochenlange Recherchen konnte ich aber einiges herausfinden und in Artikeln für den „Freitag“, für „Telepolis“ und das „neue deutschland“ verarbeiten. Wiederhall fanden meine Recherchen aber nicht. Trotz des Krieges im Nord-Irak interessierte der Einsatz deutscher Söldner niemanden. Ebenso wenig wie die geplante Ausbildung von Helikopter-Drohnen-Piloten in der umkämpften Ukraine. Die Geschichten waren aufwendig recherchiert, wahrgenommen wurden sie nicht. Woran das genau lag – ob an den eher „kleineren Medien“, in denen sie erschienen sind oder an etwas Anderem – ist mir ein Rätsel.

Der Fall deckt sich aber mit ähnliche Erfahrungen in den letzten Jahren: Immer wieder schreibe ich Texte über – meiner Meinung nach – extrem interessante Geschichten, die kaum bis gar nicht wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite entdecke ich Themen, die mir als wenig relevant erscheinen und ich daher nicht weiter recherchiere, die dann aber von anderen Medien aufgegriffen werden und auf einmal skandalisiert werden und durch die gesamte deutsche Presselandschaft wandern.

Flops
Endgültig bei den Flops angekommen ist meine Fotografie. Nicht weil sie schlecht ist (das müssen Andere bewerten), sondern weil ich mittlerweile nur noch sehr wenig journalistisch fotografiere. Lediglich sechs Ereignisse habe ich 2014 mit meinen Kameras begleitet. Dass es wieder mehr wird, ist nicht in Sicht, hängt aber wohl auch einfach mit der eigenen Schwerpunktverlagerung zusammen: zum Thema „Videospiele“ passen einfach besser Bilder aus den Spielen statt Fotos. Zudem gibt es bei mir sowieso eine Schwerpunktverlagerung hin zu bewegten Bildern.
Auch ein paar Fehler bzw. Ungenauigkeiten in Texten und Videos sind mir in diesem Jahr passiert – einen richtig dicken Schnitzer habe ich mir aber nicht geleistet.
Ein großer Flop des Jahres 2013, der sich auch durch 2014 zog, war die Beschlagnahmung meines Autos, meines Mobiltelefons (welches vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ausgelesen wurde) und von Teilen meiner Foto-Ausrüstung im Rahmen einer Recherche. Zwar habe ich die Sachen einige Wochen nach der Beschlagnahmung im Sommer 2013 wiederbekommen, eine finanzielle Verdienstausfall-Entschädigung oder auch nur Entschuldigung für die Beschlagnahmung habe ich bis heute aber nicht bekommen. Dagegen hätte ich wahrscheinlich auch härter vorgehen und mehr Druck machen sollen.

Fazit und Ausblick
Insgesamt war 2014 für mich journalistisch ein gutes Jahr – wenn auch nicht vollkommen überwältigend. Aber es ging wie schon in den letzten Jahren weiter voran. Wie es 2015 weitergehen wird, ist für mich schwer zu sagen, da sich bei mir gerade privat viel tut.
Gerne weiter ausbauen würde ich „Games and Politics“. Ich denke der YouTube-Kanal hat das Potenzial, weiter zu wachsen und noch mehr Leute zu erreichen: Im deutschsprachigen Raum gibt es keine anderen regelmäßig veröffentlichten Videos, die sich mit diesem Thema befassen. Zudem höre ich oft, dass die Zuschauer es bedauern, erst so spät auf meinen Kanal gestoßen zu sein. Es gibt also – so zumindest meine Vermutung – schon genügend Leute, die sich meine Videos regelmäßig ansehen würden, doch wissen sie schlicht nichts von dem Kanal. Wie ich diese Menschen „abholen“ kann, weiß ich momentan aber noch nicht. Zudem stellt sich für mich zunehmend die Frage, inwiefern ich mir den Kanal „leisten“ kann – wie bereits geschildert, frisst er viel Zeit und Geld. Zwar nehme ich durch eine kleine Crowdfunding-Kampagne für den Kanal etwas Geld ein, das reicht aber nicht mal, um die entstehenden Kosten zu decken. Ich möchte auf jeden Fall weiter Videos machen und habe noch dutzende Video-Ideen auf meiner Liste – wieviel Zeit ich mir dafür in Zukunft nehmen kann, hängt vom weiteren Verlauf der Crowdfunding-Kampagne ab.

Was ich zumindest versuchen werde zu intensivieren, ist die komplette Verarbeitung von recherchierten Themen: Statt Themen nur in „Games and Politics“-Videos zu verarbeiten, möchte ich daraus auch längere Artikel machen – kurze Texte zu Videos erscheinen schon heute auf der österreichischen Videospiel-Website „VideoGameTourism“ – und geführte Interviews als Langfassungen veröffentlichen. Das gilt umgekehrt natürlich auch für Artikel, die ich zu Videos verarbeiten könnte. Insgesamt sehe ich da noch viel Spielraum bei der eigenen Verarbeitung von Recherchen, die mit nur etwas Mühe effektiver verwertet werden könnten.
Es könnte gut sein, dass ich dafür 2015 auch mehr Zeit haben werde: Da auffällt, dass die Zahl der Veranstaltungsanfragen sehr mit meinen Buch-Veröffentlichungen zusammenhängt, rechne ich für 2015 (leider) mit nicht mehr so vielen Veranstaltungen, da ich in diesem Jahr kein neues Buch veröffentlichen werde.
Eine Vorhersage über den Verlauf meines Journalismus 2015 kann ich aktuell nicht treffen, da sich bei mir privat aktuell vieles schnell ändern kann. In jedem Fall hoffe ich weiter an meinen Themengebieten „Sicherheitspolitik/Armee-Werbung“ und „politische Aussagen in Videospielen“ arbeiten zu können. Auf dieser Seite wird zu sehen sein, was 2015 aus meinem Journalismus wird.

Den Leserinnen und Lesern dieser Seite ein gutes Jahr 2015!

Michi

Rechte Söldner im Auslandseinsatz

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 3. November 2014

- Grüne und Linke alarmiert / Bislang können private Militärfirmen in einer rechtlichen Grauzone vom Staat unbehelligt agieren -

Schon in einem Werbefilm der deutschen Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« geht es martialisch zu: Das Logo der Firma – ein Wikingerlangschiff, eingerahmt von den in Runenschrift geschriebenen Worten »Treue, Loyalität, Disziplin, Ehre, Tapferkeit, Pflicht« – schwebt zu den Klängen von Wagners Walkürenritt über eine Weltkarte. Das Video passt zu der politisch weit rechts gesinnten Asgaard-Führungsriege.
2010 geriet der Militärdienstleister wegen eines geplanten Verstoßes gegen das für Somalia bestehende Waffenembargo in die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Münster fordert aktuell für die zwei Hauptverantwortlichen ein bzw. ein Jahr und zehn Monate Haft auf Bewährung. Einer der Belangten ist der frühere Geschäftsführer und Hauptfeldwebel der Reserve, Thomas Kaltegärtner, der damals in seinem Facebook-Profil Sympathien für den niederländischen Rechtspopulisten und Islamfeind Geert Wilders bekundete. Wegen des Verfahrens gab Kaltegärtner die Geschäftsführung ab und auch der Firmensitz wechselte von Telgte bei Münster ins nahe gelegene Ahlen.

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Fremde Legion

erschienen in der Wochenzeitung „der Freitag“ (www.freitag.de) am 23. Oktober 2014

- Die deutsche Firma Asgaard schickt Söldner in den Nordirak und pflegt enge Kontakte zu rechten Parteien. Nach außen gibt sie sich verschlossen -

Ist die Bundeswehr im Nordirak aktiv? Auf den Bildern im Internet sieht es fast so aus. Kräftige Männer tragen beigefarbene Schutzwesten mit Deutschlandfahne auf Brust und Schulter. Doch in Wirklichkeit sind das keine deutschen Soldaten, sondern deutsche Söldner. Einer von ihnen ist Petja Stoy. Der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma Asgaard stellt sich bei Facebook gern öffentlich zur Schau. Ein Foto zeigt ihn bei bestem Wetter mit Sonnenbrille in einer kargen, hügeligen Landschaft. Quer durch das Bild zieht sich der Lauf eines schweren Maschinengewehrs. Die Aufnahme entstand Ende September in einer Stellung der kurdischen Peschmerga in Makhmur, 50 Kilometer südwestlich der irakischen Stadt Erbil. Makhmur wurde Anfang August nach heftigen Kämpfen vom Islamischen Staat erobert. Nach US-Luftschlägen konnten die Kurden die Stadt zurückerobern. Noch heute ist Makhmur eine Frontstadt.

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Bilanz meines Journalismus 2011

Fast einen Monat verspätet aber dann doch noch geschafft: am 26. Dezember 2007 – also vor etwas mehr als vier Jahren – ging diese Website in Betrieb. Im vergangenen Jahr habe ich in einem Artikel bereits Bilanz über meine bis dato veröffentlichten Texte gezogen. Nun möchte ich auch für das Jahr 2011 Bilanz ziehen – welche Texte und Projekte waren gut, welche schlecht? Und was hat sich journalistisch bei mir überhaupt in dem Jahr alles getan?
Erstmal ein paar Zahlen: 2011 habe ich 55 Artikel und 7 Interviews veröffentlicht. Zum Vergleich: 2009 waren es 64 Artikel und 16 Interviews und 2010 immerhin noch 53 Artikel und 18 Interviews. Die Zahl meiner Veröffentlichung ist also gesunken, gerade bei Interviews. Allerdings erscheinen auch nicht all meine Veröffentlichungen im Internet und somit auf diesem Blog, von dem ich die Zahlen zusammengezählt habe. Zudem wurden einige Textteile auch teilweise für mehrere Artikel verwendet. Auch sagt die Zahl der Veröffentlichungen nichts über die Länge oder Qualität der Texte aus. Um auch diesen wichtigen Punkt sowie Projekte und sonstige interessante Ereignisse 2011 einfließen zu lassen hier nun meine Tops und Flops und was dazwischen war 2011:

Tops
Meine erste verdeckte Recherche im Februar 2011 war für mich auf jeden Fall ein Highlight des vergangen Jahres. Dafür war ich auf einer Jobmesse für Schüler in Göttingen unterwegs und habe mich von einem Wehrdienstberater über eine mögliche Anstellung bei der Bundeswehr beraten lassen. Die Recherche diente zum Beweis dafür, dass Wehrdienstberater die negativen Seiten des „Arbeitgebers Bundeswehr“ – also etwa die gefährlichen Auslandeinsätze, Tod und Verwundung – in ihren Beratungsgesprächen selten bis gar nicht erwähnen. Natürlich war dies nur eine Stichprobe, doch bestätigt die Recherche Berichte von Schülerinnen und Schülern.


Verdeckte Recherche am Stand der Wehrdienstberatung in Göttingen

Ein aus meiner Sicht qualitativ guter Text war auch das im September erschienene Interview mit Martin Vaňo, Senior Designer bei Bohemia-Interactive. Das Unternehmen wurde als Videospiel-Firma gegründet, verdient heute aber mehr Geld mit Trainingssimulatoren für das Militär – eine interessante Entwicklung, über die ich mit Martin Vaňo gesprochen habe.
Auch im Freitag und in der taz sind in diesem Jahr mehrere Artikel von mir erschienen – darunter ein Artikel über den PR-Auftritt der deutschen Söldnerfirma „Asgaard – German Security Group“ bei der Vorstellung des First-Person-Shooter-Videospiels „Battlefield 3“.
Im Vergleich zu meiner letzten Bilanz hat sich der Bereich „Foto“ sehr gut entwickelt. So konnte ich 2011 mehr Fotos in Zeitschriften, Magazinen und Online-Medien unterbringen als je zuvor. So wurde etwa eine komplette Ausgabe des Fachmagazins „Wissenschaft & Frieden“ mit Fotos von mir gestaltet, auch in einer GEW-Broschüre sind viele meiner Fotos zu sehen und das Team von klimaretter.info hat mittlerweile 460 Fotos von mir in ihrem Bild-Archiv. Im Dezember 2011 war dann sogar noch meine Fotoausstellung „Remeber: Bildungsstreik“ an der Universität Kassel zu sehen.
Die positive Entwicklung geht mit der Inbetriebnahme meines flickr-Accounts einher. Dort sind natürlich auch sehr viele Fotos zu sehen, die ansonsten nirgendwo veröffentlicht wurden und würden. Bevor sie aber nur auf meinem Rechner liegen, präsentiere ich sie lieber der Öffentlichkeit. Seit kurzem gibt es dort auch nicht mehr nur „politische“ Fotos, sondern auch welche von Tieren und bald wohl auch noch welche zum Thema „Natur“.
Gut lief es 2011 auch mit Vortags- und Diskussionsveranstaltungen. 2010 hatte ich 14 Veranstaltungen, 2011 waren es sogar 21 Vorträge und Diskussionen – meist zum Thema „Bundeswehr an Schulen“. Hinzu kommen noch zwei Reden auf den Ostermärschen in Gelsenkirchen und Kassel.
Dass die Informationsstelle Militarisierung e.V. für ihre Analysen, Studien und sonstigen Texte – von denen ich auch einige wenige geschrieben habe – mit dem Aachener-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, ist 2011 auch eine sehr erfreuliche Sache gewesen.
Sich das Thema Videospiele neben „Bundeswehr-Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit“ zu erarbeiten, hat auch gut geklappt. Mein Wissen über das Thema wird immer umfassender.

Zwischen Tops und Flops
Anfang Mai habe ich die Website Militainment.info in Betrieb genommen. Dort beschäftige ich mich seitdem mit der Darstellung des Militärs in den Medien – vor allem im Fernsehen und in Videospielen. Jeden Mittwoch gibt es auf der Website einen neuen Artikel oder ein neues Interview, dazwischen immer wieder Hinweise auf aktuelle Entwicklungen. Das hat bisher ganz gut geklappt, dennoch bin ich mit dem Konzept nicht zufrieden. Das Thema ist sehr umfangreich, man könnte und müsste viel mehr dazu arbeiten – meine Kapazitäten sind aber ausgelastet. Es ist so schon schwer genug, jeden Mittwoch einen qualitativ guten Text auf der Website zu publizieren. Mitstreiter für das Militainment.info-Projekt konnte ich bislang leider nicht finden. Daher werde ich mir in den kommenden Tagen weitere Gedanken zu dem Projekt machen: vielleicht wird es bald weniger regelmäßig Artikel auf Militainment.info geben – mal sehn.


Gut: das Thema Videospiele erarbeite ich mir gerade | Schlecht: Militainment.info könnte besser laufen

Aufregend und interessant war für mich die Einladung in die Sendung „ZDF log.in“ des ZDF-infokanals im Mai. Eine tolle Erfahrung und eine gute Möglichkeit zu lernen – etwa seine Argumente klarer zu formulieren. Die Diskussion mit Christian Schmidt (CSU), Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Vertrauter von Verteidigungsminister de Maizière, hätte rhetorisch besser laufen können…

Flops
Die Einstellung der Jugendzeitung utopia nach 21 Ausgaben im Dezember 2011 war ein Tiefpunkt des Jahres – auch wenn ich den Schritt nach wie vor als richtig erachte. Die utopia ist zu schnell gewachsen, hat dadurch ein großes finanzielles Loch aufgerissen, das dann wieder zu harten Einsparungen und einer extremen Schrumpfung geführt hat. Mit der sinkenden Auflage sank auch die Motivation. Und auch, dass sich keine neuen Leute für das Projekt finden ließen, ist bedauerlich. Das muss ich mir als Teil der utopia-Redaktion auch auf meine Fahne schreiben. Die utopia haben wir nach einer langen erfolgreichen Zeit am Ende ganz schön in den Sand gesetzt, auch wenn es letztlich der Personalmangel war, der das Ende der Zeitung besiegelt hat. Finanziell war die Zeitung zum Schluss wieder auf einem grünen Zweig.
Generell für Ärger sorgten 2011 natürlich – wie schon in den Vorjahren – Fehler in Artikeln. So hatte ich in einem Artikel im Freitag einen Schnitzer. Und auch in anderen Texten waren Ungenauigkeiten. Sowas sollte nicht passieren. Da hilft nur: noch genauer recherchieren und auch noch mehr nachhaken.
Ein großes Problem ist für mich die „Nachhaltigkeit“ meiner Artikel. Ich schreibe Texte, sie erscheinen in einem Medium und das war’s. Der Artikel über meine verdeckte Recherche bei einem Wehrdienstberater erschien im Neuen Deutschland wie jeder andere Artikel. Niemand sonst griff das Thema auf. Auch meine anderen Artikel verhallten weitestgehend in der Medienwelt. Etwa auch der – meiner Meinung nach sehr brisante – Artikel über einen geänderten Erlass des Verteidigungsministeriums, der es der Bundeswehr nun erlaubt Kinder auf Panzer und anderes Kriegsgerät zu lassen. Wie so etwas auch laufen kann zeigt ein Artikel Steffen Hebestreit, der im Juli 2011 in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau erschienen ist: darin ging es um Jugendpressekongresse der Bundeswehr in Zusammenarbeit der der YoungLeaders GmbH. Das Thema fand auch in anderen Medien anklang und das Verteidigungsministerium und die Armee sahen sich gezwungen Besserung zu versprechen. Es liegt sicherlich viel am Medium, ob Themen weitere Verbreitung finden. Tendenziell sollte ich daher wohl verstärkt versuchen Artikel auch in „großen“ Medien unterzubringen.

Fazit
Mit meinem Text- und Bild-Journalismus 2011 bin ich soweit zufrieden. Klar, es könnte immer besser sein. Aber ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg :-)

Michi

Kritische Nachfragen bleiben unbeantwortet

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 28. März 2011

- Der deutsche Sicherheits- und Militärdienstleister Asgaard expandiert – irgendwie – und hält sich bedeckt -

Krieg ist ein gutes Geschäft. Auch die Sicherheitsfirma Asgaard profitiert von bewaffneten Konflikten – und expandiert. Unbequeme Fragen sind da nur hinderlich.

An welchen Orten betreibt Asgaard Büros? Seit wann gibt es »Asgaard – German Security Group« und wer waren die Gründer des Sicherheitsunternehmens? Fragen, die das Unternehmen nicht mehr beantworten m…

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Bilanz meines Journalismus

Ein Jahr geht zu Ende, überall im Fernsehen laufen Jahresrückblicke und dieser Blog feiert seinen dritten Geburtstag. Grund genug, einmal das eigene journalistische Tun der letzten Jahre zu reflektieren.
Zunächst zum quantitativen Teil: angefangen journalistische Texte zu schreiben habe ich 2005/2006. Damals wurde ich nach einem Leserbrief in der jungenWelt von einem Redakteur des kleinen Schweizer-Politblogs „Nachrichten heute“ (damals noch „Journalismus – Nachrichten von heute“) angefragt, ob ich nicht etwas für sie schreiben wolle. So begann ich, die ersten Texte für den Blog zu verfassen – die Redakteure verbesserten meine Artikel und gaben Hilfestellungen und Tipps (quasi eine kleine journalistische Ausbildung).
2007 war ich gleich bei der ersten Ausgabe der neu gegründeten Jugendzeitung utopia mit einem Artikel vertreten. Seitdem bin ich auch Teil der Redaktion – mittlerweile gibt es 17 Ausgaben der utopia und trotz einiger Schwierigkeiten (dazu später ausführlicher) lebt das Projekt noch heute und wird auch in Zukunft fortgeführt.
Am 26. Dezember 2007 startete dieser Blog – so waren die damaligen Weihnachtsfeiertage doch zu etwas nutze. Seit dem Start des Blogs lässt sich meine Vierte-Gewalt leichter mitverfolgen. So habe ich etwa 2008 42 Artikel und 7 Interviews veröffentlicht – mit eingerechnet sind einige nicht online erschienene Texte. 2009 waren es 64 Artikel und 16 Interviews und in diesem Jahr 53 Artikel und 18 Interviews. Die Zahlen sagen natürlich nichts über die Länge und Qualität der Texte und Gespräche aus. Zur qualitativen Bewertung daher nun meine Tops, Flops und was es in den letzten Jahren noch so gab.

Tops
Bereits ab Ende 2006 berichtete ich über Uranmülltransporte von der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau nach Russland.


Uranmülltransport im April 2008 im Hauptbahnhof von Münster

Offiziell sollte das Uran in Sibirien wiederangereichert und zurück nach Deutschland geschickt werden – dies geschah mit dem Großteil des deutschen Uranmülls aber nicht. Eigentlich ging es der Betreiberfirma der Anreicherungsanlage, der Urenco (u.a. im Besitz von RWE und E.on), wohl nur darum den strahlenden Müll preiswert weit weg vom eigenen Standort entsorgen zu können. Mit der Zeit berichteten immer mehr Journalisten – in einflussreicheren Medien – über die Transporte. Sogar das ZDF-Polit-Magazin Frontal 21 hatte dazu im Juni 2007 einen Beitrag. Mittlerweile sind die Uranmülltransporte nach Russland eingestellt – der öffentliche Druck auf Urenco war wohl zu groß, zudem liefen wichtige Verträge mit Russland aus und wurden auch nicht mehr verlängert.
Auf lokaler Ebene hat mein Artikel „Zweifelhafte Helden“ im Semesterspiel – der Zeitung der Studierenden der Uni Münster in deren Redaktion ich einige Monate gearbeitet habe – etwas (mit) in Gang gebracht. Der im Sommer 2008 erschienen Artikel handelt von den zweifelhaften Kriegsdenkmälern in Münster und dem Völkermord deutscher Kolonialtruppen am Volk der Herero. Nach dem Artikel gründete sich eine Arbeitsgruppe die eine Umwidmung des so genannten Herero-Denkmals am Ludgeri-Kreisel in Münster zum Ziel hat. Dazu wurden bereits Anträge im Stadtrat gestellt – die Diskussion läuft.
Ebenfalls 2008 fing ich an, vermehrt über die Werbemaßnahmen der Bundeswehr zu schreiben. Damit beschäftige ich mich noch heute – im Oktober 2010 ist mein Buch „An der Heimatfront – Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ zu dem Thema erschienen.


„Bw-Olympix“ in der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf im Mai 2008

In den letzten Jahren habe ich viele der Werbemaßnahmen aufgedeckt. Neben schon bekannten Arten der Armee-Werbung, die ich genauer ausgeleuchtet habe, konnte ich dabei auch ganz neue Bereiche und Zusammenhänge aufdecken.
Anfang 2009 erschien meine Studie „Die Bundeswehr im Kampf an der Heimatfront“ bei der Informationsstelle Militarisierung e.V. (IMI) – einer NGO aus Tübingen. Außerdem veröffentlichte ich 2009 einen Artikel über die enormen Armee-Werbemaßnahmen zum „Girls‘ Day“, die Anwerbung von Kindern und Jugendlichen mit Militärmusik und die Problematik der Vereinbarkeit von Kinderrechten und Werbung für den Dienst an der Waffe. Besonders letzteres hat etwas bewirkt: die Kinderrechtsorganisation „terre des hommes“ beschäftigt sich mittlerweile intensiv mit dem Thema und drängt Bundesregierung und Armee dazu, die Rekrutierung von unter 18-Jährigen für das Militär endlich einzustellen.
Ein weiteres Highlight des Jahres 2009 war die Berichterstattung von der „Linken Medienakademie“ (LiMA) in Berlin gemeinsam mit Felix Werdermann. In fünf Tagen posteten wir 25 Artikel und 44 Fotos über die Seminare und Vorträge auf der LiMA. Unsere Berichte wurden später zusammengefasst und erschienen im Buch zur Akademie.
Das Jahr 2010 begann mit der Veröffentlichung meiner für dieses spezielle Thema recht weit verbreiteten IMI-Studie „Die Eroberung der Schulen – Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt“. Auf die Studie folgten zahlreiche Einladungen zu Vortrags- und Diskussions-Veranstaltungen. In den Jahren zuvor wurde ich nur für eine Handvoll Veranstaltungen als Referent eingeladen – 2010 waren es immerhin schon 14 Veranstaltungen von Neumünster bis München, von Berlin bis Köln.
Im Oktober 2010 erschien mein Buch „An der Heimatfront“, was nochmals zu einem Schwung von Veranstaltungs-Anfragen führte. Zwar gibt es bisher nur zwei Rezensionen des Buchs (die sehr positiv sind), dennoch hat die Veröffentlichung bisher eher kleine Kreise gezogen.


Mein Buch auf der Frankfurter-Buchmesse 2010

Andererseits rückt das Thema „Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr“ merklich zunehmend in den Fokus der „großen“ Medien. Ich habe in den letzten Monaten allein dem Bayerischen Rundfunk drei Hörfunk-Interviews gegeben, dem WDR ein Live-Radio-Interview und habe auch per Mail viele Fragen anderer Journalisten zum Thema beantwortet. Gerade die durch Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulministerien einiger Bundesländer und der Bundeswehr seit 2008 institutionalisierten Einsätze von Jugendoffizieren in Schulen sind ein brisantes, umstrittenes und bei Medien immer nachgefragteres Thema – und ich befasse mich damit schon seit Jahren intensiv.

Zwischen Tops und Flops
Wenn ich meine Texte an eine Redaktion schicke, packe ich auch gern noch einige passende Fotos dazu. Ob es auch veröffentlicht wird, ist dabei immer das große Fragezeichen: viele Redaktionen haben bei Agenturen eine Art „Foto-Flatrate“ und nehmen meine Fotos – für die sie dann Honorar zahlen müssen – nur, wenn sie kein Passendes in den Archiven der Agenturen finden. So konnte ich in den letzten Jahren zwar hier und da Fotos veröffentlichen, wirklich rechnen tut es sicher aber (bislang) nicht. Dennoch ist es erfreulich, einige gute aber finanzschwache Projekte mit (kostenlosen) Fotos unterstützen zu können und seinen Namen unter den Bildern zu sehen: Beispielsweise fotografiere ich seit einiger Zeit vermehrt für klimaretter.info – ein unabhängiges Medien-Projekt über Umweltschutz und Klimawandel.
Auch die Bilanz der Jugendzeitung utopia fällt durchwachsen aus. Das Projekt startete im Sommer/Herbst 2007 – seitdem bin ich in der Redaktion aktiv (und dort mittlerweile auch der langjährigste „Mitarbeiter“). Die erste Ausgabe der libertären Zeitung für Jugendliche hatte eine Auflage von 10.000 Exemplaren. Die Zeitung lag damals – und liegt noch heute – der Monatszeitung Graswurzelrevolution in voller Auflagenhöhe (etwa 3.500 – 4.000 Exemplare) bei und wird außerdem an Schulen, Universitäten, in Jugendtreffs oder bei politischen Veranstaltungen und Demonstrationen verteilt. Die utopia wurde uns von Anfang an förmlich aus den Händen gerissen und so steigerten wir die Auflage nach und nach bis auf eine Höhe von 25.000 Zeitungen. Zudem wurde der Erscheinungsrhythmus geändert: war die utopia Anfangs eine Quartalszeitung mit vier Seiten kam sie nach der dritten Ausgabe im Februar 2008 schon alle zwei Monate heraus. Ab der 15. Ausgabe (Frühjahr 2010) entschied das Redaktionskollektiv wiederrum nur jedes Quartal zu erscheinen, dafür aber mit acht statt nur vier Seiten. Die wachsende Popularität der utopia hatte aber auch ihre Schattenseiten: zwar wird die gesamte Arbeit rund um das Zeitungsprojekt ehrenamtlich gemacht, aber die Kosten für Druck und Vertrieb (besonders die Portokosten) stiegen. So konnte die Jugendzeitung „für eine herrschaftslose und gewaltfreie Gesellschaft“ bis vor kurzem vollkommen kostenfrei abonniert werden. Finanziert wurde das Projekt durch Spenden und Anzeigen in der Zeitung – die Kosten für einige der letzten Ausgaben konnten leider nicht mehr gedeckt werden. Nun gibt es ein Defizit von einigen tausend Euro.
Ein weiteres Problem war, dass die Redaktion zu klein war. Nur noch eine Hand voll Leute kümmerte sich um das Zeitungsprojekt. Neue Leute – hierfür bin ich leider mitverantwortlich – wurden nur mangelhaft in die Redaktion eingebunden und ihnen fehlte der Überblick um sich richtig ins Projekt einzubringen. Mitte Dezember gab es deshalb einen Neuanfang bei der utopia. Zum einen müssen von den Abonnenten nun die Portokosten getragen werden um die entstehenden Kosten zu decken, zum anderen gab es Mitte Dezember ein zweitägiges Treffen in Bochum zu dem erfreulich viele junge Leute gekommen sind, die Lust haben bei der utopia mitzuarbeiten. Das Treffen vermittelte auch Grundlagen, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir sowohl finanziell als auch innerhalb des Redaktionsteams wieder auf einen Grünen-Zweig gelangen.

Flops
Nicht alles lief gut in den vergangenen Jahren. So ärgere ich mich immer wieder darüber einige Themen zu sehr schleifen gelassen zu haben: so berichtete ich beispielsweise im Dezember 2009 für Telepolis über neue Atommülltransporte ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus – als es dann einige Monate später spannend wurde, schrieb ich aber nichts mehr. Obwohl ich die Kontakte hatte, berichtete ich nur wenig über den geplanten (und mittlerweile nach einigem Hin und Her von der Politik abgesagten) Atommülltransport von Ahaus ins russische Majak. Vor allem die Spezialisierung auf „Bundeswehr-Themen“ hat wohl dazu geführt, dass einige andere wichtige Themen liegen geblieben sind. Eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema ist im Journalismus heutzutage sicherlich nötig und nützlich, doch sollte man sich wohl besser auch Grenzen setzen und auch andere wichtige Themen im Blick behalten.
Ernsthafte Probleme bei der Berichterstattung machten mir 2010 die Feldjäger bei einer Militärzeremonie der Bundeswehr in Münster. Trotz offizieller Akkreditierung wurde mir der Zutritt zur Veranstaltung doch verweigert – später wurde ich nicht einmal mehr vor die Absperrungen der Armee-Zeremonie gelassen.


Polizei und Feldjäger verhinderten eine vernünftige Berichterstattung während einer Militärzeremonie im Juni 2010 in Münster

Da ich schon des Öfteren sehr kritisch über die Bundeswehr (am Standort Münster) berichtet habe, ist es nicht verwunderlich, dass die Militärpolizei mich nicht gern bei ihren Veranstaltungen sieht. Dennoch hat die Bundeswehr – gerade da sie eine staatliche Institution ist – kein Recht, kritische Journalisten von ihren Veranstaltungen auszuschließen und die Berichterstattung so zu behindern. Obwohl ich die „Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union“ einschaltete und die Gewerkschaft bei der Armee protestierte, gab es weder eine Entschuldigung noch eine andere Reaktion seitens der Bundeswehr. Mit solchen Aktionen zeigt das Militär deutlich, wie viel ihr an Demokratie und Pressefreiheit liegt.
Ärgerlich waren ebenfalls die Vorgänge rund um das Söldnerunternehmen „Asgaard – German Security Group“. Das Unternehmen ist in der 19.000-Einwohner Stadt Telgte nahe Münster beheimatet – obwohl ich aus demselben Ort stamme (aber nicht mehr so oft dort bin) habe ich erst aus der Tagesschau (dabei beschäftige ich mich ja sogar mit Militär-Themen) von der Existenz des Unternehmens erfahren. Immerhin konnte ich in meinen Artikeln über Asgaard noch die ein oder andere exklusive Information unterbringen – dennoch wäre es weitaus besser gewesen, das Thema überhaupt erst öffentlich zu machen. Ich sollte demnächst genauer hinsehen und auch auf mögliche spannende Themen „vor der eigenen Haustür“ achten.
Allerdings: selbst wenn ich schon frühzeitig über die Machenschaften der Söldnerfirma (Asgaard hatte einen Vertrag mit einem dubiosen somalischen Politiker abgeschlossen und wollte Söldner in das afrikanische Land schicken) berichtet hätte, wäre ich wohl nicht weit gekommen bzw. hätte ich nicht viele Menschen erreicht. In diesem Land kann man zwar fast alles offen sagen, doch wer hört einem zu? Momentan schreibe ich zwar für inhaltlich sehr gute Medien, deren Reichweite und Gewichtung für größere gesellschaftliche und politische Diskussionen ist aber sehr begrenzt. So verhielt es sich auch bei der Berichterstattung über die schon erwähnten Uranmülltransporte von Gronau nach Russland. Meine Artikel – damals noch beim kleinen Schweizer-Blog „Nachrichten heuten“ – wurden nur rund 2.000-Mal gelesen. Die Transporte wurden erst zum Politikum als „Frontal 21“ später darüber berichtete. Es ist eine Sache einen gut recherchierten Artikel zu schreiben, eine ganz Andere ist es ihn auch zu verbreiten. Daran muss ich dringend arbeiten – beispielsweise veröffentlichte Artikel über Online-Dienste wie Twitter oder Facebook verbreiten.
Verbesserungsbedarf gibt es auch dort, wo es schwierig wird zu berichten. Eigentlich bin ich sehr hartnäckig was die Recherche angeht. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: nicht wenige Pressestellen (sowohl von Unternehmen als auch von staatlichen Institutionen) weichen kritischen Fragen gerne aus oder stellen sich taub. Meist stachelt mich so etwas an und ich bestehe erst Recht darauf, endlich ehrliche Antworten zu bekommen. In seltenen Fällen verlaufen solche Recherchen aber auch im Sande. Ein Beispiel hierfür möchte ich geben: Laut einem Schreiben des Forschungszentrums Jülich (dort steht ein stillgelegter Atom-Forschungsreaktor) vom Januar 2010 sollen in einigen Monaten „ca. 300.000“ (die Zahl und das „ca.“ stammen aus dem Bericht) abgebrannte Kugelbrennelemente in speziellen Castor-Behältern ins Atomzwischenlager Ahaus gebracht werden. Aus dem Schreiben geht hervor, dass maximal 1.900 Kugelbrennelemente in einen Castor-Behälter passen – es würden also 157,8 sprich 158 Castor-Behälter benötigt. Es sollen aber offiziell nur 152 Castor-Behälter nach Ahaus gebracht werden (darin würden nur 288.000 Kugelbrennelemente Platz finden). Wie viel Kugelbrennelemente sind es also genau – was bedeutet das „ca.“ aus dem Schreiben des Forschungszentrums?


Eingang des Forschungszentrums Jülich im Januar 2010

Ein ehemalige Sicherheitsexperte beim Institut für Sicherheitsforschung und Reaktortechnik des Forschungszentrums Jülich – mittlerweile Kritiker des dortigen Atomprojekts – gab mir gegenüber eine Zahl von 293.000 Kugelbrennelementen an. Auch diese würden in nur 152 Castoren keinen Platz finden. Fahren also wirklich nur 152 Castor-Behälter nach Ahaus oder sollen später weitere Transporte folgen? Was ist mit den restlichen Kugeln? Eine Sache der einmal genauer nachgegangen werden sollte. Ich habe vor etwa einem Jahr den Anfang gemacht, dann ging mir aber die Puste aus da die an den Transporten beteiligten Firmen sehr auskunftsarm waren (mir u.a. die genaue Zahl der zu transportierenden Brennelementekugeln nicht nennen wollten) und mir auch die Zeit für weitere Recherchen fehlte. Einen Artikel habe ich bisher nicht darüber geschrieben, da es mir bisher eine zu unsichere Faktenlage und zu viel Spekulation ist. Dies ist nur ein Beispiel für Recherchen von spannenden Themen die bisher aber zu keinem Ergebnis geführt haben und bei denen ich auch nicht wirklich die Motivation besitze, weiter zu recherchieren (fehlende Zeit spielt dabei natürlich auch immer eine Rolle). Daran muss ich arbeiten – und noch ehrgeiziger werden.

Den bisher wenigen Leserinnen und Lesern dieses Blogs einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Michi

Hausdurchsuchung bei Söldnerfirma

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 25. August 2010

- »Asgaard – German Security Group« soll gegen Waffenembargo der UNO verstoßen haben -

Seit Ende Juni 2010 führt das Zollfahndungsamt Essen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Münster ein Ermittlungsverfahren gegen die in einer Kleinstadt bei Münster sitzende…

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Widerstand gegen »ausländische Mächte«

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 17. Juni 2010

- Einer in Westfalen ansässigen Söldnerfirma droht die Schließung -

Nach dem Medienrummel um die deutsche Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« kann das Unternehmen neue Aufträge und Bewerbungen vorweisen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen w…

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Staatsanwaltschaft droht Söldnerfirma

erschienen in der Tageszeitung Neues Deutschland (www.neues-deutschland.de) am 27. Mai 2010

- Die dubiose Firma »Asgaard« gerät ins Kreuzfeuer von Justiz und Friedensaktivisten -

Der Protest von Friedensaktivisten gegen eine deutsche Söldnerfirma, die in Somalia tätig werden will, nimmt zu. Aber auch die Justiz prüft Schritte gegen die deutsche Söldnerfirma »Asgaard«.

Schon auf der Homepage der Söldnerfirma »Asgaard – German Security Group« geht es martialisch zu. In einem Animationsfilmchen schwebt das Logo der Firma – das Bild eines Wikingerlangschiffes eingerahmt von den Worten »Treue, Loyalität, Disziplin, Ehre, Tapferkeit, Pflicht« in Runenschrift – zu den Klängen von Wagners Walkürenritt über eine Weltkarte.

Protest auf mehreren Ebenen
»Söldnerfirma schließen – Telgte bleibt friedlich«: Mit Schildern, Transparenten und Trillerpfeifen zogen am Montag rund 20 Friedensaktivisten vor den »Asgaard«Geschäftssitz in einem Wohngebiet in Telgte bei Münster. Die Firma aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt mit 19 000 Einwohnern ist am Wochenende in die Schlagzeilen geraten, da sie beabsichtigt, mehr als 100 deutsche Söldner in den somalischen Bürgerkrieg zu schicken. Dort sollen sie den Politiker Galadid Abdinur Ahmad Darman, der sich selbst als gewählten Präsidenten des Landes bezeichnet und zugleich der international anerkannten Übergangsregierung jegliche Legitimation abspricht, im bewaffneten Kampf gegen andere Gruppen unterstützen.

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